Aktie unter der Lupe
Auch die Börse-Aktie spürt die Börsenflaute

Die Aktie der Deutschen Börse AG wird von Analysten zurückhaltend betrachtet. Die Talfahrt der Börse schürt die Sorge vor Umsatzeinbußen im Kerngeschäft. Zudem rächt sich der hohe Ausgabekurs beim Börsengang Anfang Februar.

HB FRANKFURT/M. Nicht einmal zwei Monate nach dem Börsendebüt am 5. Februar hat die Aktie der Deutschen Börse das selbe Schicksal ereilt wie so viele Neuemissionen: Das Papier ist unter den Ausgabepreis gerutscht. Einziger, wenngleich schwacher Trost für die Anleger:Die Verluste halten sich noch im Rahmen. Gestern Mittag notierte die Aktie mit 318 rund 5 % unter dem Ausgabekurs von 335.

Der misslungene Börsenstart passt zu den verhaltenen Einschätzungen der Analysten. Zwar ist das Unternehmen gemeinsam mit Euronext, London und der schwedischen OM-Gruppen unbestritten einer der großen Spieler in der europäischen Börsenlandschaft. Auch dürfte die "Market Company", wie Börsenchef Werner G. Seifert sein Unternehmen gern charakterisiert, auf lange Sicht von der wachsenden Aktienkultur profitieren.

Kurzfristig trauen viele Experten dem Kurs aber nicht allzu viel zu. "Ich sehe derzeit nicht viel Potenzial", meint etwa Johannes Thormann, Analyst von WestLB Panmure. Die kürzlich veröffentlichen Ergebnisse für 2000 hätten im Rahmen der Erwartungen gelegen. In ihrer ersten Bewertung nach Ablauf der Black-Out-Periode stuft die WestLB, die an der Platzierung der Aktie beteiligt war, den Titel mit "neutral" bei einem fairen Wert von 349 ein. Auch für die Investmentbank Lehman Brothers ist die Börse mit einem Preisziel von 334 nur ein "Market Performer".

Ein Grund für die Zurückhaltung der Fachwelt ist, dass Seifert den Spielraum beim Going Public voll ausgereizt hat. Die Titel wurden am oberen Ende der Bookbuilding- Spanne platziert - das Potenzial ist nun entsprechend dürftig. Zweitens kämpft die Börse mit fallenden Umsätzen im Kerngeschäft, dem Aktienhandel auf der elektronischen Handelsplattform Xetra. Die weltweite Aktienbaisse hat auch in Deutschland zu einem drastischen Rückgang des Handelsvolumens geführt. Zwar spüren die Frankfurter dies nur bedingt, denn neben dem Handelsvolumen hängen ihre Einnahmen auch von der Anzahl der Transaktionen ab - und die steigt noch. Dennoch räumt die Börse ein, dass die Einnahmen aus Xetra im ersten Quartal um 10 % niedriger gelegen haben dürften als im Vorjahr. "2001 wird ein schwieriges Jahr für die Deutsche Börse", meinen auch die Experten von Lehman, die für 2001 einen Umsatzrückgang aus Xetra um 5 % erwarten.

1 Mrd. aus Börsengang soll für Übernehme von Börsen verwendet werden

Die Aussichten auf externes Wachstum sind ebenfalls wenig konkret. An Geld hapert es nicht: Der Börsengang spülte knapp 1Mrd. in die Firmenkasse, die für Übernahmen anderer Börsen verwendet werden könnten. "Ein Zusammenschluss mit London oder den schwedischen OM-Gruppen würde die Aktie sicherlich beflügeln", meint Thormann. Doch glaubt er wie viele Experten nicht daran, dass es in naher Zukunft zu einer Börsen-Großfusion in Europa kommen wird.

Zuversichtlich ist dagegen Michael Gallagher von der Deutschen Bank, einer der Konsortialführer beim Börsengangs der Börse. Zwar rechnet auch Gallagher, der die Aktie mit einem Kursziel von 400 zum Kauf empfiehlt, nicht so schnell mit einer umfassenden Börsenallianz in Europa. Doch er lobt die "pragmatische Strategie" Seiferts, der Wachstum nicht nur mittels Fusionen sondern auch per "insourcing" erreichen wolle. Gemeint ist damit, den Handel anderer Börsen auf dem Xetra-System abzuwickeln, wie dies bereits mit Dublin und Wien praktiziert wird. Zudem könnten eventuelle Schwächen im Xetra-Handel auf Grund einer anhaltenden Marktschwäche zumindest teilweise durch den Derivatehandel auf der Eurex-Plattform kompensiert werden, weil Investoren in schwierigen Börsenzeiten vermehrt versuchten, ihre Risiken mittels Terminhandel abzusichern.

Einig sind sich die Experten, dass die erwartete Aufnahme in den MDax die Aktie nicht beflügeln dürfte, da sich nur wenige Fonds an dem Index orientieren. Eher schon könnte der geplante Aktiensplit (Verhältnis 10:1) helfen, der die Titel optisch billiger macht. "Das ist zwar rein psychologisch", meint Thormann, "aber manchmal hilft die Psychologie ja auch."

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