Aktie unter der Lupe
Analystenmeinungen über Aventis gehen auseinander

Der deutsch-französische Life-Science-Konzern Aventis S.A. hat mit seinen Neunmonatszahlen die Analysten überrascht. Vorstandschef Jürgen Dormann hält an seiner Gewinnprognose von über 2 (Vorjahr: 1,50) Euro je Aktie für das Jahr 2001 fest.

abo PARIS. "Profit-Warnung, einmal andersherum", jubelte das Pariser Analysehaus ETC, wo die Aktie ein Kauf bleibt. Obwohl die weltwirtschaftliche Lage auch Aventis nicht ungeschoren lasse, seien die Aussichten für die Gruppe günstig, hieß es in einer ersten Bewertung.

Auch in Deutschland gab es Lob. Zwar hätten die Umsätze im dritten Quartal die Erwartungen nicht erfüllt, äußerte Sal. Oppenheim, doch "überstieg der Reingewinn unsere Schätzungen beträchtlich." Die Privatbank sieht Aventis weiter als Outperformer.

Der Kurs der Aventis-Aktie war indes nach Bekanntwerden der Ergebnisse deutlich gesunken. Das regte an der Pariser Börse allerdings niemanden auf. Hier zählt die mit 65 Mrd. Euro bewertete Aventis zu den französischen Premiumwerten und den interessantesten Pharmaaktien.

"Die Zahlen von Aventis sind unerwartet gut: Die Marge hat sich verbessert, der Reingewinn auch", hieß es bei BNP Equities. Gewinnmitnahmen hätten den Kursrutsch verursacht.

Mit häufigen Auf- und Abwärtsbewegungen im Kurs von einigen Prozent bei regelmäßigen Umsätzen von deutlich über 1 Mill. Stück gehört die im Pariser Leitindex Cac 40 geführte Aktie zu den aktivsten Standardwerten in Paris.

Der binationale Charakter der Gruppe kommt auch an der Börse zum Ausdruck. Aventis ist eine der seltenen französischen Aktien, die auch in Deutschland einen liquiden Markt haben.

Die Aktie hat in der Tat Entwicklungschancen. Zwar ist der erst 1999 zusammengefügte deutsch-französische Konzern mit starker Präsenz in Amerika mit 15 Mrd. Euro bei knapp 12 Mrd. Euro Eigenmitteln recht hoch verschuldet. Doch wächst sein finanzieller Spielraum durch die angekündigten Spartenverkäufe beachtlich:

Für die Abtretung des Pflanzenschutzgeschäftes an Bayer erhält Aventis 7,25 Mrd. Euro liquide Mittel. Dazu ist ein Verkauf des Tiernahrungsgeschäftes an die CVC Capital Partners absehbar, der dem Konzern etwa 430 Mill. Euro einbringen dürfte. Die Trennung von den restlichen 25 % am Chemiekonzern Rhodia könnte zudem - in aller Stille über die Börse realisiert oder durch einen Verkauf an einen industriellen Bieter - bis zu 1,5 Mrd. Euro bringen.

Aventis hat in Analystenkreisen aber nicht nur Fans. Der in Strassburg ansässige Konzern hat die auf seinen eigenen Daten basierenden Prognosen der HSBC-Analysten nicht erreicht und besonders bei den Pharma-Blockbustern im dritten Quartal gepatzt. Das ist insofern von Bedeutung, als diese Arzneien zu den operativen Erträgen des Konzerns beträchtlich beitragen.

Der wichtigste dieser wachstumsstarken Umsatzrenner, das Allergiemittel "Allegra", blieb mit 32 % Umsatzzuwachs um 12 Prozentpunkte hinter den HSBC-Kalkulationen zurück. Das Thrombosemittel "Lovenox" schaffte 27 % Umsatzplus, HSBC hatte mit 34 % gerechnet. Und das Krebsmedikament "Taxotere" hätte 38 % mehr Erlöse bringen sollen, schaffte von Juli bis September nur 14 % Plus.

So gibt es erste Stimmen, die schon von einer Krise bei Aventis reden und an das von Pharmafachleuten bei der Aventis-Fusion vorhergesagte "Loch" in der Produktpipeline in den Jahren 2002 bis 2005 erinnern. Zweifellos läge in einem vorzeitigen Abreißen des Wachstums der Blockbuster ein Risiko für die Wertentwicklung der Aktie.

Um dieser Gefahr entgegen zu wirken, setzt Aventis auf Allianzen mit kleinen, innovativen Pharmafirmen.

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