Aktie unter der Lupe
Bank BNL wird zu Unrecht abgestraft

Brutal unter die Räder gekommen ist in den letzten Monaten die Aktie der Banca Nazionale del Lavoro (BNL). Seit Anfang des Jahres hat das Papier 43 % verloren und sich damit bedeutend schlechter entwickelt als die Konkurrenz. Der Grund: BNL ist verhältnismäßig stark im Krisenland Argentinien engagiert.

MAILAND. Italiens sechstgrößtes Institut, ist stark im Krisenland Argentinien engagiert - ein rotes Tuch für Anleger. Mit 1,4 Mrd. Euro stecken rund 35 % des Kapitals der Banco Nazionale del Lavoro (BNL) in den vier Argentinien-Töchtern, die über die Holding BNL Inversiones SA in Buones Aires kontrolliert werden. Bereits im letzten Jahr hat das Haus 527 Mill. Euro Abschreibungen getätigt, um dem extrem hohen Länderrisiko Rechnung zu tragen. Ende März betrugen nach einer Schätzung der Investmentbank Cheuvreux die diesbezüglichen Reserven der BNL 830 Mill. Euro, womit knapp 60 % des Risikos eines Totalverlustes abgedeckt sind.

Eine klare Mehrheit der Analysten vertritt angesichts dessen die Meinung, dass die Aktie der BNL zu Unrecht auf ein derart niedriges Kursniveau geprügelt worden ist. So schreibt Cheuvreux in einer Analyse vom 25. Juni, dass das Argentinien-Risiko längst in den Kursen eingepreist sei. Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) glaubt, dass der Markt die Aktivitäten in Südamerika und die Ertragskraft des Instituts zu skeptisch beurteilt.

Johannes Thormann von der WestLB Panmure argumentiert, dass BNL für die Talfahrt der eigenen Aktien mitverantwortlich sei, da sie die Ergebnisse aus Argentinien bei den Quartalszahlen zum 31. März herausgerechnet hat: "Dieser Mangel an Transparenz hat den Markt riesige Löcher vermuten lassen. Diese Befürchtung dürfte aber unbegründet sein." BNL werde den Restwert der Töchter in Argentinien in diesem Jahr vollständig abschreiben, womit die Bilanz gereinigt wäre. Für das Folgejahr erwartet Thormann dann bereits einen Gewinn je Aktie von 22 Cent. Seine Berufskollegen von Crédit Suisse First Boston (CSFB) und Cheuvreux sind geringfügig vorsichtiger und rechnen jeweils mit 19 Cent.

Jenseits der Argentinienfrage gibt es zwei Faktoren, die das Gros der Analysten zuversichtlich stimmt: Zum einen orten die meisten Branchenkenner erhebliche Einsparpotenziale. BNL ist erst Ende der 90er Jahre privatisiert worden, weshalb noch immer ein erheblicher Personalüberhang vorhanden ist. In den Filialen sind im Durchschnitt 40 % mehr Arbeitnehmer beschäftigt als bei der Konkurrenz. Das Verhältnis zwischen Kosten und Einnahmen lässt mit 64 % noch viel Raum nach unten.

Zweitens ist und bleibt das Institut aus Rom mit einem Streubesitz von knapp 75 % ein Übernahmekandidat erster Güte, was der Aktie eigentlich Kursphantasie verleihen müsste. Seit mehr als einem Jahr macht die fünftgrößte Bank des Landes, Montepaschi di Siena (MPS), der BNL entsprechende Avancen. Die beiden Häuser würden aus geographischer Sicht gut zusammen passen: Während sich MPS stark auf Mittelitalien konzentriert, ist die BNL im ganzen Land präsent. MPS ist eine klassische Retail-Bank; BNL generiert rund ein Drittel seiner Einnahmen im Firmenkundengeschäft. Neben der Hypothese einer Fusion mit MPS erscheint mittlerweile auch eine Übernahme durch den Unicredito im Bereich des Möglichen.

Vor diesem Hintergrund dürfte es im Moment keine italienische Bankaktie geben, für die derart viele Kaufempfehlungen vorliegen: "buy" sagen CSFB, SSSB, Rasfin, Eptasim und WestLB Panmure. Vorsichtiger sind dagegen Dresdner Kleinwort Wasserstein und ABN Amro mit ihren Empfehlungen, das Papier lediglich zu halten ("hold"). Negativ eingestellt ist UBS Warburg. Die Investmentbank sieht ihren fairen Wert nur noch bei 1,2 Euro.

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