Aktie unter der Lupe
Billabong surft auf einer Erfolgswelle

Die Marke Billabong ist Kult, nicht nur in Australien. Der Surfausrüster aus Down Under schwimmt auf einer Woge des Erfolgs. Nach dem Börsengang schnellte der Aktienkurs nach oben. Doch nachdem Billabong-Chef Matthew Perrin vor kurzem mehr als die Hälfte seiner Aktien auf den Markt warf, brach die Notierung drastisch ein.

DÜSSELDORF. Jet-Skis bringen die Surfer an den Fuß der Meeresungetüme, die sie mit ihren Brettern bezwingen wollen. Dabei geht es ihnen nicht nur um den "Kick" und den Triumph über die Naturgewalten. Es geht auch um eine Menge Geld. 500 000 US-$ hat das australische Unternehmen Billabong für denjenigen Wellenkünstler ausgesetzt, der als erster eine 30-Meter hohe Welle reitet - das wäre Weltrekord.

Billabong fühlt sich wohl im Extremen. Überall, wo es breite Sandstrände und hohe Wellen gibt, taucht das Logo des Textilherstellers auf. Die Australier produzieren und verkaufen trendige Sportswear für Surfer, Boarder und diejenigen, die es werden wollen. Zielgruppe sind 12- bis 23-Jährige mit dem nötigen Kleingeld. "Ein konjunkturresistentes Geschäft", meint Ron Sargeant, Analyst bei dem australischen Brokerhaus Macquarie Equities, "schließlich verfügt die surfbegeisterte Jugend Jahr für Jahr über mehr Geld."

Mit über 2 200 Produkten setzte Billabong im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als eine halbe Mrd. austral. Dollar (A$/287 Mill. Euro) um - und das längst nicht mehr nur in Australien. Neben den einschlägigen Surfrevieren in Down Under, auf Hawaii, in Brasilien oder an der französischen Atlantikküste wird Billabong inzwischen in über 60 Ländern getragen. Mehr als die Hälfte der Umsätze erzielen die Australier in den USA.

Billabong wächst seit Jahren mit über 25 % jährlich. Das Nettoergebnis stieg im letzten Jahr deutlich stärker um 45 % auf 61,1 Mill. A$. "Im laufenden Geschäftsjahr sollte ein Ergebnis von 80 Mill. A$ sollte drin sein", ist sich Sargeant sicher, "obwohl das Australiengeschäft derzeit nicht gerade auf Hochtouren läuft."

Doch die Flaute im Heimatmarkt, wird durch den US-Markt mit einem Plus von 35 % mehr als wettgemacht. "Die Verschuldung von rund 21 % und die starke operative Marge von 20 % erlauben es Billabong, das eigene Wachstum auch zu finanzieren", so Michael Young von Macquarie Equities. Das Konzept geht offensichtlich auf. Die Marke läuft, auch weil Billabong für das steht was es ist. Denn die Mitarbeiter sind jung. Viele von Ihnen sind selbst Surfer. Das erklärt, warum die Klamotten so gut in der Szene ankommen.

Von einem solchen Erfolg wagte Gordon Merchant vor 22 Jahren nicht zu träumen, als er seine Firma gründete. Billabong nannte er sie - wie die australischen Ur-Einwohner Aboriginies die Wasserlöcher im ältesten Regenwald der Welt. 1998 verkaufte Merchant 49 % seiner Firma an Matthew Perrin, den heutigen Chef. Und der hat das Unternehmen zu mehr als nur einem Szenelabel gemacht. Lässige Sportswear, Bikinis, Sonnenbrillen und Accessoires gehören mittlerweile zur Kollektion der Australier.

Dabei ist Billabong hochprofitabel. "Hauptkonkurrent Quiksilver erzielt beim dreifachen Umsatz nur ein Drittel der Marge. Zudem reagiert Billabong schneller auf wechselnde Trends", weiß Andrew Greenup, Analyst bei Credit Suisse First Boston. "Dazu ist das Wachstumspotential größer."

Die Aktie stürmte nach der Emission im Jahr 2000 von 2,30 A$ bis auf 9,50 A$. Erst als Billabong-Chef Perrin Ende August 8 Millionen seiner insgesamt rund 13 Millionen Aktien heimlich auf den Markt warf, stürzte die Notierung um über 25 % ab. Auf der Hauptversammlung vergangene Woche beendete Perrin dann Rücktrittsspekulationen und der Kurs stabilisierte sich, zumal Analysten Perrin einen guten Job attestieren. Ein fader Beigeschmack bleibt dennoch. Charttechnisch ist das Papier zudem angeschlagen und mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von rund 18 (für 2003) kein Schnäppchen.

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