AKTIE UNTER DER LUPE
Bei Preussag beginnt die Kleinarbeit

In Hannover ist der größte Reise-Konzern der Welt entstanden, aber die Anleger beeindruckt das wenig. Trotz guter Kritiken der Analysten kommt die Aktie seit Monaten nicht in Fahrt. Wer einsteigt, braucht Geduld. Bevor die spektakuläre Einkaufstour Früchte trägt, ist viel Arbeit nötig.

HANNOVER. Michael Frenzel versucht sich derzeit als Wanderprediger. Wann immer der Vorstandsvorsitzende der Preussag AG, Hannover, öffentlich auftritt, bringt er dem Publikum eine Eigenart des Reisegeschäfts nahe: Touristikkonzerne verdienten ihr Geld im Sommer und Herbst, wenn die Gäste ihre Reisen bezahlen. Verluste im Winter seien wegen der Vorlaufkosten ganz normal.

So stimmt er die Anlegergemeinde darauf ein, dass der in der nächsten Woche erscheinende Bericht für das erste Quartal nicht glänzend sein wird. Christian Obst, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank, bezweifelt, dass die Überzeugungsarbeit schon gewirkt hat. Ein Schreck über den vermeintlich schlechten Zwischenbericht könne dem Kurs ebenso schaden, wie ihm die Freude über saisonal bessere Ergebnisse nutzen kann: "Das kann immer mal für fünf Prozent beim Kurs gut sein".

Ihr Schlüsselerlebnis hatten die Preussag-Aktionäre genau vor einem Jahr, damals allerdings gänzlich unvorbereitet: Preussag wies in der Reisesparte einen Verlust aus. Gleichzeitig vermeldeten die Hannoveraner den teuren Kauf der britischen Thomson Group und gaben ihrer Aktie damit den Rest. Der Kurs sackte in den folgenden Wochen von 45 auf 30 Euro.

Seitdem bewegt sich das Papier meist unter der 40-Euro-Marke. Viele Analysten halten das für Einstiegskurse, vorausgesetzt, der Käufer hat Geduld. Nachdem der Konzern zwei Jahre lang Überraschungen praktisch im Quartalsrhythmus präsentierte, setzt jetzt die Kleinarbeit ein. Die Zusammenarbeit der Töchter TUI, Hapag-Lloyd und Thomson Travel sowie die Beteiligungen bei Nouvelles Frontieres und jetzt Alpitour schlägt sich noch nicht in zusätzlichen Erträgen nieder.

Kritik an der unklaren Strategie

Michael Gierse, Fondsmanager bei Union Investment, geht langsam die Geduld aus. Er kritisierte jüngst auf der Hauptversammlung heftig die Kursschwäche und erklärte sie vor allem mit der Unklarheit über die Strategie. Von den erhofften Synergien sei bis jetzt nichts zu sehen, der Vorstand müsse den Wandel zum reinen Touristikkonzern noch konsequenter betreiben.

Auch Obst hält die Unsicherheit für die größte Schwäche der Preussag-Aktie, plädiert aber für Geduld. Ein solches Integrationsprojekt brauche Zeit, "diese Probleme sind überall dieselben". Außerdem sei die Eigenkapitalrendite der Touristiksparte mit 30 % "nicht so schlecht".

Zum ersten Mal seit drei Jahren ist der Weg der Preussag AG einigermaßen vorgezeichnet. Der Verkauf der "alten" Sparten Gebäudetechnik und Handel läuft, die Integration der Reisetöchter hat begonnen, spektakuläre Akquisitionen sind nicht zu erwarten. Der Preis könnte Langeweile sein: Kurstreibende Nachrichten erwartet Obst vorerst nicht.

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