Aktie unter der Lupe
Bieraktie in berauschender Höhe

Es gibt sie noch: Aktien, die auch in einem schwachen Börsenumfeld zulegen. Beim Getränkekonzern Brau und Brunnen scheint ein turn-around möglich. Das macht dem Kurs Beine.

HB/tlu DÜSSELDORF. In diesen trüben Börsentagen mag sich manch ein Anleger fragen, ob es überhaupt noch Aktien gibt, deren Kurs steigt. Die Antwort ist: Es gibt sie - und man muss nicht einmal auf irgendwelche Exotenbörse ausweichen, um sie zu finden. Wer sich zum Beispiel frühzeitig die Titel der Brau und Brunnen AG (BuB) ins Depot gelegt hat, kann sich mittlerweile über eine beeindruckende Performance freuen. Nachdem die Notierung Ende vergangenen Jahres den Sprung über die 20-Euro-Marke probte, sind die Aktien des Dortmunder Getränkekonzerns aktuell kaum unter 40 Euro zu haben.

Der rasante Kursaufschwung wundert umso mehr, als dass BuB als chronischer Sanierungsfall gilt. Seit Jahren schreibt das Unternehmen im Kerngeschäft, der Bierbrauerei, rote Zahlen und auch bei den nicht-alkoholischen Getränken, deren sprudelnde Erträge die Finanzen des Konzern im Lot hielten, gab es im Geschäftsjahr 2001 einen herben Einbruch. Den nahm BuB-Vorstandschef Michael Hollmann freimütig auf seine Kappe. Er hatte schlicht und ergreifend den Trend zur PET-Mehrwegflasche bei Mineralwässern und den Boom bei stillen Wässern verschlafen.

Das spricht nicht gerade für die Weitsicht des Anfang 2001 berufenen Konzernlenkers. Doch Hollmanns Augenmerk gilt vor allem der Gesundung von BuB. Sein Rezept: Der drittgrößte deutsche Getränkeproduzent soll schlanker werden. Dazu hat sich das Management einiges an Aufräumarbeiten vor sich. So werden unrentable Braustätten verkauft oder geschlossen, die Mitarbeiterzahl deutlich reduziert und beim Marketing konzentriert sich BuB auf die eigenen Premiummarken wie "Jever" (Bier) oder "Sinziger" (Mineralwasser). Vor allem aber soll der exorbitant hohe Schuldenstand von ehemals 380 Mill. Euro auf 50 Mill. Euro bis Ende 2002 durch den Verkauf von Immobilienvermögen reduziert werden.

Für Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe, der als einziger Analyst die BuB-Aktie verfolgt, sind die höheren Notierungen so etwas wie Vorschusslorbeeren. "Der Ist-Zustand bei Brau und Brunnen ist sicherlich verhalten, aber die höheren Kurse reflektieren den Fortschritt des Sanierungskonzepts." Seiner Einschätzung nach ist deshalb der Höhenflug des Papiers durchaus gerechtfertigt. Er hält einen weiteren Anstieg bis auf über 50 Euro für möglich - wenn das Sanierungskonzept weiter greift.

Eine klassische turn-around-Spekulation - freilich mit spekulativem Charakter. Denn die Aussichten im operativen Geschäft sind alles andere als rosig. Der Bierkonsum in Deutschland ist seit Jahren rückläufig, die Braubranche konsolidiert und auch bei nicht-alkoholische Getränken zeichnet sich eine Marktberuhigung ab. Ob 2003 der angepeilte Sprung in die Gewinnzone gelingt, ist deshalb fraglich.

Auf der anderen Seite ist die Börsenbewertung günstig. So wird jeder Euro Umsatz an der Börse noch nicht einmal mit einem Drittel bezahlt. Immer wieder gibt es deshalb Gerüchte über einen potenziellen Aufkäufer. Strategischen Investoren aus der Braubranche gibt es genug, wie der Einstieg von Interbrew bei Beck?s gezeigt hat. Zudem ist der BuB-Großaktionär, die Hypo-Vereinsbank, durchaus geneigt, ihren 55 %igen Anteil zu verkaufen. "Ich vermute allerdings, dass man wartet, bis die Braut hübsch genug ist", sagt Schlienkamp. "Erst bei Preisen über 50 Euro wird es Diskussionsbereitschaft geben."

Quelle: Handelsblatt

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