AKTIE UNTER DER LUPE
BASF will Gewinne weiter stabilisieren

Trotz starker Chemiekonjunktur musste der BASF-Konzern in den vorigen Monaten einige Belastungen auf der Ertragsseite verkraften. Analysten erwarten bei den anstehenden Quartalszahlen dennoch ein gutes Plus. Der Aktie geben sie aber nur mittelfristig Chancen für deutliche Zuwächse.

DÜSSELDORF. Als BASF-Chef Jürgen Strube Anfang August die Halbjahresergebnisse des Ludwigshafener Chemiekonzerns bekannt gab, reagierte die Börse drastisch: Trotz eines dicken Zuwachses beim Gewinn zeigten sich die Investoren enttäuscht, der Aktienkurs brach an einem Tag um 6 % ein. Bis heute hat sich die Aktie von dem Sturz erholt. Bei BASF hofft vermutlich nicht nur der Chef, dass die so bleibt, wenn morgen die Zahlen für das dritte Quartal bekannt werden.

Nach Einschätzung der vom Handelsblatt befragten Analysten dürfte BASF von der starken Nachfrage nach Chemieprodukten weiter profitiert haben. Sie rechnen für das dritte Quartal mit einem Erlös zwischen 8,5 und 9,3 Mrd. Euro, das entspricht einem Plus zwischen 17 und 28 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Zuwachs im zweiten Quartal dieses Jahres lag bei 24 %.

Allerdings gab es auf der Ertragsseite in den vergangen drei Monaten Belastungen für Europas größten Chemiekonzern. Dazu gehören der hohe Ölpreis und Sonderausgaben - zwei Faktoren, die laut Analyst Christian Faitz von BNP Paribas dem Finanzmarkt allerdings bekannt sind.

Der BASF-Gewinn im dritten Quartal wird vor allem durch einmaligen Sonderaufwendungen für die Integration des zugekauften Agrochemiegeschäfts von American Home Products belastet. Die vom Handelsblatt befragten Analysten schätzen die Höhe dieser Kosten zwischen 420 und 450 Mill. Euro.

Als weitere Belastung wird der derzeit hohe Ölpreis eingeschätzt, der viele Rohstoffe und Zwischenprodukte verteuert. Die Margen im Kunststoff- und Chemiegeschäft von BASF werden deswegen unter Druck gestanden haben, erwartet Faitz. Die Einbußen kann BASF durch die hohen Gewinne im Geschäft mit Öl- und Gas sowie durch höhere Verkaufpreise zwar mindern, aber voraussichtlich nicht komplett ausgleichen.

Investoren gewinnen wieder Vertrauen in die Chemie-Branche

Dennoch rechnen Analysten für das dritte Quartal 2000 mit einem Zuwachs beim operativen Gewinn nach einmaligen Sonderausgaben. Die Schätzungen der befragten Analysten liegen zwischen 392 und 496 Mill. Euro, was einem Plus zwischen 20 und 50 % gegenüber dem dritten Quartal 1999 entspricht. Im Neunmonats-Vergleich des operativen Gewinns liegen die Erwartungen zwischen 2,25 und 2,48 Mrd. Euro das wären 71 und 89 % mehr.

Nach der Abstrafung im August hat sich die BASF-Aktie erholt und notierte gestern Nachmittag bei 44,85 Euro. Die Entwicklung folgte dem Trend, wonach an den europäischen Börsen Chemie- und Pharmatitel in den vorigen Wochen zu begehrten Titeln gehörten, weil Investoren offenbar wieder mehr Vertrauen in die Branche bekamen.

Andreas Theisen, Analyst bei der WGZ-Bank gibt als fairen Wert der BASF-Aktie 55 Euro an, bemerkt jedoch, dass dieses Kursziel bei dem schwierigen Marktumfeld "kurzfristig unerreichbar erscheint". Vor allem die ungewisse Weiterentwicklung des Ölpreises mache die Einschätzung des künftigen Geschäfts bei BASF schwierig. Allerdings sei BASF durch den Ausbau des Öl- und Gasgeschäftes bei Ölpreisschwankungen abgesicherter als andere Chemiekonzerne, heißt es in einer Studie der Investmentbank Goldman Sachs.

Kurzfristig traut kaum ein Analyst der BASF-Aktie große Kurssprünge zu. Ein einheitlich positives Urteil wird dagegen auf mittel- bis langfristige Sicht gefällt. Zum einen rechnet nicht nur Andreas Theisen mit einer weiter aufwärts gerichteten Chemiekonjunktur. Zum anderen wird das BASF-Management wegen des Umbaus des Konzern hin zu weniger zyklusanfälligen Geschäften gelobt.

"Das Unternehmen ist wesentlich unabhängiger vom Zyklus, als oft gedacht wird", sagt BNP-Analyst Faitz. Beispiele für diese Strategie sind der Kauf der AHP- Agrochemie und die Eingliederung des Geschäfts mit Standardkunststoffen in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Ölkonzern Shell. Diese Umbaustrategie will BASF nach eigenem Bekunden fortsetzen und so die Gewinne stabilisieren.



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