Aktie unter der Lupe: Beschädigter Ruf belastet BHW-Kurs

Aktie unter der Lupe
Beschädigter Ruf belastet BHW-Kurs

Insidergeschäfte sind strafbar. Selbst wenn sich ein Verdacht nicht erhärtet, bleibt ein Imageschaden für das Unternehmen. BHW-Aktionäre können ihn auch beziffern. Ein Blick auf den Kurszettel genügt.

DÜSSELDORF. Für die Aktionäre der BHW Holding AG kommt eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Vor wenigen Tagen vom MDax- zum SDax-Unternehmen degradiert, stellte am Mittwoch vergangener Woche die Staatsanwaltschaft auch noch die Firmenzentrale sowie Privaträume von Mitarbeitern auf den Kopf.

Die Verbannung in die dritte Börsenliga ist Folge der geringen Marktkapitalisierung des Streubesitzes. Gerade 6,8 % der Aktien der durchs Bauspargeschäft groß gewordenen BHW gehen an der Börse um. Dass es nicht mehr sind, liegt an der vor einem Jahr misslungen Zweitplatzierung von Aktien aus dem Bestand des Großaktionärs Deutscher Beamtenbund.

Eben mit dieser gescheiterten Zweitplatzierung hängt auch die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) veranlasste BHW-Durchsuchung wegen des Verdachts auf verbotene Insidergeschäfte von 13 BHW-Managern zusammen. Die BHW-Oberen sollen im Rahmen eines Beteiligungsprogrammes erworbene Aktien in Kenntnis der geplanten Sekundärplatzierung Ende 2001 veräußert haben. Sie fürchteten Kursverluste. Die für Februar 2002 geplante Sekundärplatzierung scheiterte, weil dem Deutschen Beamtenbund der erzielbare Preis zu niedrig war. Die Kurse sanken trotzdem - im Dezember 2001 von über 30 Euro auf zeitweise unter 25 Euro. Ab 2002 ging es - von wenigen Tagen abgesehen - nur noch bergab. Ein BHW-Sprecher bezeichnete die Vorwürfe am Donnerstag als "haltlos".

"Die Durchsuchung dürfte dem Kurs nicht nachhaltig schaden", sagt DZ-Bank-Analystin Silke Widerspohn. Dass das BaFin den Insiderverdacht untersuche, sei schon seit eineinhalb Jahren bekannt. So sieht das auch Dirk Krieger, der die BHW-Aktie für die Norddeutsche Landesbank beobachtet. "Vom operativen Geschäft her ist die Aktie sehr günstig", sagt Krieger. Er verweist auf einen geschätzten Buchwert der Aktie von 11,60 Euro auf Basis des erwarteten Abschlusses für 2002. Am Freitag schloss der Kurs bei 6,70 Euro. Zurzeit lautet Kriegers Empfehlung: "halten".

Silke Wiederspohn gehört zu den wenigen positiv gestimmten BHW-Analysten: "Kaufen" sollen die Anleger die BHW-Aktie angesichts eines von ihr ermittelten Kurspotenzials bis Ende Mai bis 10,70 Euro. Krieger wie Wiederspohn sehen aber auch den Imageschaden, der positive Geschäftszahlen in den Hintergrund drängt. Parallelen zu MLP sind unverkennbar. Wegen angeblicher Bilanzmanipulationen am Pranger, kommt der Finanzdienstleister nicht mehr aus dem Kurskeller. Doch anders als der Dax-30-Wackelkandidat MLP konnte BHW das Segment nicht halten. Soll die Holding - wie vom BHW angepeilt - zurück in den MDax, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Die eine: Der Kurs muss deutlich steigen, womit nur wenige Analysten rechnen. Die andere beschreibt WestLB-Panmure-Experte Martin Peter: "Die Zweitplatzierung wäre eine Chance. Sie ist aber unrealistisch."

Mit dem Abstieg in einen Nebenwerte-Index verliert eine Aktie erst die Aufmerksamkeit der Analysten und dann an Kurswert. Und von einem Börsenaufschwung profitieren Nebenwerte-Aktionäre als Letzte. "Das Einzige, was bei BHW gut läuft, ist das Bausparneugeschäft", sagt Peter. Ein Grund, sofort BHW zu kaufen, ist es aber nicht, denn dadurch steigende Provisionszahlungen drücken zuerst auf das Ergebnis.

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