Aktie unter der Lupe
Brauer SAB könnte sich an Miller verschlucken

Zwischen den Goldfeldern Johannesburgs und dem beschaulichen Milwaukee am Michigansee liegen Tausende von Kilometern - und zwei sehr unterschiedliche Unternehmenskulturen.

JOHANNESBURG. Dennoch haben sich die Mitarbeiter der Miller Brewing an den Gedanken gewöhnt, fortan einer Biergruppe anzugehören, die in Südafrika und Osteuropa so groß ist wie Miller in den USA. Durch den Zusammenschluss mit Miller wurde South African Breweries (SAB) hinter Anheuser-Busch zum zweitgrößten Brauereikonzern der Welt.

Offiziell firmieren beide Unternehmen unter dem Namen SAB Miller plc. Weltweit beschäftigen sie fast 40 000 Menschen in 111 Brauereien. Die Akquisition ist ein großer Brocken. Beide Unternehmen hatten fast den gleichen Umsatz: Während er sich für SAB im letzten Geschäftsjahr auf 4,36 Mrd. $ belief, verbuchte Miller Einnahmen von 4,24 Mrd. $. Der Kauf des Biergeschäfts von Philip Morris kommt einer Kehrtwende in der Strategie der Südafrikaner gleich. Denn bislang hat der Konzern fast nur in Schwellenländern expandiert. Zu den Standbeinen gehören neben Afrika vor allem Osteuropa und China.

Die Kehrtwende verblüfft Experten wie Doe Steenkamp vom Vermögensverwalter Old Mutual in Kapstadt, weil das

Management bisher vor allem auf Länder mit einem unterentwickelten Vertriebssystem setzte. In Südafrika ist es SAB dank einer ausgeklügelten eigenen Verteilorganisation gelungen, über 90 % des Marktes zu erobern. Der reife US-Markt ist dagegen ganz anders strukturiert. Hier steht die Vermarktung der unterschiedlichen Biersorten im Vordergrund. Ein Bereich, in dem SAB wenig Erfahrung hat. So ist es dem Unternehmen trotz seiner Dominanz selbst im Heimatmarkt am Kap nicht gelungen, ein Leichtbier erfolgreich zu lancieren.

Analysten wie Mike Lawrenson vom Vermögensverwalter Coronation, sind deshalb skeptisch, ob SAB im hart umkämpften US-Markt tatsächlich bestehen und den Abwärtstrend von Miller stoppen kann. Noch vor 20 Jahren lag Miller fast gleichauf mit Anheuser Busch, seither ist der Marktanteil in den USA kontinuierlich geschrumpft.

SAB setzt mit dem knapp 5,6 Mrd. $ teuren Einstieg bei Miller alles auf eine Karte. Misslingt der turnaround bei Miller, wird die Gruppe insgesamt schwer leiden. Ein Pluspunkt des Aufkaufs besteht sicher darin, dass die Schwankungen des Rands SAB künftig weniger anhaben werden. Das südafrikanische Stammgeschäft wird nur noch 25 statt 50 % zum Konzernergebnis der neuen Gruppe beitragen. 40 % kommen künftig aus Industrieländern mit harter Währung.

Das Abschneiden der SAB Miller-Titel hängt nun ganz von der Repositionierung der Firma im US-Markt ab. Ein Kauf der Aktien drängt sich laut Doe Steenkamp unter diesem Gesichtspunkt nicht auf, zumal das Unternehmen vor weiteren finanziellen Abenteuern offenbar nicht zurückschreckt. Angesichts Marktschwäche hat SAB Miller allerdings gerade erst davon abgesehen, 138 Mill. neue Aktien am Markt zu platzieren und so die eigene Kriegskasse mit 650 Mill. Pfund zu füllen.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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