Aktie unter der Lupe
Billiganbieter belasten Lufthansa-Aktie

Das Angebot von Billigairlines erhöht den Preisdruck auf innerdeutschen Strecken. Ein stärkeres Engagement der Deutschen Lufthansa AG in Fernost soll die Verluste bei Inlandsflügen ausgleichen.

HB FRANKFURT/M. Billiganbieter wie Ryanair machen etablierten Fluggesellschaften die Kunden abspenstig. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie einer Bonner Unternehmensberatung. Fast die Hälfte der Fluggäste bei Billigairlines, hätte früher bei der Lufthansa, British Airways, Aer Lingus oder Air France gebucht. Befragt wurden dazu 230 Fluggäste am Flughafen Hahn. "Diese Studie muss man allerdings sehr differenziert betrachten", meint Robert Gülpers, Analyst bei Sal. Oppenheim. "Bei Billigfliegern buchen vor allem Reisende, die ein begrenztes Budget haben. Das sind zum Teil auch Geschäftsreisende. Doch sobald die Firmen wieder mehr Geld in den Kassen haben, werden diese Kunden auch wieder zur Lufthansa zurück gehen", fügt Gülpers hinzu.

Auch nach Ansicht der Analysten von M. M. Warburg gefährden die Billigangebote von Ryanair, Buzz, Go oder Germania die Lufthansa nur begrenzt. Unter diesen Anbietern sei Ryanair der einzige potenzielle Wettbewerber für die Lufthansa. Doch das Konzept von Ryanair sieht unter anderem vor, dass nur Regionalflughäfen angeflogen werden. Für Geschäftskunden seien die angebotenen Verbindungen, auch auf Grund der Flugzeiten, in vielen Fällen gänzlich uninteressant. "Lufthansa und Ryanair kämpfen nur beschränkt um die gleichen Kunden", erklärt Nils Machemehl, Analyst bei M. M. Warburg. Dennoch würden die günstigen Tarife von Ryanair auf einigen Strecken der Lufthansa zu einem Preisdruck führen.

Robert Gülpers, der bei Sal. Oppenheim die Entwicklung der Lufthansa-Aktie im Auge hat, sieht in der Etablierung von Ryanair auch eine langfristige Chance für die Airline mit dem Kranich im Logo: "Durch die Billigangebote wird ein hohes Potenzial an Reisewilligen angesprochen, die vorher mit dem Auto oder der Bahn gereist sind. Es ist dann eine Frage des Preises, ob Lufthansa diese Kunden für sich gewinnen kann."

Eine größere Gefahr für die Lufthansa ist nach Ansicht von Analyst Machemehl die Fluglinie Easyjet. "Sollte Easyjet, die bislang in Deutschland nicht aktiv ist, die Deutsche BA übernehmen, so würde Lufthansa einen starken Wettbewerber im innerdeutschen Verkehr bekommen", sagt Machemehl.

Viele Analysten sind jedoch der Meinung, dass es für die Lufthansa besser ist, sich aus dem Wettbewerb mit den Billigfluglinien soweit wie möglich heraus zu halten. Auf lange Sicht sollte sich die größte deutsche Fluglinie auf Langstreckenflüge fokussieren. "Sehr erfolgversprechend sind die Routen nach Fernost", sagt Oliver Caspari, Analyst beim Bankhaus Lampe. Seit Mitte August gehen die Analysten bei Lampe davon aus, dass sich die Lufthansa-Aktie wie der Markt entwickeln wird. Das Kursziel gibt Caspari mit 15 Euro an. Mit einer besseren Entwicklung rechnet Aktienexperte Gülpers von Sal. Oppenheim. Sein Kursziel für die Kranich-Aktie lautet 22 Euro. "Lufthansa wird vor allem von den Langstrecken profitieren. Hier wird mit einem durchschnittlichen Wachstum von fünf Prozent gerechnet", sagt Gülpers.

Besonders viel erwarten sich die Analysten für den Logistik-Bereich der Lufthansa. "Wenn man sich die monatlichen Zahlen von Lufthansa-Cargo anschaut, lässt sich eine Erholung erkennen", erläutert Gülpers. Das Geschäftsfeld Logistik gilt als frühzyklisches Segment innerhalb des Konzerns. "Wenn sich die Prognosen bewahrheiten und im zweiten Halbjahr eine konjunkturelle Verbesserung ansteht, dann wird Lufthansa-Cargo davon sehr früh profitieren", fügt Gülpers hinzu.

Bei M. M. Warburg wird bereits zum 3. Quartal mit einer Erholung der Nachfrage in diesem Bereich von drei Prozent gerechnet, die sich in dieser Größenordnung im 4. Quartal fortsetzen werde. Die positive Entwicklung des Geschäftfelds Logistik werde sich zeitverzögert auch auf den Bereich Personenbeförderung übertragen. Machemehl geht davon aus, dass sich diese Sparte im 4. Quartal erholen wird.

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