Aktie unter der Lupe
Auftrag beschert Leoni Kurspotenzial

Kabel, Drähte und Litzen für die Autoindustrie - zugegeben, sexy ist das Geschäft von Leoni nicht gerade. Äußerst anziehend aber sind seit Jahren die Geschäftszahlen des mittelfränkischen Traditionsunternehmens. Gewinn, Umsatz und Dividende steigen mit jedem Jahresabschluss - nur der Aktienkurs nicht. Der befindet sich heute etwa auf dem Niveau von vor vier Jahren. Zu Unrecht, meint die Mehrzahl der Analysten.

DÜSSELDORF. Ihren Umsatzes erzielt die 1917 gegründete, seit 1923 an der Börse gehandelte frühere "Leonische Drahtwerke AG" aus Nürnberg hauptsächlich mit Bordnetzsystemen und Kabeln für die Autoindustrie. Leoni liefert daneben beispielsweise Produkte für die Medizintechnik und Spezialkabel für Telefonnetze. Das Unternehmen produziert vor allem in Billiglohn-Ländern wie China, Rumänien oder Tschechien.

Die Zahlen werden auch zum Abschluss des Geschäftsjahres 2002 nicht enttäuschen. Bei leicht steigendem Umsatz wird der Konzernüberschuss deutlich steigen, teilt das seit Juli im M-Dax gelistete Unternehmen mit.

Was in 2003 anders als bisher laufen könnte, ist der Aktienkurs. Analysten sehen für Leoni - Börsenwert gut 200 Mill. Euro - dank günstiger Kostenstruktur und neuer Aufträge Potenzial. Trotz der Kursgewinne seit September von 37 %.

Flügel verlieh dem Kurs zuletzt ein neuer Auftrag. Anfang Dezember wurde bekannt, dass Leoni die Kabelsätze für den neuen 3er-BMW liefern wird. Der Vertrag gilt für die gesamt Laufzeit des Modells. Er bringt geschätzte 50 Mill. Euro Umsatz für sieben bis neun Jahre. Nebenbei verdrängte Leoni mit dem Vertrag den Wettbewerber Delphi Corp., der BMW bislang belieferte.

Leonis Erfolg hat seinen Preis an der Börse - und zwar einen niedrigen: Nur das Siebenfache des für 2003 erwarteten Gewinns müssen Anleger für eine Leoni-Aktie hinblättern. Mit diesem Kurs-Gewinn- Verhältnis gehört Leoni, das rund 17 700 Mitarbeiter beschäftigt und eine Dividendenrendite von 3,48 % aufweist, zu den billigsten M-Dax- Werten - trotz steigender Gewinne.

Analyst Thorsten Zimmermann von HSBC Trinkaus & Burkhardt sagt: "Die niedrige Bewertung ist fundamental nicht gerechtfertigt." So seien die durch den neuen Auftrag zu erwartenden Gewinne darin nicht enthalten. Zudem werden bald Werke in Rumänien und der Ukraine eröffnet, was die Kosten weiter drückt. Mit seiner Einschätzung steht Zimmermann nicht allein da. Zwölf von 14 Analystenhäusern empfehlen Leoni zu kaufen. Thorsten Zimmermann gibt für die Leoni-Aktie ein Kursziel von 40 Euro aus. Diesen Wert halten auch die Analysten der Commerzbank für realistisch.

Denn obwohl die Mehrzahl der Autohersteller unter sinkenden Verkaufszahlen leidet, behauptet sich Leoni erfolgreich. Analyst Rolf Woller von der Hypovereinsbank erklärt dies damit, dass sich Leoni auf die Premiumhersteller wie Mercedes, BMW und Porsche spezialisiert hat. Diese Marken träfe die Konsumzurückhaltung der Kunden weniger hart.

Charttechnisch sieht Leoni gut aus. Der Kurs hat den Widerstand bei 29 Euro durchbrochen und ist gleichzeitig aus einem seit Oktober bestehenden aufsteigenden Dreieck ausgebrochen. Nun ist der Weg nach oben frei - zumindest bis zum alten Höchststand bei 37 Euro. Langfristig ist Zimmermann überzeugt, wird der Aktienkurs von Leoni die guten Geschäftszahlen widerspiegeln und steigen: "Manchmal müssen Anleger warten, bis die Börse Unterbewertungen erkennt."

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