Aktie unter der Lupe
Atoss ragt aus der Software-Branche heraus

Der deutschen Software-Branche geht es zweifellos schlecht. Nicht so Atoss. Der Spezialist für Arbeitszeitmanagement hat nach schweren Zeiten gerade wieder seine Gewinnmarge verbessert, weitere Zuwächse sind möglich.

scc FRANKFURT/M. In diesen konjunkturell schlechten Zeiten sind Turnaround-Kandidaten selten. Eine Gesellschaft, die trotzdem die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft hat, ist die Münchener Atoss Software. Seit etwa einem Jahr erwirtschaftet das Münchener Spezialsoftwarehaus, das sich auf Arbeitszeitmanagement und Personaleinsatzplanung spezialisiert hat, wieder schwarze Zahlen. Bis auf 8 % wuchs die Ebit-Marge nun im dritten Quartal 2002. 690 000 Euro wurden als Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von Januar bis September erzielt, nachdem an dieser Stelle im Vorjahreszeitraum noch ein Minus von 1,57 Mill. Euro stand. Ein Aspekt, der Atoss in eine Ausnahmeposition innerhalb der gebeutelten Software-Branche hievt. Kein Wunder also, dass der Kurs seit Bekanntgabe der Zahlen gut ein Drittel an Wert zugelegt hat.

Analysten trauen der Aktie auch künftig eine bessere Entwicklung als der Software-Branche generell zu. Zum "Übergewichten" rät deshalb Christian Heckemann von der Bayerischen Landesbank, während er die Gesamtbranche mit "untergewichten" einstuft. Sogar eine zweistellige Gewinnmarge hält er für möglich. "Bei Atoss sehen wir die Auswirkungen einer erfolgreichen Restrukturierung", so Heckemann. Ein Grund dafür ist die konsequente Vierteilung des Geschäfts in IT-Services & Consulting (Umsatzanteil 31 %), Wartung (30 %), Softwarelizenzen (23 %) und mit einem gewissen Abstand Hardware (11 %).

Während es innerhalb der ersten beiden Bereiche gute Fortschritte gab, konnte im Lizenzgeschäft zumindest der seit fünf Quartalen rückläufige Trend gestoppt werden. Generell macht der Sparte zu schaffen, dass sich die Kunden wegen einer oft angespannten Finanzsituation noch immer mit Aufträgen zurückhalten. Interessanter erscheint der Bereich Consulting. "Viele Unternehmen sind derzeit zu Einsparungen im Personalbereich gezwungen", so Heckemann. Dabei müsse die Profitabilität verbessert werden, ohne auf einen gewissen Mitarbeiterstamm zu verzichten. Später sei es nicht ausgeschlossen, dass sich diese Kunden auch die Software-Lizenzen von Atoss zulegen. "Der große Run kann noch kommen", so Heckemann.

Dass das Unternehmen kürzlich erstmals für 2002 eine Dividende in Aussicht gestellt hat, verleiht der Aktie weitere Phantasie. Zumal das vierte Quartal 2002 nach Aussagen des Unternehmens genauso positiv wie das dritte verlaufen soll. Einen leichten Umsatzanstieg und eine deutliche Ergebnisverbesserung soll deshalb das Gesamtjahr bringen. "Kaufen" sagen deshalb Manuel Hoelzle und Marcus Moser von GBC German Business Concepts. Die Gesellschaft verfüge trotz einer Ausschüttung an die Aktionäre über eine ausreichende Liquiditätsausstattung für mittelfristige Akquisitionen. So liegt die Eigenkapitalquote bei 86 %, an liquiden Mitteln waren Ende September 33,4 Mill. Euro in der Kasse. Trotzdem gebe es beim Thema Akquisitionen keine Eile. "Atoss ist bereits sehr gut aufgestellt. Es ist deshalb besser, auf den richtigen Kandidaten zu warten" so Christian Heckemann. Anleger sollten den hohen Cash-Bestand wie eine Call-Option betrachten, die im Unternehmen schlummert.

Pluspunkte bei den Anlegern hat Atoss auch Anfang der Woche gesammelt, als sich das Unternehmen den Verhaltensregeln der Corporate Governance Kommission mit geringen Abweichungen verpflichtete. "Das ist ein weiterer Baustein, um für Vertrauen zu sorgen", so Heckemann.

Quelle: Handelsblatt

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