Aktie unter der Lupe
Bei Alcatel reißen schlechte Nachrichten nicht ab

Die Aussichten in der Telekommunikations-Branche sind schlecht - das bekommt auch Alcatel zu spüren. Sollte die Investitionszurückhaltung anhalten, droht dem Unternehmen eine Liquiditätskrise. Spekulationen über eine Herabstufung der Ratingagenturen belasten die Aktie.

DÜSSELDORF. Bei Alcatel wird es eng: Spekulationen über mögliche Liquiditätsengpässe hatten die Aktie des französischen Telekommunikationsausrüsters allein an einem Tag um 14 Prozent nach unten gerissen. Das Unternehmen selbst hat seine Umsatzprognosen für das laufende Jahr um 10 Prozent nach unten korrigiert. "Mittlerweile preist der Markt schon eine Insolvenz ein", urteilt Antoine de Montille, Analystin bei Dexia Securities.

Noch scheint die akute Gefahr gebannt: "Mit dem Verkauf der Thales-Anteile im Wert von rund 300 Millionen Euro hat sich Alcatel wieder ein bisschen Luft gemacht", meint Merck-Analyst Theo Kitz. Wahrscheinlich sei das Unternehmen jedoch gezwungen, noch weitere Beteiligungen zu veräußern.

Kernproblem ist die anhaltende Schwäche in der Telekommunikations-Branche. Die beiden größten Kunden - France Telekom und Deutsche Telekom - haben selber mit der Schuldenlast zu kämpfen und halten sich mit größeren Investitionen erst einmal zurück. Umsatzverluste in Europa und Nordamerika deuten auf schrumpfende Märkte hin. Auch die Gewinnwarnungen der Konkurrenten Lucent und Nortel zeigen, dass es der Branche nicht gut geht.

Als Sparmaßnahme will das Unternehmen bis Ende nächsten Jahres die Zahl der Beschäftigten um 23 000 reduzieren. Die Kosten von rund 500 Millionen Euro sollen zum Teil aus dem Beteiligungsverkauf bestritten werden.

Im Zweifelsfall könnte dies jedoch nicht genug sein, fürchtet Kitz. Der Cash-Bestand sollte zwar reichen, laufende Zahlungen zu tilgen. Kommt der erwartete Aufschwung im Telekommunikationssektor aber später als erwartet, könnte das Unternehmen in ernsthafte Schwierigkeiten geraten.

Dass es schon im ersten Halbjahr 2003 wieder aufwärts gehen wird, glaubt niemand. Falk Reimann von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rechnet für 2003 mit einem Umsatzrückgang von fünf Prozent. Eine akute Gefährung sieht er nicht, sollte aber im kommenden Jahr der Aufschwung nicht stattfinden, könnte die Existenz von Alcatel auf dem Spiel stehen.

Angesichts des hohen Risikos stufte auch die Ratingagentur S&P Alcatel in der vergangenen Woche auf Junk-Bond-Niveau herab: BB+ mit langfristig negativem Ausblick. Die Gefahr einer weiteren Rückstufung wird von allen Analysten als Risiko bewertet. "Wenn es dazu kommt, könnte der Kurs nochmal um 20 Prozent einbrechen", spekuliert Reimann. Zudem würde das Finanzergebnis weiter belastet.

Ziel des Unternehmens ist es, bis Ende diesen Jahres die Nettoverschuldung auf 2,6 Milliarden Euro zu begrenzen. Nikolas von Stackelberg von Sal Oppenheim hält dies in Anbetracht der jüngsten Hiobsbotschaften jedoch für wenig realistisch. Selbst, wenn die Aktie jetzt auf 2,40 Euro notiert, sei dies keine günstige Bewertung, meint André Will-Laudien vom Bankhaus Reuschel: "In den nächsten beiden Jahren wird Alcatel aus der Verlustzone nicht herauskommen". Überkapazitäten im Bereich der Glasfasernetze und geplatzte UMTS-Phantasien würden die Aktie dauerhaft belasten.

Der Umbau des ehemals gemischten Elektronik-Konzerns zu einem stark spezialisierten Telekom-Ausrüster könnte sich nun als strategische Falle erweisen. Das einzige Geschäftsfeld, in dem Alcatel in diesem Halbjahr schwarze Zahlen schreibt, war der Bereich "Space & Components" mit einem Vorsteuerergebnis von 46 Millionen Euro. Demgegenüber betrug der gesamte Konzernverlust rund 520 Millionen Euro. Die Sparte "Optics" hatte mit 329 Millionen daran den größten Anteil.

"In Anbetracht der strukturellen Probleme ist es sehr wahrscheinlich, dass bei den Telekom-Ausrüstern früher oder später zu einer Konsolidierung kommen wird", denkt Will-Laudien. Alcatel habe im Gegensatz zur Konkurrenz Lucent und Nortel noch den Vorteil, dass es stärker in Europa engagiert sei und als Marktführer im Bereich Breitbandtechnologie angesehen wird.

Doch auch wenn Alcatel von möglichen Marktaustritten der Konkurrenz profitiert, ist bei Alcatel momentan ein Ende der schlechten Nachrichten nicht in Sicht: Nach dem Tochteruntenehmen Optronics, musste nun die deutsche Tochter Alcatel SEL ihre Prognosen nach unten korrigieren. Auch der Kursverfall der Aktie von 97 %, könnte zu einem Problem werden. Nach dem Ausschluss aus dem Stoxx-Index droht mit einer Marktkapitalisierung von derzeit rund 3 Milliarden Euro auch der Ausschluss aus dem Euro-Stoxx 50.

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