Aktie unter der Lupe
Benetton-Aktie kommt wieder in Mode

Die Zurückhaltung der Käufer hat das Modeunternehmen Benetton belastet. Das Schlimmste sei aber nun überstanden, sagen Analysten. Auf dem jetzigen Niveau sei die Aktie interessant.

FRANKFURT/M. Mal machte Benetton in den vergangenen Jahren Werbung mit Aidskranken, dann wieder warben Behinderte oder Häftlinge auf Plakaten für die Strickdynastie. Mit den umstrittenen Kampagnen hat es das Familienunternehmen aus dem norditalienischen Ponzano Veneto zu Weltruhm gebracht. Wenig genutzt hat dieser aber den Geschäften und der Aktie des Pulloverfabrikanten.

Kostete das im italienischen Index der mittelgroßen Werte Midex gelistete Benetton-Papier im Sommer 2001 noch über 18 Euro, dümpelt es jetzt um die Marke von 10 Euro. In der letzten Zeit rächte sich bitter, dass Benetton so gut wie nie Werbung mit seinen Produkten gemacht hat. Das macht dem Unternehmen - zu fast 70 % noch in Händen der Familie Benetton - gerade in Zeiten der Konsumflaute zu schaffen. "Jeder kennt zwar die Marke, niemand aber das Produkt. Damit gibt es auch keinen Grund für die Verbraucher, bei Benetton zu kaufen", sagt ein Analyst einer amerikanischen Investmentbank in Mailand. "Vor allem bei den jüngeren Kunden hat die Marke Benetton ihre Anziehungskraft verloren", erläutert auch Andrea Paladini, Analyst beim Mailänder Wertpapierhandelshaus Centrosim.

Der Umsatz ging im ersten Halbjahr 2002 um 4 % zurück. Der Gewinn stieg allerdings um 10 % an, dank höherer Margen im Sportbereich. Das honorierte die Börse sofort, der Kurs stieg nach der Bekanntgabe der Zahlen am Donnerstag um 2 %.

Trotzdem schlägt die Sportsparte mit Marken wie Nordica (Skier), Rollerblade (Inline-Skates) und Prince (Tennisschläger) immer noch mit einem operativen Verlust von 16 Mill. Euro zu Buche. "Die Restrukturierung des Sportbereichs zeigt erste Erfolge, das Minus verringert sich. Ich rechne damit, dass Benetton diesen Bereich verkaufen wird, wenn er profitabel ist", meint der Analyst der US-Bank. Das sei das Klügste, was Benetton machen könne.

Ordentlich Geld kostet jedoch die Strategie, immer mehr Megastores zu eröffnen. Das sind Innenstadt-Läden mit mehr als 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Bis ein solches Großgeschäft Gewinn abwirft, gehen einige Jahre ins Land. Die Megastores sollen eigentlich mehr Kunden anziehen, und die Produkte bekannter machen. "Aber", schreibt Analystin Chiara Tirloni von UBS Warburg in einer Kurzstudie, "die höheren Kosten wurden bisher nicht durch überzeugende Ergebnisse in der Markenpositionierung wettgemacht."

Zudem hat Benetton schlichtweg den Trend zu modischen Kleidern zu spät entdeckt. Viele Jahre setzte Benetton in erster Linie auf schlichte Strickpullis in allen möglichen Farben. "Benetton ist im Vergleich zu Konkurrenten wie Zara oder H&M viel langsamer, was Trends angeht", sagt Analyst Paladini. Langsam setze sich auch bei Benetton die Erkenntnis durch, dass man auf neue Entwicklungen schneller reagieren muss.

Inzwischen sehen einige Analysten sogar Spielraum nach oben für die Aktie. "Der jetzige Preis für das Papier ist sehr interessant", sagt Paladini. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund elf ist das Papier günstiger bewertet als das von börsennotierten Konkurrenten wie etwa Inditex (Zara). Im momentanen Kurs seien die schlechten Nachrichten der letzten Zeit alle schon enthalten, beispielsweise die anhaltende Zurückhaltung der Käufer, erläutert die Analystin eines Mailänder Brokerhauses und rät Investoren zum Kauf.

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