AKTIE UNTER DER LUPE
British Airways gerät immer tiefer in Turbulenzen

Die britische Fluggesellschaft British Airways ist stark von der Luftfahrtkrise betroffen. BA-Chef Eddington setzt verzweifelt auf Verkäufe, Stellenabbau und Kooperationen. Dennoch blicken die meisten Analysten skeptisch in die Zukunft. Merrill Lynch hat die Verlusterwartung um das Zehnfache korrigiert - nach unten.

LONDON. Die Aktionäre von British Airways (BA) müssen sich anschnallen: Seit den Anschlägen in Amerika fliegt die ehemalige englische Staatslinie durch Turbulenzen. Und am Dienstag droht bei der Vorlage der Halbjahresbilanz erneut ein heftiges Unwetter. Schon am Montag Vormittag brach die BA-Aktie in wenigen Stunden um rund neun Prozent ein und landete zwischenzeitlich bei 134 Pence. Damit hat das Papier seit dem 11. September rund die Hälfte an Wert verloren.

Und die Analysten in London fürchten Schlimmeres. Sie gehen bei den Quartalszahlen von einem drastischen Einbruch aus. Mit einem Marktwert von inzwischen unter 1,5 Mrd. £ dümpelt British Airways nur noch um Platz 120 unter den Londoner Börsenwerten. Für viele Briten eine Schande: Der einst als Volksaktie begehrte BA-Wert steht nun vor dem Rausschmiss aus dem Londoner Index FTSE-100.

Weiterer Kursverfall erwartet

Denn den weiteren Kursverfall sehen die Analysten in London bereits als besiegelt an. Sie malen kein positives Bild für die BA-Zukunft. Die Investmentbank Goldman Sachs hat die Fluggesellschaft kräftig herabgestuft. Mit der Aussage, die schlechteste Einschätzung im Analystenteam liege bei einem Kursziel von nur 55 Pence, sandte die Bank zudem sehr negative Signale in den Markt. "Wir stufen BA-Aktien als ?market underperformer' ein", erklärte Goldman und legte als Kursziel letztlich die Marke von 128 Pence fest. Doch selbst mit dieser Einschätzung ist British Airways deutlich weniger Wert als etwa der irische Billigflieger Ryanair, der gestern bei den vorgelegten Passagierzahlen als auch beim Halbjahresgewinn vor Kraft strotzte.

Anders BA-Chef Rod Eddington: Er dürfte heute kaum die richtigen Botschaften bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in London haben, um den freien Fall seiner Airline-Aktie zu stoppen. Von ihm werden vor allem schlechte Nachrichten erwartet, nachdem die Passagierzahlen im September und Oktober bereits schwer eingebrochen sind.

British Airways ist vor allem aus zwei Gründen besonders stark von den Folgen der Anschläge in Amerika betroffen. Einmal gehört die Gesellschaft zu den nur drei Airlines, die von Großbritannien in die USA fliegen dürfen und hat bislang die meisten Transatlantik-Strecken angeboten. Zum zweiten hat der BA-Konzern vor Jahren - noch unter dem früheren Chef Bob Ayling - entgegen dem Branchentrend nicht sein Massengeschäft ausgebaut, sondern ganz bewusst auf die teure Business-Klasse gesetzt.

Der Einbruch auf den Transatlantik-Routen sowie die Sorge vieler Manager vor langen Flügen haben dem Unternehmen nach den Attentaten darum täglich Millionen gekostet. Darum dürfte das BA-Halbjahresergebnis kräftig verhagelt sein, meinen die Analysten. Erwartet wird in der Branche ein Minus von durchschnittlich 26 Mill. £, nachdem British Airways in der Vergleichszeit des Vorjahres noch einen Gewinn von 150 Mill. £ eingeflogen hatte. Allerdings sind die Einschätzungen der Analysten unterschiedlich und reichen von einem Gewinneinbruch auf 59 Mill. £ bis zum Verlust von 55 Mill. £.

Lehman Brothers erwartet Aussetzen der Dividende

Lehman Brothers erwartet ein Minus von 30 Mill. £ und das Aussetzen der Dividende. Der US-Broker hat für die Aktie bereits vergangene Woche eine Verkaufsempfehlung sowie ein Kursziel von 80 Pence ausgegeben.

Scheinbar glaubt die City nicht an den Erfolg des von Eddington ausgerufenen radikalen Sparkurses. Zwar hat der umgehend angekündigte Stellenabbau von 7 200 Jobs Beifall in der Londoner Finanzwelt gefunden, doch die Flaute am Himmel und der zunehmende Druck der Billiganbieter trüben den Ausblick. Hinzu kommen neue, hohe Sicherheitskosten für den Umbau der Flugzeuge sowie für den in dieser Woche vorgesehenen Neustart des Überschallfliegers Concorde - ein weiterer Verlustbringer.

Die Anleger erwarten am Dienstag vor allem Aussagen zu neuen Kosten sparenden Allianzen. Doch um die BA-Pläne, die Langstrecken der vor der Pleite stehenden belgischen Sabena zu übernehmen, ist es plötzlich wieder still geworden. Auch die Kooperationsverhandlungen mit der niederländischen KLM kommen bislang nicht recht voran. Und vor allem die wieder belebten Pläne einer Allianz mit American Airlines - als Schlüssel für den US-Markt - sehen Analysten eher skeptisch.

Vielleicht kann BA-Chef Eddington durch weitere Anteilsverkäufe die Investoren zunächst bei der Stange halten. BA hat am Freitag seinen Anteil an France Telecom für 23 Mill. £ abgegeben und besitzt noch Aktienpakte an Iberia und Quantas im Wert von zusammen rund 460 Mill. £ .

Dennoch: Die Banker blasen zum Rückzug. Merrill Lynch hat gestern die Vorhersage für das BA-Jahresergebnis kräftig nach unten korrigiert. Die Bank geht nun von einem Jahresverlust vor Steuern von 775 Mill. £ aus. Ein zehnfacher Vertrauensabsturz: Noch vor kurzem hatte Merrill ein Minus von 65 Mill. £ erwartet.

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