Aktie unter der Lupe
Bei MVV lockt die hohe Dividende

Der Energieversorger MVV hat es nicht leicht. Vor zwei Wochen lieferten die Mannheimer mit einem Umsatz von 1,7 Mrd. Euro und einem Vorsteuergewinn von 144 Mill. Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr Rekordzahlen und übertrafen ihre eigenen Prognosen. Viele Investoren denken beim Stichwort MVV aber noch immer eher an den Münchener Verkehrsverbund als an den fünftgrößten Stromlieferanten Deutschlands.

HB DÜSSELDORF. Schon seit dem Börsengang im März 1999 pendelt der Kurs in einem engen Band zwischen 13 und 16,50 Euro. Lediglich der Einstieg der Ruhrgas AG vor zwei Jahren sorgte für ein wenige Tage währendes Kursfeuerwerk. Grund für den drögen Kursverlauf und den illiquiden Handel: Nur 12,2 % der Aktien sind breit gestreut; Großaktionäre sind die Stadt Mannheim (72,8 %) und die Ruhrgas AG (15 %).

Daher plant die MVV, den Streubesitz auf mindestens 25 % zu erhöhen. "Mit der bereits genehmigten Kapitalerhöhung und einer Zweitplatzierung der Stadt Mannheim könnte der Streubesitz auf ein für institutionelle Investoren akzeptables Niveau steigen", sagt Rainer Münch, Analyst der DZ Bank. Er rät zum "Akkumulieren" der Aktie. Die Crux: Solange der Kurs vor sich hindümpelt, ist weder eine Kapitalerhöhung denkbar, noch dürfte die Stadt Mannheim verkaufen. Anders wäre das erst bei Kursen über 16 Euro.

Christoph Keidel, Analyst der BW-Bank, rät zum "Übergewichten" der Aktie, gibt aber zu bedenken: "Wachstum ist im stagnierenden deutschen Energiemarkt nur über Akquisitionen möglich." Ganz große Fänge sind den Mannheimern angesichts von knapp einer Mrd. Euro Finanzverbindlichkeiten aber verwehrt. Die MVV will daher vor allem mit der Übernahme kleinerer deutscher und osteuropäischer Stadtwerke wachsen. "In den nächsten drei Jahren sind Beteiligungen im Volumen von bis zu 400 Mill. Euro geplant", sagt DZ-Analyst Münch. Schon jetzt ist die MVV unter anderem an den Stadtwerken Offenbach, Solingen, Ingolstadt und insgesamt elf lokalen Versorgern in Polen und Tschechien beteiligt.

Im Gegensatz zu Produzenten wie RWE oder Eon hat sich die MVV als Energieverteiler positioniert. Zudem investiert der Konzern in wachsende Energieformen wie Photovoltaik, Biomasse und Windkraft. "Im Bereich der Biomasse hat die MVV eine starke Wettbewerbsposition", schreiben die Analysten von Sal. Oppenheim. Ihr Anlageurteil lautet "neutral", den fairen Wert des Papiers sehen sie bei 18,80 Euro.

Im Schnitt erwarten die Analysten einen Gewinn von 1,05 Euro je Aktie für das laufende Jahr und 1,25 Euro für 2003. Das entspricht einem branchenüblichen KGV von 13 für dieses und 11 für das nächste Jahr. Über Branchenniveau ist die Dividende: Die für die Hauptversammlung im März vorgeschlagenen 0,75 Euro je Aktie ergeben eine Dividendenrendite von 5,4 %. Das lockt Dividendenjäger. Auch deshalb gehören die Tage vor dem Aktionärstreffen im Mannheimer Rosengarten stets zu den wenigen Momenten, in denen die MVV-Aktie aus ihrem Dämmerschlaf erwacht.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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