Aktie unter der Lupe
BSkyB leidet unter Medien-Krise

Eigentlich sind die vergangenen Wochen für den Pay-TV-Anbieter British Sky Broadcasting (BSkyB) gut gelaufen. Doch der Aktienkurs bröckelt. Dennoch sehen Analysten gute Chancen.

LONDON. Der von Rupert Murdoch kontrollierte britische Marktführer in Sachen Bezahlfernsehen hat seine Spitzenposition mit erstmals sechs Millionen Abonnenten ausgebaut. Die jüngsten Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten. Zudem ist der Wettbewerber ITV Digital kollabiert.

Trotzdem fällt die BSkyB-Aktie seit Wochen. Selbst die frühere Ausübung der Put-Option gegen die Kirch-Gruppe im Wert von 1,7 Mrd. Euro half dem Kurs zum Wochenbeginn nicht. BSkyB hatte 1999 von Kirch 22 % am deutschen Bezahlkanal Premiere übernommen, sich dabei aber die Rückgabe des Anteils zum 1. Oktober 2002 gesichert. Sky-Investoren hatten dieses Engagement stets kritisiert.

Die Anleger sind verunsichert. Schließlich ist BSkyB einer der wenigen erfolgreichen Pay-TV-Sender in Europa. Der Anzeigenmarkt ist im 3. Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11 % geschrumpft. Zudem drohen die bei Kirch investierten Milliarden den operativen Gewinn im laufenden Geschäftsjahr in einen Verlust zu verwandeln.

Außerdem macht die britische Regierung dem Sender das Leben schwer, weil sie den Medienzar Murdoch nicht zu mächtig werden lassen will. Die britischen Wettbewerbsbehörden untersuchen die starke Marktmacht beim Pay-TV. Auch die jüngste Änderung der Mediengesetze hilft Murdoch wenig. Zwar darf er jetzt den kommerziellen Sender Channel 5 von Bertelsmann übernehmen. Doch dafür kann die Regierung diese Lizenz jederzeit ändern. BSkyB würde Channel 5 Analysten zufolge gerne nutzen, um das Pay-TV-Angebot auch ohne Satellitenschüssel zu verbreiten, denn die Regierung plant eine Steuer für das Satelliten-TV.

Kunden zufrieden - Analysten auch

Über dem Geschäft von BSkyB-Chef Tony Ball schweben also einige Fragezeichen. Dabei hat er in den ersten neun Monaten nicht nur den Betriebsgewinn um 33 % auf 129 Mill. £ erhöht. Vergleichsweise niedrige Kündigungsraten zeigen, dass die Kunden zufrieden sind. Der Umsatz pro Kunde ist deutlich besser als bei anderen Anbietern. Analyst Kingsley Wilson von Investec Securities ist deshalb überzeugt, dass für BSkyB "das Ziel von sieben Millionen Abos und 400 Pfund Umsatz pro Kunde locker zu erreichen ist". Seine Empfehlung: "Strong Buy". Die Analysten von Merrill Lynch sehen das genauso und haben ein Kursziel von 900 Pence ausgegeben. Auf diese Höhe hat auch Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) sein altes Ziel von 800 Pence korrigiert. "Das Abschalten von ITV Digital dürfte 48 Pence pro Sky-Aktie wert sein", lautet die Begründung.

Mit ITV geht der schärfste Rivale von BSkyB baden - aus Sicht der Analysten die Chance für Murdoch, denn die Regierung wird die ITV-Lizenz neu vergeben. Auch die beiden Kabelanbieter NTL und Telewest stecken finanziell in der Klemme. Schon bisher profitierte der Satelliten-Kanal von dem schwachen TV-Angebot auf der Insel. Mit Fußball und Pornos hat BSkyB schnell zahlreiche Zuschauer gewonnen.

Auf die sonst so positive Stimmung der Anleger drückt, dass sich wichtige Anteilseigner von ihren BSkyB-Papieren trennen. Vergangenen Freitag hat die Telekomfirma BT Group damit begonnen, mehrere Millionen Aktien zu versilbern, gestern startete der französische Medienriese Vivendi mit dem Verkauf seines 14-prozentigen Pakets. Laut Schroder Salomon Smith Barney will Vivendi auf diese Weise ihr angeschlagenes Kreditrating retten - auf Kosten des BSkyB-Kurses.

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