AKTIE UNTER DER LUPE
Axa lässt die Muskeln spielen

Wenn nicht alle Anzeichen trügen, ist der im vergangenen Jahr berufene Vorstandschef des Großversicherers Axa S.A., Henri de Castries, auf dem besten Wege, sich mit der französischen Öffentlichkeit anzulegen. Er hat seinen französischen Kohorten eine Schlankheitskur verordnet, um die letzten Doppelbesetzungen und Parallelfunktionen aus der Zeit der Übernahmen im eigenen Lande in den neunziger Jahren zu beseitigen. "Wir wollen nur Muskeln, keinen Speck", ist das Motto des 47 Jahre alten Managers. Und dabei gilt es auch fest zu stellen, welche Mitarbeiter die geforderte Leistung bringen und welche nicht.

PARIS. Das freut die Aktionäre. Denn sie haben den Axa-Kurs im zurückliegenden Börsenjahr nur um 5 % steigen sehen, auch wenn die Aktie zwischenzeitlich von rund 135 Euro zu Jahresbeginn bis auf über 170 Euro zugelegt hatte. Tröstlich bleibt da nur ein Kurs-Gewinn-Verhältnis, das gegenwärtig ein Fünftel über dem Branchenschnitt liegt.

Allerdings fordert Castrie Plan Frankreichs politische Linke heraus. Die hat Rationalisierungen bei Michelin zum Anlass genommen, Personalschnitte zur Ertragssteigerung gesetzlich zu erschweren und legt sich gerade mit Danone an, wo man erstmals die Strukturen der Kekssparte straffen will.

Wie viel heftiger muss der Sturm ausfallen, wenn die Axa in Frankreich Stellen streicht? Investitionen in Frankreichs Firmen bekommen dieser Tage unverkennbar einen politischen Malus, der sich in den Urteilen der nächsten Analystenrunden widerspiegeln könnte.

Dabei muss der mit derzeit knapp 61 Mrd. Euro kapitalisierte führende Versicherer handeln, um am noch sehr fragmentierten Weltmarkt mit seinen rund 2 % Marktanteil nicht zurückzufallen. Der etwas kleinere seiner Hauptkonkurrent, Hollands Aegon, ist ihm in manchen Branchenrankings einen Schritt voraus. Und während Hollands ING mit der Neuordnung ihres Bankgeschäfts zu tun hat, bekommt Branchengigant Allianz durch die Steuerreform Spielraum bei lukrativen Beteiligungsverkäufen. Die von de Castries' Vorgänger Claude Bébéar aus einer regionalen Genossenschaftsgruppe aufgebaute Axa ist nicht so reich wie Allianz und muss beweglicher werden als Aegon - das weiß der Axa-Chef.

Schon das vergangene Jahr hat bei Axa nicht vorrangig im Zeichen von Akquisitionen gestanden. Allzu große Aufwendungen für die Integration sind daher nach Einschätzung von BNP Paribas nicht mehr zu erwarten. Die Analysten dieser Bank haben daher Kursziele bis zu 200 Euro vorgegeben, und der Online-Dienst Chart's erwartet allein 5 % Plus binnen 14 Tagen.

Nach der Ergänzung der Gruppe um Nippon Dantai und Guardian Royal Exchange steht nunmehr eine Flurbereinigung an. In deren Zenit trennte sich de Castries von Axas Investmentbank-Beteiligung Donaldson Lufkin & Jenrette. Der seinerzeit von der Fachwelt verständnislos aufgenommene Deal erweist sich inzwischen als exzellentes Timing. Nach zehn fetten Jahren drohte die Bank erstmals ein Quartal schwächer abzuschließen.

Das Kerngeschäft heißt "financial protection"

Für den Veräußerungserlös sowie aus Mitteln einer Kapitalerhöhung kaufte Axa sodann die Minderheitseigner aus ihren US-Aktivitäten heraus und übernahm den Finanzdienstleister Sanford Bernstein. Der gilt mit seinem in vermögenden US-Kreisen verankerten Vertrieb als ein Merkposten unter den Asset-Managern an der Wall Street.

De Castries will das Kapital seiner Gruppe bestmöglich nutzen. Das heißt für ihn, Erträge nicht mit anderen zu teilen und bei kapitalwirksamen Entscheidungen lähmende Diskussionen mit Miteignern zu vermeiden. Außerdem gilt es, sich auf das Kerngeschäft "financial protection" zu beschränken und die Zahl der Abschlüsse je Kunde voranzubringen. Die Verbindung von Assekuranz- und Bankgeschäft lehnt er ab wie sein Ziehvater Bébéar. Das hindert ihn nicht, seinen Vertrieb auch Darlehen der Spezialbank Cetelem - einer Tochter der Axa verbundenen BNP Paribas S.A. - verkaufen zu lassen.

Zur BNP unterhält der neue Axa-Boss weit nüchternere Beziehungen als womöglich sein Vorgänger, der diese bei ihrer Attacke auf Banque Paribas und Société Générale 1999 unterstützt hatte. De Castries sieht den Bankschalter nur als Ergänzung seiner Vertretertruppen, die er im übrigen für wesentlich effizienter hält als das Personal der Geldinstitute. Bankbeteiligungen erscheinen ihm nur sinnvoll, wenn sie Vertriebssynergien stützen.

Falls sich der Chef der Crédit Lyonnais (CL), Jean Peyrelevade, dieser Einsicht verschließt, will Axa die Verlängerung des vom Staat verordneten Aktionärspaktes für die CL im Sommer platzen lassen. Das könnte die Bank um ihre Selbstständigkeit bringen, Peyrelevade um seinen Job und die Regierung in Handlungsnöte. Axas Aktionäre aber, so meint Castries, können diesen Schritt von ihm erwarten.

Diese Geradlinigkeit, dazu die guten langfristigen Geschäftsaussichten sind es wohl, die einige Analysten aus dem verhaltenen Konsens der Beobachter ausscheren lässt: Aurel Levens Analyst Benoit Valleaux etwa empfiehlt, bestehende Axa-Positionen im Depot zu erweitern. Für seinen Kollegen Driss Lamrani von Meeschaert-Rousselle ist Axa gar ein Kauf.

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