Aktie unter der Lupe
Brauer Ambev führt in Südamerika

Der brasilianische Bier- und Getränkekonzern Ambev hat durch eine Beteiligung am argentinischen Konkurrenten Quinsa auf sich aufmerksam gemacht. Analysten gefallen vor allem die sich abzeichnenden Synergieeffekte. Aber auch allein haben die Brasilianer gezeigt, dass man in der Krise wachsen kann.

SAO PAULO. Brasiliens Bier- und Getränkekonzern Ambev (American Beverages S.A.) hat einen großen Schritt über die Grenzen gemacht: Mit der Übernahme von 36 % der Stimmaktien der argentinischen Unternehmensgruppe Quinsa (Quilmes Industrial S.A.) steigen die Brasilianer für 350 Mill. $ bei ihrem Konkurrenten ein. Zudem überschreibt Ambev Braukapazitäten in Uruguay, Paraguay und vor allem in Argentinien im Wert von weiteren 250 Mill. $ an Quilmes. Nach sieben Jahren ist die völlige Übernahme der Argentinier möglich.

Die Zusammenarbeit wird direkt betrieben: Ab sofort sitzen im Aufsichtsrat der Quilmes-Gruppe eine gleich große Anzahl von Ambev-Vertretern. Im ersten Schritt der Fusion wollen die Konzerne ihre Produktionen zusammen legen und die Vertriebskanäle für ihre gesamten Produkte nutzen. Mit einem Getränkeproduktion von 100 Mill. Hektoliter (hl) ist der brasilianisch-argentinische Konzern nun nach Coca-Cola und Anheuser-Busch/Budweiser der drittgrößte Getränkekonzern der Welt. Unter den Brauern konkurriert er mit Kapazitäten von 75 Mill. hl mit Heineken weltweit um den dritten Platz, nach Anheuser-Busch und Miller.

Gibt das argentinische Kartellamt seine Zustimmung, dann ist der Konzern in allen wichtigen Biermärkten Südamerikas vertreten - mit Ausnahme der Andenländer Peru, Kolumbien und Ecuador. Quilmes ist marktführend in Argentinien, Bolivien, Paraguay und Uruguay. Obwohl das kleine Märkte sind, gelten sie in der Braubranche als hoch lukrativ. Ambev dominiert Brasilien, den mit Abstand wichtigsten Konsummarkt in Lateinamerika und hat eine Brauerei in Venezuela.

Favorit in Südamerika

In Südamerika ist Ambev/Quilmes nun der einzige "südamerikanische Konzern" und aus Sicht der Deutschen Bank zum Favoriten geworden. Alle anderen Braukonzerne wie CCU in Chile, Bavaria in Kolumbien, Backus in Peru oder Polar in Venezuela seien im Vergleich kleine lokale Player. Ambev könne nun mit eigenen Aktien weitere Übernahmen angehen und sei sicherer vor Übernahmen finanzkräftiger Konzerne aus dem Norden. Nach Beobachtung der Deutschen Bank wollen die Konzerne den Einstieg in den wichtigen Bier-Wachstumsmarkt Südamerika wagen.

Die Brauexperten in den Investmentbanken sind vor allem von den Synergieeffekten der argentinisch-brasilianischen Fusion überzeugt. "Aus der Zusammenarbeit ergeben sich sofort außergewöhnliche operative und finanzielle Vorteile", begeistert sich Analyst Marco Vera von der Deutschen Bank. Bisher musste Ambev die Analysten mit organischen Wachstum überzeugen, weil Zukäufe nicht zu erwarten waren. Doch nach der Abwertung in Argentinien und dem Einstieg bei Quilmes ergeben sich "extrem attraktive" Potenziale für die Wachstum und Wert.

Doch auch allein macht Ambev den Konkurrenten vor, dass man in der Krise wachsen kann: Obwohl der brasilianische Biermarkt im ersten Quartal stark schrumpfte, konnte der Konzern den Ertrag pro Hektoliter stabil halten und seine Rendite noch erhöhen. Die Investmentbanken erwarteten schon vor dem Übernahmedeal, dass Ambev seine Gewinne in den nächsten Jahren stark steigern wird. Im Jahr 2001 erzielte Ambev bei einem Umsatz von 2,8 Mrd. $ einen Gewinn vor Steuern in Höhe von 861 Mill. $ - und damit eine Gewinnsteigerung von mehr als 50 % in den letzten drei Jahren.

Vorsichtiger ist die Rating-Agentur Standard & Poor?s: Weil bei Ambev die Verschuldung mit der Investition steigen wird, hat sie die Aussichten für die Real-Schulden von Ambev von stabil auf negativ verschlechtert. "Ambev wird seinem neuen Partner auch bei weiteren Problemen in Argentinien unterstützen müssen", sagt Milena Zariboni von S & P.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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