Aktie unter der Lupe
Bei Heidelberg ist Geduld gefragt

Ergebnisrückgang im zweistelligen Bereich - für die erfolgsverwöhnte Heidelberger Druckmaschinen AG sind das ungewohnte Nachrichten. Seit Jahren steht der weltgrößte Druckmaschinen-Spezialist für Expansion und kontinuierliches Wachstum. Doch jetzt kann sich auch Heidelberg nicht mehr dem allgemeinen Abwärtstrend entziehen.

FRANKFURT/M. Das Management rechnet im Gesamtjahr 2001/02 (zum 31. März) mit einem Umsatzrückgang von 10 % sowie einem Nettorergebnis von 200 bis 220 Mill. Euro (Vorjahr: 283 Mill. Euro). Die Anleger gingen hart mit dem Unternehmen ins Gericht, als die revidierte Prognose vor wenigen Tagen bekannt wurde. Die im M-Dax notierte Aktie sackte innerhalb eines Tages um fast 17 % ab.

Dennoch sind sich die meisten Analysten darin einig, dass die Geschäfte des Druckmaschinenherstellers nur zeitlich begrenzt langsamer laufen. Die Korrektur der Gewinnprognose sei zwar überraschend gewesen, urteilen die Experten von M.M. Warburg. Allerdings werde Heidelberg von einer Konjunkturerholung in den USA profitieren.

Zurzeit liefert das US-Geschäft von Heidelberg allerdings ein widersprüchliches Bild. Auf der Fachmesse Chicago Print im September konnte das Unternehmen trotz der US-Terroranschläge Aufträge im Wert von immerhin 345 Mill. $ einholen; so viel, wie kein anderer Konkurrent. Gleichzeitig zeigen sich in der Sparte Web Systems (Rollen-Maschinen), die stark vom US-Geschäft abhängig ist, die negativen Folgen der US-Schwäche in ihrer ganzen Härte. Dort brachen die Umsätze im ersten Halbjahr 2001/02 um 30 % auf 300 Mill. Euro ein, der Verlust dieser Sparte sprang von 24 Mill. Euro auf 89 Mill. Euro in die Höhe.

Neben der schwachen US-Konjunktur und der Sparte Web gibt es weitere Baustellen, die der Vorstand von Heidelberg managen muss. Durch die Akquisitionspolitik der vergangenen Jahre hat sich das Unternehmen zwar erfolgreich zum Komplettanbieter rund um das Drucken gewandelt. Allerdings sind die Renditen in den neuen Arbeitsgebieten wie Druckvorstufe (Prepress) oder dem Zukunftsmarkt Digitaldruck noch weit von der gewohnten Heidelberg-Rendite entfernt.

Analysten revidieren Gewinnerwartung für 2002 nach unten

Das Heidelberg-Management versucht das Problem mit Einsparungen sowie einer effizienteren Struktur zu lösen. Gleichzeitig sollen weitere Zukäufe das Wachstum absichern. Dennoch bleiben die meisten Analysten zumindest kurzfristig skeptisch und haben ihre Gewinnerwartungen für das kommende Jahr nach unten revidiert.

An den langfristig guten Aussichten von Heideldruck ändere sich dadurch aber wenig, heißt es. Früher oder später würden sich die Investitionen in die Wachstumsfelder auszahlen. "Die Bereiche Farbdigitaldruck und Zeitung bieten weiterhin Wachstumspotenzial. Zudem ist damit zu rechnen, dass das Unternehmen den Konkurrenten wie Xerox und Goss Marktanteile abnehmen wird", schreibt M.M.Warburg.

Das Heidelberg-Papier wird zurzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf bewertet. Das ist moderat. "Wir vermuten, dass mit den Ergebniserwartungen des Marktes und auch dem negativen Sentiment die Heidelberg-Aktie den Boden gefunden hat und das weitere Abwärtsrisiko begrenzt ist", glaubt Richard Schramm von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Bis die Heidelberg-Aktie wieder alte Höhen erreichen wird, müssen sich Aktionäre allerdings in Geduld üben. Einen schwachen Trost haben sie: Sie stehen nicht alleine im Regen. Erst im Mai verkaufte Heidelberg-Großaktionär RWE ein Heidelberg-Paket von rund 6 % mit großem Erfolg an institutionelle Anleger zu einem Preis von 60 Euro. Vieles spricht dafür, dass das Management alles daran setzen wird, dieses Kursniveau bald wieder zu erreichen. Schließlich wollen sich die Großaktionäre von weiteren Paketen trennen, um den Streubesitz von Heidelberg zu erhöhen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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