Aktie unter der Lupe
Anglo American überzeugt Analysten

Zwar erwarten Bankexperten, dass der britisch-südafrikanische Bergbaugigant Anglo American morgen einen leicht rückläufigen Gewinn meldet. Doch zwei Jahre nach der Verlagerung seines Hauptsitzes von Johannesburg nach London gewinnt der Minenkonzern zunehmend die Gunst der Analysten

Der einstige südafrikanische Mischkonzern Anglo American Plc hat sich in Rekordzeit zum internationalen Bergbaukonzern gewandelt. Die meisten Brokerhäuser, darunter JP Morgan in Johannesburg und HSBC in London, empfehlen die Aktie langfristig orientierten Anlegern zum Kauf. Doch die Abkühlung der Weltwirtschaft und der Preissturz einzelner Grundmetalle hat auch Anglo zugesetzt. Daher dürfte das nach BHP Billiton und Rio Tinto weltweit drittgrößte Bergbauhaus morgen einen leichten Gewinnrückgang melden, schätzen Experten.

Bergbauanalysten in Großbritannien und Südafrika erwarten, dass der Gewinn vor außergewöhnlichen Posten im ersten Halbjahr um etwa 3% auf rund 920 Mill. $ geschmolzen ist. Die Prognosen reichen von 840 Mill. $ bis 1 Mrd. $. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag der Gewinn bei 951 Mill. $.

Binnen weniger Jahre hat sich Anglo grundlegend gewandelt. Der neue Firmenchef Tony Trahar trennte sich im vergangenen Jahr von einem Gutteil des firmenfremden Ballasts, darunter fast die gesamte Beteiligung an der südafrikanischen Bankengruppe Firstrand. Gleichzeitig drängt der Konzern, dessen Vermögenswerte noch vor zwei Jahren zu über 70 % in Südafrika lagen, ins Ausland: Im vergangenen Jahr erwarb Anglo Firmen im Wert von 3,5 Mrd. $, darunter das britische Baustoffunternehmen Tarmac und die australischen Kohle-Gruben von Shell. Durch weitere Investitionen in die kolumbianische Kohleindustrie wurde Anglo zu einem der weltgrößten Förderer des "schwarzen Goldes". In Zukunft will Anglo vor allem bei Basismetallen wie Zink und Zinn, wachsen.

Noch zur Mitte der neunziger Jahre gab es in Südafrika kaum einen Wirtschaftszweig, in dem das 1917 von dem deutschen Einwanderer Ernest Oppenheimer gegründete Unternehmen nicht vertreten war: Die Beteiligungen reichten von der Industrie über den Bergbau und das Bankwesen bis zur Autobranche und zum Agrarsektor. Bedingt war die breite Streuung durch die Isolation Südafrikas und die vom Apartheidstaat verhängten Kapitalexportkontrollen, die Investitionen im Ausland erschwerten.

Nach dem drastischen Umbau besteht Anglo nun aus fünf Sparten: Kohle, Basismetalle, Holzprodukte, Eisenmetalle und Industriemineralien. Hinzu kommen zwei börsennotierte Tochterfirmen - der weltweit größte Goldförderer Anglogold, an dem Anglo 53,4 % hält, und der weltgrößte Platinproduzent Angloplat , an dem Anglo mit 50,2 % beteiligt ist. Zudem besitzt das Unternehmen einen Anteil von 45 % am Diamantenkonzern De Beers , der rund zwei Drittel des Welthandels mit Rohdiamanten kontrolliert.

Analysten loben die komplette Neuordnung der bei Anlegern wenig beliebten Überkreuzbeteiligung zwischen Anglo und De Beers. Früher besaßen Anglo American und De Beers je rund ein Drittel der jeweils anderen Firma. De Beers verschaffte dies einen Schutz gegen die häufigen Auf- und Abschwünge am Diamantenmarkt, und Anglo profitierte von den guten Margen im Diamantengeschäft. Allerdings war durch die Überkreuzbeteiligung auch rund ein Drittel aller Aktien beider Firmen fest gebunden und damit nicht handelbar, was besonders professionelle Investoren störte.

Die meisten Broker sind wie Ross Gardiner von der Standard Chartered and Merchant Bank darin einig, dass Anglo American gegenüber seinen Rivalen viel Boden wettgemacht hat. Trotz der niedrigeren Bewertung habe der Konzern Konkurrenten wie BHP Billiton oder Rio Tinto in Punkto Profitabilität sogar zeitweise überholt, meint Gardiner. Grund sei die Konzentration auf lukrative Edelmetalle. Zusammen mit Diamanten und Gold steuerte Platin im vergangenen Jahr über 50 % zum Konzerngewinn bei.

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