Aktie unter der Lupe
Anleger brauchen bei Heidelberger Druck Geduld

Wer in Aktien investiert, sollte langfristig denken. Auch wenn immer weniger Aktionäre angesichts der aktuellen Börsenverfassung an diese Aussage glauben mögen, so hat sie doch ihre Berechtigung.

jkn FRANKFURT/M. Zum Beispiel im Falle der Heidelberger Druckmaschinen AG. Noch leidet der weltgrößte Druckmaschinen-Hersteller unter der Werbeflaute. Doch die Analysten sind sich einig: Das Unternehmen wird einer der Profiteure einer anziehenden Konjunktur sein.

Damit ist freilich auch gleich die große Unbekannte in der Bewertung von Heidelberg Druck genannt. Keiner weiß genau, wann sich die Wirtschaft erholen wird. Auch Bernhard Schreier, der Vorstandsvorsitzende von Heidelberg, wagt keine genaue Aussage. Er hat für das laufende Geschäftsjahr 2002/03 (zum 31. März) erst einmal vorsichtig kalkuliert. Mit gut 5 Mrd. Euro soll der Umsatz auf Vorjahreshöhe liegen. Gleiches gilt für das Ergebnis vor Steuern, das im abgelaufenen Geschäftsjahr von 283 Mill. auf 201 Mill. Euro gefallen ist.

"Bewertungstechnisch spiegelt sich dieses niedrige Umsatz- und Ertragsniveau mittlerweile vollständig wider", sieht Erhard Schmitt von Helaba Trust kurzfristig kaum Kurspotenzial. Auch die Experten von HSBC Trinkaus & Burkhardt halten die Aktie für angemessen bewertet. Zudem ist das Papier trotz der jüngsten Kursverluste mit einem Kurs-Gewinn-Verhältniss von fast 17 bezogen auf das laufende Geschäftsjahr nicht gerade ein Schnäppchen.

Heidelberg hat sich vor einigen Jahren zu einem Komplett-Anbieter für die Graphische Industrie gewandelt. Das klassische Geschäft mit den Bogenoffset-Maschinen wurde um die Druckvorstufe und die Weiterverarbeitung ergänzt. Daneben baute der Konzern das Zukunftsgeschäft mit Digitaldruckmaschinen aus. Diese kleineren Anlagen machen Heidelberg freilich stärker von der Werbebranche abhängig.

Zudem ist der Bedarf an neuen Anlagen zur Zeit sehr gering. "Der letzte Investitionszyklus der Branche war insbesondere in den USA sehr ausgeprägt", erklärt Helaba-Analyst Schmitt. Wie schwierig die Geschäfte sind, zeigt ein Blick auf die Absatzfinanzierung, also das Angebot an die Heidelberg-Kunden, die Anlagen günstig zu finanzieren.

Aktie hat Spielraum nach oben

Angesichts der schwachen Nachfrage versuchen die Drucker, ihre Zahlungen an Heidelberg aufzuschieben. Diesen Ausfall muss Heidelberg mit zusätzlichen kurzfristige Kredite finanzieren. Auf die Folgen weist Ralf Dörper, Analyst von WestLB Panmure, hin: Erstmals sei der Free Cash-flow - also das, was dem Unternehmen aus dem operativen Geschäft nach Abzug der Sachinvestitionen tatsächlich bleibt - mit minus 323 Mill. Euro negativ.

Dennoch bietet die Heidelberg-Aktie auf längere Sicht Potenzial, vor allem wenn es mit der Wirtschaft wieder bergauf geht. "Gelingt die Wende im kommenden Jahr, so hat die Aktie Spielraum nach oben", sagt Helaba-Analyst Schmitt. 53 Euro könnte das Papier erreichen.

Neben der wieder einsetzenden Nachfrage bietet vor allem das Zukunftsgeschäft Digitaldruck Chancen. So sind die Aussichten gut, dass Heidelberg angesichts der aktuellen Schwierigkeiten des Wettbewerbers Xerox zusätzliche Marktanteile in diesem Markt gewinnen wird.

Weiterer Treibstoff für die Aktie könnte der geplante Verkauf des 50 %igen Aktienpakets liefern, das RWE hält. Dieses will der Energiekonzern bis Ende 2003 veräußern. Dabei wird einem Verkauf an Finanzinvestoren in der Branche die größte Chance eingeräumt. Damit würde sich der Streubesitz erhöhen und Heidelberg ein Kandidat für die Aufnahme in den Eliteindex Dax werden.

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