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Aktie unter der Lupe: Aufzugbauer Kone fährt den Kurs hoch

Die finnische Kone Cooperation, einer der weltweit größten Aufzug- und Rolltreppen-Hersteller, gilt als Kauf-Tipp. Defensive Branchen bieten in unsicheren Börsenzeiten solides Potenzial, meinen Analysten.

von ANDREAS LAUTZ (Handelsblatt)

DÜSSELDORF. Die Tür schließt mit einem leisen Klick und schon geht es 300 Meter abwärts. Der Aufzug rast mit 17 Metern pro Sekunde den Tytyri-Testschacht hinunter. Hier im Süden Finnlands, in einem ehemaligen Bergwerk, testet die Kone Cooperation ihre Aufzüge. Die Aktie der Finnen fährt seit Monaten in die entgegengesetzte Richtung. Ende September 2001 war das Papier des viertgrößten Aufzugsherstellers und größten Rolltreppenbauers der Welt 70 Euro wert. Heute kostet die Aktie rund 105 Euro.

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"Das obere Ende ist damit noch nicht unbedingt erreicht" sagt Samson Edmunds von UBS Warburg. Nach wie vor lautet seine Empfehlung "Kaufen". Die Mehrheit der Analysten, die der Finanznachrichtendienst Bloomberg registriert, teilt diese Einschätzung. "Angesichts der unsicheren Situation auf den Kapitalmärkten rücken defensive Branchen wie Aufzugshersteller stärker in den Fokus der Anleger", sagt Edmunds. Zum Vergleich: Nokia, das Vorzeigeunternehmen Finnlands, notiert derzeit gerade einmal auf dem Niveau von September.

Dank eines starken Cash-Flows schloss Kone das Jahr 2001 schuldenfrei ab. Auch der Verlauf des ersten Quartals 2002 erfreute die Analysten: Der Gewinn stieg um 42 % auf 21,3 Mill. Euro. Mit rund 10 % Marktanteil belegt Kone in der Weltrangliste hinter Otis, Schindler und Thyssen Platz vier.

Ein starker Antrieb des Geschäfts der Finnen ist seit 1996 eine Aufzugstechnologie mit Motoren, die sich im Schacht unterbringen lassen. Raumgreifende Maschinenräume entfallen. Inzwischen verfügen zwar auch Konkurrenten über eine derartige Technologie. "Aber dadurch, dass Kone zuerst da waren, konnten sich die Finnen Folgeaufträge im wichtigen Servicegeschäft sichern", sagt Edmunds. Die Firma, die einen Aufzug liefert, ist im Normallfall auch für die Wartung zuständig. Im Geschäftsbereich Wartung erwirtschaftet Kone relativ unabhängig von konjunkturellen Schwankungen über 60 % seiner Nettoerlöse.

Die Finnen sind als aggressive Aufkäufer gefürchtet. Seit 1990 hat der Konzern auch hierzulande zahlreiche Unternehmen oder Beteiligungen eingesammelt. Der vorerst letzte Coup: Die Übernahme des Kölner Aufzugsherstellers L. Hopmann Maschinenfabrik GmbH vor einem Monat. Mittlerweile beschäftigt der Konzern über 23 000 Mitarbeiter an über 800 Betriebsstätten in ca. 40 Ländern.

Weiteres Standbein: automatische Türen

Anfang März verabredete Kone mit Toshiba eine Überkreuzbeteiligung. Toshiba erwarb 5 % an Kone, Kone 19,9 % an der Aufzugssparte von Toshiba. Das Ziel: Die Eroberung des japanischen und des chinesischen Marktes. "Dort ist es sehr wichtig, einen Partner vor Ort zu haben", sagt Michael Clark von JP Morgan. Mit seiner Platz sparenden Technologie habe Kone aber schon heute einen sehr guten Ruf in Asien.

Positiv bewerten Analysten zudem, dass Kone neben dem Aufzugs- und Rolltreppengeschäft auch die Sparte automatische Türen weiter stärken will. Im Rahmen einer umfassenden Neuorganisation des Kone-Vorstands berief der Konzern kürzlich ein zusätzliches Vorstandsmitglied. In Anerkennung der strategischen Bedeutung des Geschäfts mit automatischen Türen soll Michael Chartron die weltweite Expansion in diesem Bereich vorantreiben, teilte Kone mit.

Kritisch sehen Experten, dass die Finnen traditionell unter vergleichsweise hohen Kosten leiden. Ein Grund: "Kone ist in der Vergangenheit anders als etwa Otis vor allem durch Zukäufe gewachsen und die Integration der Systeme und Strukturen etwa im Service-Geschäft kostet Geld", erläutert Clark. Der Analyst ist aber optimistisch, dass Kone sein selbst gestecktes Ziel erreichen und die Gewinnmarge in den kommenden Jahren auf 10 % erhöhen kann. "Schaffen sie das, dann hat die Aktie langfristig noch deutlich Luft nach oben".

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