Aktie unter der Lupe
AT&T gerät an der Börse ins Abseits

Der US-Telefonkonzern AT&T kann es Analysten und Anlegern zurzeit nicht recht machen. Zu vage seien die Prognosen des Managements, meinen Experten. Sie raten dazu, die weitere Entwicklung abzuwarten.

NEW YORK. Die Mutter aller amerikanischen Telefongesellschaften, AT&T, ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Die von den Kartellwächtern einst abgespaltenen regionalen Anbieter, die "Baby Bells", machen "Ma Bell" verstärkt zu schaffen. Und das AT&T-Management kann unter Analysten und Anlegern offensichtlich kaum Zuversicht verbreiten. Ergebnis: Der Aktienkurs geht stetig nach unten.

Rund ein Drittel ihres Wertes hat die AT&T-Aktie seit Jahresbeginn verloren. Dabei hatten AT&T zunächst noch leichte Gewinne verzeichnet; doch nach Veröffentlichung der Quartalsbilanz vor rund zwei Wochen stürzte der Kurs ab - obwohl der Fernsprechriese mit einem Gewinn von 66 Cent je Aktie wieder schwarze Zahlen geschrieben und sogar die Analystenerwartungen erfüllt hatte.

Gestern notierte das Papier knapp über 17 Dollar, nur noch 40 Cent entfernt von seinem Fünfjahrestief und rund 50 Prozent unterhalb des Jahreshöchststands von 34 Dollar im vergangenen Februar. Nun sehen einige Analysten wieder Luft nach oben, wenn auch nur kurzfristig. Frank Governali etwa, Analyst beim US-Bankhaus Goldman Sachs, setzte wegen der starken Preisverluste seine Bewertung von Neutral auf "Outperform" (überdurchschnittliche Kursentwicklung) hoch und erklärte, der Markt habe nach der Bilanzkonferenz überreagiert. Ned Zachar von der Investmentbank Thomas Weisel bezeichnet AT&T weiterhin als einen der stärksten Namen in der Branche und als "finanziell gesundes" Unternehmen. Einer kurzfristigen Kurserholung stehen aber langfristig düstere Aussichten gegenüber.

Die Prognosen für das Geschäftsjahr sind den Analysten zu vage. Das Management hatte lediglich erklärt, das Umsatzwachstum dürfte geringer ausfallen als vor Jahresfrist. Adam Quinton von Merrill Lynch kommt zu dem Schluss: "Die Entscheidung des Managements, nichts über den angestrebten Gewinn je Aktie für das Gesamtjahr bekannt zu geben, deutet auf mangelnde Zuversicht hin. Das Ausmaß an Unsicherheit über künftige Gewinne ist beunruhigend." Zudem befürchten die Experten, dass die Ertragsrückgänge wesentlich größer ausfallen als angekündigt. Analyst Zachar rechnet mit einem Minus von 7 % allein im laufenden Jahr.

Schuld an den sinkenden Profiten sind unter anderem die harten Konkurrenzkämpfe in der Branche, die in den USA zurzeit eine Umbruchphase durchläuft. Als größter Anbieter von Ferngesprächen in den USA hat AT&T im abgelaufenen Quartal Marktanteile eingebüßt und im Privatkundenbereich einen Ertragsrückgang von rund 20 Prozent verzeichnet. "Diese Entwicklung wird sich im ersten Jahresquartal fortsetzen und könnte sich sogar beschleunigen", sagt Governali. Zachar pflichtet dem bei: "AT&T verliert bei den privaten Ferngesprächen zurzeit Hunderte Millionen Dollar pro Quartal, und wir können nicht erkennen, dass sich das in den nächsten 24 bis 36 Monaten ändern wird."

Es gibt zwar auch einige Pluspunkte. Zum Beispiel loben die Analysten den Verkauf der Kabelfernsehsparte. Selbst die Verluste im Geschäftskundenbereich bewerten sie nicht allzu negativ: "Die Rückgänge, die wir hier sehen, sind hauptsächlich auf die schwache Wirtschaftslage zurückzuführen, und die Sparte sollte 2004 wieder ein Pluswachstum verzeichnen", sagt Zachar. Doch die meisten Analysten sind skeptisch. Merrill-Lynch-Fachmann Quinton sagt: "Die Risiken sind offensichtlich, die Gründe für eine Aufwärtsbewegung dagegen weniger."

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