Aktie unter der Lupe
Bei MLP brauchen Anleger starke Nerven

Auch das noch: Am vergangenen Freitag veröffentlichte MLP eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr. Und die Vorwürfe, der Finanzdienstleister frisiere seine Bilanzen, reißen nicht ab. Das Unternehmen ist in einen Teufelskreis geraten. Anleger bekommen kalte Füße und verkaufen die Aktie in Massen.

HB FRANKFURT/M. Sie fällt und fällt und fällt. Ein Ende des Kursdebakels bei MLP ist nicht absehbar. Am Freitag veröffentlichte der Finanzdienstleister eine Gewinnwarnung, das Halbjahresergebnis vor Steuern für den Konzern werde bestenfalls auf dem Vorjahresniveau liegen, die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr sei nicht mehr zu erreichen. Die Börse quittierte die Nachricht mit einem erneuten Abschlag von fast 50 Prozent. Das Papier schloss bei 8 Euro. Unvorstellbar, dass MLP-Aktien vor einem Jahr fast 100 Euro kosteten.

Dem einstigen Star am Börsenhimmel haftet längst der Ruch des Zocker-Wertes an, denn was noch alles mit MLP passieren wird, steht in den Sternen.

Am Donnerstag hatte das Anlegermagazin "Börse Online" zum wiederholten Mal Bedenken über die Bilanzierungspraxis des Heidelberger Finanzdienstleisters geäußert. Die Vorwürfe, MLP blähe durch Rückversicherungsgeschäfte den ausgewiesenen Gewinn künstlich auf, sind nicht neu. Dem Magazin liegen nun interne Papiere vor - der Prüfungsbericht des Wirtschaftsprüfers Rölfs WP Partner. Aber selbst "Börse Online" schreibt: "Der Verkauf künftiger Ansprüche ist bilanztechnisch wahrscheinlich in Ordnung." Auch Wirtschaftsprüfer und Bilanzexperten bestätigen immer wieder, dass solche Buchungen durchaus üblich sind. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) sieht keine konkreten neuen Anhaltspunkte, um sich MLP genauer anzuschauen, sagte ein Sprecherin am Freitag.

Jede negative Meldung zu MLP schmälert das Vertrauen der Anleger indes weiter. "Kleinste Gerüchte können in der derzeitigen Marktverfassung den Kurs signifikant beeinflussen", sagt Martin Praum, Analyst bei ABN Amro. Zudem hat die Staatsanwaltschaft Mannheim jüngst die Firmenräume von MLP auf eine anonyme Anzeige hin durchsucht. "Wenn die Staatsanwaltschaft ermittelt, ist das für eine Aktie nie gut. Ein solches Vorgehen lässt entweder auf schwer wiegende Vorwürfe oder belastendes Beweismaterial schließen", sagt Praum. Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt stuften das Papier von "Buy" auf "Add" herab. Denn sie erwarten nicht, dass der Markt zu fundamentalen Argumenten bei MLP zurückkehre, die etwa im überzeugenden Geschäftsmodell lägen.

Monat der Wahrheit

"Ich habe den Eindruck, dass ein Großinvestor auf dem Markt unterwegs ist, der ohne Gnade MLP verkauft", sagt Oliver Opgen-Rhein, Aktienhändler bei HSBC Trinkaus. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Gerüchte, dass bei MLP Hedge-Funds am Werk seien. "Die Hedge-Funds haben sich in der jüngsten Zeit immer die schwächsten Kandidaten ausgesucht. Das war eine zeitlang die Aktie der Deutschen Telekom, und nun scheint es MLP zu sein", sagt Fidel Helmer, Leiter des Wertpapierhandels bei Hauck & Aufhäuser. Auch die hohen Umsätze ließen darauf schließen, dass Institutionelle MLP verkaufen.

Der Monat August wird für MLP nun zum Monat der Wahrheit werden. Am 13. August entscheidet die Deutsche Börse über die Indexzusammensetzung des Dax. Angesichts des Kursverfalls bei MLP wird befürchtet, dass der Wert aus dem Index fliegen könnte. Das lastet auf der Aktie, weil Fondsmanager, die den Dax abbilden, MLP-Papiere verkaufen könnten.

Nach der Marktkapitalisierung ist der Verbleib von MLP im Dax kein Muss mehr. Am 15. August wird MLP dann sein detailliertes Ergebnis für das erste Halbjahr 2002 präsentieren. "Dieses Jahr ist ein schweres Jahr", sagte MLP-Chef Bernhard Termühlen am Freitag. Die Angriffe der Presse wögen dabei für MLP schwerer als die flaue Entwicklung am Aktienmarkt. Einen Vorteil hat das Gezerre um MLP: "Das Papier ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund zehn schreiend günstig bewertet", sagt ein Analyst. Günstig auch für andere Unternehmen meint Opgen-Rhein: "MLP ist bei diesem Kurs ein ganz klarer Übernahmekandidat."

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