Aktie unter der Lupe
Börse jubelt über neuen Invensys-Chef

Kaum war der neue Chef im Amt, ging es aufwärts - wenigstens an der Börse. Als Rick Haythornthwaite im Oktober sein Amt beim britischen Automatisierungs-Spezialisten Invensys übernahm, lag der Kurs der Aktie bei etwas über 30 p. Keine drei Monate später hat sich ihr Wert auf gut 110 p mehr als verdreifacht.

LONDON. Die Invensys-Rally zeigt, wie verzweifelt die Märkte auf den neuen Vorstand gewartet haben. Denn all zu viel hat Haythornthwaite noch nicht gemacht. Doch der Abgang des unglücklichen Allen Yurko - der bis Anfang nächsten Jahres noch im Hintergrund den Übergang begleitet - reichte schon. Yurko hatte zuvor drei Gewinnwarnungen in zehn Monaten und einem Schuldenberg von mehr als 3 Mrd. Pfund (mehr als 5,1 Mrd. Euro) mit zu verantworten. Schon bei der ersten Gewinnwarnung im September 2000 - das Unternehmen hatte gerade die holländische Software-Firma Baan übernommen, hatte die Invensys-Aktie mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren.

Nun soll es der Neue wieder richten und bislang hat er getan, was von ihm verlangt wurde. Kürzlich beauftragte Haythornthwaite zwei Banken damit, zwei nicht zum Kernbereich gehörende Einheiten zu verkaufen. Das Batterie-Technologie-Geschäft und der Bereich für (Daten-)Fluss-Kontrolle könnte gut eine Mrd. Pfund bringen, jubelten Analysten. Das dürfte angesichts des Schuldenbergs mehr sein als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Haythornthwaite muss jedoch auf eine Erholung des operativen Geschäfts hoffen. Erst Mitte November teilte er mit, dass die Gewinne des ersten Halbjahres mit 40 Prozent eingebrochen sind, vor allem weil die Nachfrage im Schlüsselmarkt Amerika regelrecht wegbrach. Von den vier Kernbereichen litt vor allem der Sektor Power-Systems mit einem Gewinn-Einbruch um 75 Prozent. Als Grund stellte Invesys vor allem die ausbleibenden Aufträge großer Telekom-Firmen und Internet-Service-Providers heraus. Diese seien um 40 Prozent zurück gegangen, weil Investitionen in diesem Bereich auf die lange Bank geschoben worden seien. Auch bei den Kontrollsystemen sei auf Grund des immensen Preisdrucks und eines starken Rückgangs im Volumen der operative Gewinn deutlich geschrumpft.

Die Rating-Agentur Standard & Poors reagierte sofort. Nur zwei Tage danach stellte sie die Bewertung von Invensys auf die Prüfliste, keine 14 Tage später senkte sie das kurzfristige Rating von "A-2" auf "A-3". Grund war nicht das schlechte Ergebnis, sondern die Warnung von Invensys, in naher Zukunft werde das Geschäft kaum besser werden. Anders reagierten dagegen die Banken. WestLB, ABN Amro und Deutsche Bank erhöhten alle ihr Rating. Tenor aller Aussagen: Die Aktie habe sich von einem Krisenpapier zu einer Restrukturierungs-Chance entwickelt.

Doch der größte Optimismus ist wieder verflogen. Die ersten drängen darauf, dass mehr geschehen muss. "Der Verkauf von Einheiten ersetzt noch keine Strategie. Wir haben bisher noch nicht gesehen, wo er wirklich hin will", sagt etwa der Analyst eines deutschen Instituts.

Haythornthwaite selbst hat sich bis Ende Februar Zeit erbeten, um seine nächsten Schritte zu prüfen. Analysten haben schon ein paar Ideen. "Er muss ein oder zwei Kernbereiche nennen, auf die er sich in Zukunft konzentriert", empfiehlt der Experte des deutschen Instituts. Ein Merrill Lynch-Analyst findet ebenfalls die Struktur "zu komplex". Jedes Business müsse erst beweisen, dass es berechtigt zu Invensys gehöre. Wichtig sei vor allem, dass Invensys schnell handele.

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