Aktie unter der Lupe
Anleger schenken der Jenoptik-Aktie wenig Beachtung

Der Technologiekonzern Jenoptik hat das Jahr 2001 mit dem besten Ergebnis seiner Unternehmensgeschichte abgeschlossen. Investoren schenkten den guten Zahlen aber keine große Bedeutung.

DÜSSELDORF. "Die Aktie von Jenoptik ist eine Perle. Doch keiner scheint sich so richtig für das Papier zu interessieren", sagt Gerlinde Gollasch, Analystin bei der Bankgesellschaft Berlin. Sie sieht den Kurs des Jenoptik-Papiers bei 24 bis 25 Euro. Für die Zukunft erwartet Gollasch weiterhin gute Konzern-Ergebnisse, doch zeigt sie sich wenig optimistisch, dass sich an dem mangelnden Anlegerinteresse so bald etwas ändern könnte.

Dabei gibt es gute Gründe, sich Jenoptik näher anzuschauen: "Das Unternehmen wird sehr seriös geführt und die Finanzierung ist extrem solide", sagt Gollasch. Auf der Bilanzpressekonferenz Anfang dieser Woche betonte der Ex-Politiker und Vorstandsvorsitzende Lothar Späth, dass der Konzern praktisch schuldenfrei sei.

Am Dienstag dieser Woche veröffentlichte der Technologiekonzern die Zahlen für das Jahr 2001. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 27,3 Prozent auf über zwei Milliarden Euro. Auch Überschuss und Betriebsergebnis erreichten trotz schwacher Konjunkturentwicklung und Krise im Halbleiterbereich Rekordmarken: Der Jahresüberschuss wuchs auf 88,3 Millionen Euro (VJ.: 86,6 Millionen Euro), das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich von 82,5 auf 109,1 Millionen Euro.

Im Jahr 2000 stammten noch rund 50 Prozent des Betriebsergebnisses aus dem Unternehmensbereich Asset Management (Venture-Capital-Vergabe). Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhte sich aber der Ergebnisanteil der beiden industriellen Geschäftsbereiche Clean Systems (Raumlösungen) und Photonics (Hochleistungsoptik) auf 70 Prozent. Die Verbesserung in diesen Bereichen konnte den Ebit-Rückgang im Asset Management fast ausgleichen. "Das Geschäft mit den Börsengängen kann nicht mehr so hohe Gewinne generieren, wie in 1999 und 2000", sagt Michael Busse, Analyst von Helaba Trust.

Der Vorstand erklärte, dass er bei der Risikokapitalgesellschaft DEWB AG eine schrittweise Reduzierung der Anteile von derzeit 92 Prozent plane, ohne aber bei der DEWB ganz aussteigen zu wollen. Busse hält das für die richtige Strategie. "Der Konzern will den Anteil auf 50 Prozent verkleinern. DEWB ist nicht mehr die cash cow wie in Zeiten des IPO-Booms", erklärt der Analyst der Helaba Trust.

Die Erträge aus dem Verkauf der DEWB sollten in den Bereich Lasertechnik investiert werden, meint Michael Köhler, Analyst bei der SEB. "Jenoptik hat da bereits gute Produkte, aber der Bereich ist einfach noch zu klein, um eine Auswirkung auf die Gewinn- und Verlustrechnung zu haben", sagt Köhler. In der Photonics-Sparte gibt es den Bereich Elektrooptik, der jährlich mit knapp 30 Prozent wächst. Der zweite Bereich der Photonics-Sparte ist die Wehrtechnik, die zwar hohe Gewinne abwirft, aber nicht mehr wächst.

Aktie leidet unter Krise in der Halbleiterbranche

Die Aktie des ostdeutschen Technologieunternehmens musste immer wieder unter der Krise in der Halbleiterbranche leiden. "Jenoptik macht praktisch 50 Prozent der Umsätze mit der Halbleiterindustrie und ist daher sehr abhängig von diesem Markt", erklärt SEB-Analyst Köhler. Wenn in der zweiten Jahreshälfte aber tatsächlich eine Erholung auf dem Halbleitermarkt eintreten würde, hätte das sehr positive Auswirkungen auf die Aktie der Jenoptik-Gruppe.

Rund 50 Prozent des Umsatzes erziele Jenoptik im Ausland, wovon der überwiegende Teil aus Asien kam. Das Unternehmen plant jetzt den Kauf einer Firma in den USA. Michael Busse von der Helaba Trust hält dies für einen wichtigen Schritt. "Ein Standbein in Nordamerika zu haben, ist für Jenoptik wichtig. Denn hier ist das Unternehmen, im Gegensatz zu Asien, weitgehend unterrepräsentiert", sagt Busse.

Nach der Hauptversammlung im Juni 2003 wird Finanzchef Alexander von Witzleben die Nachfolge von Firmenchef Lothar Späth antreten. Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident wechselt dann an die Spitze des Aufsichtsrats.

Der Führungswechsel wird nach Meinung von Analysten aber keine gravierenden Veränderungen für Jenoptik mit sich bringen. "Der neue Vorstandsvorsitzende ist schon lange im Unternehmen und eine Art Ziehkind von Lothar Späth", erklärt Finanzexperte Busse von Helaba Trust.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%