Aktie unter der Lupe
Anleger entziehen Software AG das Vertrauen

Eine geringe Reduzierung der Ertragsziele kostete fast den halben Börsenwert. Investoren fühlen sich von der einst so zuverlässigen Software AG getäuscht. Die Aktie bietet nach dem Kurseinbruch große Chancen - aber nur, wenn sich die Darmstädter nicht noch einen Ausrutscher leisten.

DÜSSELDORF. Was trennt SAP und die Software AG von den Softwareschmieden im Neuen Markt? Die zwei großen Unternehmen erwirtschaften Gewinne, und die Aktienkurse waren nach dem Platzen der High-Tech-Blase sanfter abgestürzt. Letzteres kann der Darmstädter Software-Konzern nun nicht mehr für sich beanspruchen: Ebenso wie fast alle Neue-Markt-Titel notiert der M-Dax-Wert inzwischen unter dem Ausgabekurs von 1999. Und die Gründe sind dieselben: Enttäuschte Erwartungen und ein massiver Vertrauensverlust.

Als Deutschlands zweitgrößtes Software-Unternehmen die Anleger in einer Pflichtveröffentlichung schockierte, dass der Umsatz im laufenden Quartal nur das Vorjahresniveau und die Gewinnmarge vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen statt 12-14 % nur 7-9 % erreichen wird, brach der Aktienkurs um 40 % ein. Der Titel gehörte an diesem 5. März zu den umsatzstärksten deutschen Aktien.

Tiefer Vertrauensverlust

Noch schwerer als die überraschende Gewinn- und Umsatzwarnung wiegt der tiefe Vertrauensverlust. Denn die bis dato durch Zuverlässigkeit glänzende 32 Jahre alte Firma hatte noch eine Woche vorher auf der viel beachteten Analystenkonferenz der Deutschen Bank an allen selbst gesteckten Zielen festgehalten. Auch noch zwei Tage danach, als Finanzvorstand Volker Dawedeit seinen Rücktritt angekündigt hatte. Dass Anleger sich kräftig verschaukelt fühlten, überrascht weniger. Vor allem US-amerikanische Fonds kehrten der Software AG den Rücken. Bestärkt fühlten sich die Großinvestoren durch die Gewinnwarnung des Software-Giganten Oracle, aber auch durch Innovationen von Microsoft, IBM und eben Oracle: Die großen Amerikaner der Branche entwickeln Konkurrenzprodukte zur Datenbank Tamino, dem großen Hoffnungsträger der Darmstädter ab dem zweiten Halbjahr.

Dementsprechend ist bei Bankhäusern, zum Beispiel Lehman Brothers, die Furcht groß, dass die Gewinnwarnung nur die erste von mehreren sein wird. Lehman Spezialist Andrew Beswick reduzierte sein Kursziel von 28 auf 22 Euro. Trotz des aktuell niedrigeren Kurses behält er die Einstufung "market underperform" bei. Die Aktie wird sich also seiner Meinung nach schlechter als der Gesamtmarkt entwickeln. Dass die Jahresprognosen für 2002 und 2003 noch zurückgenommen werden könnten, meint auch die Hypo-Vereinsbank. Sie beziffert ebenso wie die Berenberg Bank (Urteil: Verkaufen) den "fairen Aktienwert" auf 19 Euro. Die schlechte Kombination aus Gewinnwarnung, sehr vagen Aussagen zum weiteren Jahresverlauf und der schwachen Umsatzentwicklung sowohl der E-Business-Produkte als auch der klassischen Datenbanken begrenze das Kurspotenzial.

Schwarze Zahlen in schwierigen Zeiten

Das sehen eine Reihe von Investmenthäusern optimistischer. Sie verweisen darauf, dass Software auch in schwierigen Zeiten schwarze Zahlen schreibt und die Aktie trotz reduzierter Ertragserwartungen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als 20 nicht hoch bewertet ist. So stufte Bob Liao von Dresdner Kleinwort Wasserstein die Aktie nach den jüngsten Verlusten von "reduce" auf "hold" herauf. Credit Suisse First Boston rät zum "Kauf", SEB sogar zum "starken Kauf": Dafür spräche die Neuorganisation des Vertriebes, wodurch sich die Beziehungen zu den Kunden verbessern könnten, meint SEB. Noch bestehende Risiken seien weitgehend berücksichtigt.

Daran hat Softwares Vorstandschef Erwin Königs offenbar noch Zweifel. Viel mehr als die Worte: "Wir gehen davon aus, dass dieses Jahr ein flaches Jahr für die Industrie wird" und dass er spürbares Wachstum bei Software-Unternehmen erst 2003 wieder erwarte, ließ er sich auf der Computermesse Cebit in Hannover nicht entlocken. Daran wird sich bis zum 24. April wenig ändern. Erst dann, wenn die Quartalsdaten veröffentlicht werden, will Königs eine neue Prognose wagen.

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