AKTIE UNTER DER LUPE
Analysten wenden sich von Sixt ab

Sixt, Deutschlands größter Autovermieter, leidet unter der Flaute bei Gebrauchtwagen. Wegen schlechter Informationspolitik beobachten kaum noch Analysten die Aktie des einstigen Börsenlieblings.

MÜNCHEN. Deutschlands bekanntester Autovermieter Erich Sixt zählt zu den festen Größen der Gesellschaft. Eine Abendgala ist zumindest ohne seine Frau Regine Sixt in der Münchner Bussi-Gesellschaft kaum denkbar. Die Gemeinde der Finanzanalysten kann von so einer Offenherzigkeit nur träumen. Die Bilanz für 2000 wird der mit rund 5 Mrd. DM Umsatz größte deutsche Autovermieter erst verspätet am kommenden Dienstag vorstellen - keine zwei Wochen vor Ende des ersten Halbjahres 2001.

"Die Finanzkommunikation von Sixt ist eine einzige Katastrophe", findet ein Analyst, der lieber nicht genannt werden will. Seit langem fordern auch die Kleinaktionäre mehr Informationen. Die Aktie des einstigen Börsenlieblings, der laut Werbung seine Kunden überall hinbringt, befindet sich auf rasanter Talfahrt. Vor zwei Jahren stand der Kurs noch bei 70 Euro, zuletzt notierte die Aktie nur bei 13 Euro.

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind Ex-Sixt-Wagen nicht gefragt

Sixt hat Probleme seine Fahrzeuge nach der Nutzung als Mietwagen wieder auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu verkaufen. Erklärungsbedarf gibt es genug - nicht aber für den Selfmade-Unternehmer Erich Sixt, der knapp drei Viertel der Aktien hält. Im vergangenen Jahr verzichtete Sixt ganz auf eine Bilanzpressekonferenz. Die Gewinnwarnung für dieses Jahr brachte das Unternehmen zu einem wahrlich unchristlichen Zeitpunkt: Die Hiobs-Botschaft aus dem katholischen Bayern wurde am Vorabend des Karfreitag ad-hoc veröffentlicht und sollte wohl möglichst wenige Empfänger erreichen. Die Quartalszahlen gab Sixt dann lediglich auf der Homepage der Deutschen Börse bekannt und das zum letzten möglichen Zeitpunkt - zwei Monate nach Quartalsende. Nichts scheint Sixt heiliger als die eigene Bilanz.

Kein Wunder dass die Finanz-Gemeinde stöhnt, wenn der Name Sixt fällt. HSBC Trinkaus & Burkhardt und die Bayrische Landesbank haben ihre Hoffnung auf Besserung aufgegeben und Sixt von der Beobachtungsliste gestrichen. Nicht einmal ein Dutzend Analysten betreuen das M-Dax-Unternehmen, das immerhin zu den 100 wichtigsten deutschen Unternehmen zählt. "Sixt ist für uns nicht mehr greifbar und eine seriöse Analyse unmöglich", sagt ein Analyst, der ebenfalls nicht genannt werden will. Übliche Analystentreffen macht Sixt nur sporadisch. Einzelaudienzen für Wertpapierbeobachter sind äußerst selten.

Investor Relations sind "katastrophal"

Auch Ernst Scheerer von Dresdner Kleinwort Wasserstein findet die Investor Relations katastrophal, aber der Analyst hat den Glauben an die Aktie nicht verloren. Sie steht bei ihm auf "halten". Sixt habe trotz der schwachen Zahlen die Dividende konstant gehalten und weise eine passable Dividendenrendite auf. Der Gebrauchtwagenmarkt werde sich wieder erholen. Den großen Swing erwartet er im nächsten Jahr. Ab Herbst will Scheerer den Wert auf "kaufen" stufen. Ein Kursziel von 30 Euro sei dann durchaus realistisch. Die Anleger würde es sicher freuen, wenn sie nicht mehr nur mit der Dividenden-Hostie abgespeist würden.

Die Hypo-Vereinsbank als Hausbank stufte dagegen nach den schwachen Quartalszahlen im April die Sixt-Aktie auf "underperformer" zurück. Nur einer von zehn Analysten empfiehlt das Papier derzeit zum Kauf. Im ersten Quartal hatte sich das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um gut 10 % auf Minus 6,8 Mill. DM verschlechtert. Der Konzern-Umsatz fiel von 1,2 Mrd. DM auf 1,1 Mrd. DM. Für 2001 hat Sixt ein Minus beim Umsatz um 10 % und Vorsteuerergebnis um 20 % angekündigt. Personalabbau und Stationsschließungen belasten die Ertragslage.

Die Finanzwelt bleibt gespannt, wie und ob Sixt die Krise allein meistern kann. Gerüchte über den Einstieg eines Automobilherstellers keimen immer wieder auf, nachdem VW bei Europcar und Ford bei Hertz eingestiegen sind. Bislang hat der Firmenchef darauf mit heftigen Dementis reagiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%