Aktie unter der Lupe
Beate Uhse AG will Amerika erobern

Ihre Mitarbeiter nennen sie ehrfurchtsvoll "Grande Dame" der Erotik. Beate Rotermund- Uhse, die vergangene Woche im Alter von 82 Jahren starb, hinterlässt ein ungewöhnliches Unternehmen.

HB FRANKFURT/M. Als die ehemalige Jagdfliegerin 1952 mit ihrem 32-seitigen Katalog "Stimmt in unserer Ehe alles" ihren Siegeszug durch die deutschen Schlafzimmer antrat, war Beate Uhse ein Politikum, eine Revoluzzerin wider der deutschen Prüderie. Dass sie nach ihrem Tod einmal ein börsennotiertes Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von knapp 563 Mill. Euro zurücklassen würde, hätte sie sich damals wohl kaum träumen lassen.

Die Erfolgsstory der Uhse liest sich wie ein Märchen. Schon in den späten 50er-Jahren macht Beate Uhse mit ihrem 1954 gegründeten Versandhandel Millionenumsätze. 1962 eröffnet die damals 42-Jährige den weltweit ersten Sexshop. Dass ihr damals wegen "Sittengefahr" die Mitgliedschaft in einem Tennisclub verweigert wurde, ist nur eine Anekdote im ereignisreichen Leben der Unternehmerin. Ihren Erfolg schmälerte die öffentliche Empörung nicht.. Heute steht der Name Beate Uhse für einen Erotikkonzern mit zehn Tochterunternehmen und einem Jahresumsatz von knapp 300 Mill. DM. Ihren größten Erfolg feierte Beate Uhse mit ihrem Börsengang 1999. Die Aktie war 40fach überzeichnet. Wer eine Zuteilung erhielt, freute sich über einen Zeichnungsgewinn von 83,33 %.

Seither machte die Aktie jedoch kaum Freude. Ihr Wert hat sich fast halbiert. Kurz vor dem Tod Beate Uhses notierte das Papier bei nur knapp 13 Euro. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr seine Umsatzerwartungen nicht erfüllen können. Mit der Nachricht vom Tod der Gründerin sank das Vertrauen der Anleger zusätzlich. Die Aktie verlor kurzfristig rund 6 % ihres Wertes.

Unbegründet, wie Analysten sagen. Zwar war die 82-jährige Vorsitzende des Aufsichtsrates, die Geschäftsführung des Unternehmens hat Beate Uhse aber schon 1982 abgegeben. "Mit strategischen Entscheidungen hatte Frau Uhse schon lange nicht mehr viel zu tun", sagt auch Finanzchef und Vorstandsmitglied Otto Christian Lindemann.

In 13 Ländern vertreten

Die derzeitige Strategie des Unternehmens ist vor allem auf Expansion ausgerichtet. Zu den Geschäftsfeldern der inzwischen in 13 Ländern vertretenen AG zählt neben dem Trading, in dem der Groß- und Versandhandel sowie die 200 Shops gebündelt sind, auch ein Entertainment-Segment.

Hierzu gehören Fernsehen, Telefonie und Internetaktivitäten. Für 2002 planen die Flensburger den Sprung über den großen Teich. Mit ihrem diskreten Versandhandel versprechen sich die Verantwortlichen im als prüde geltenden Amerika immense Chancen.

Doch das rasante Wachstum hat auch seine Schattenseiten. Aus Analystensicht ist die Beate-Uhse-Aktie vor allem für langfristig orientierte Anleger interessant. "Gerade der Versandhandel hat sicherlich viel Potenzial", sagt Michael Mantlik, Analyst bei der Vereins und Westbank - in Hamburg. Jedoch sei die in den nächsten Jahren geplante Expansion in weitere europäische Länder und die USA mit hohen Kosten verbunden und werde sich im Konzernergebnis niederschlagen.

Mantlik stuft die Aktie deshalb derzeit auf "neutral" ein. "Es gibt im Augenblick noch zu viele Baustellen im Konzern", sagt ein anderer Analyst, und fügt hinzu: "Der Markt ist längerfristig aber hochinteressant." Für die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein ist die Aktie eine Halteposition.

Eine Weisheit dürfte also auch nach dem Tod der Grand Dame der Erotik weiter bestand haben: Sex sells!

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