Aktie unter der Lupe
BT-Konzern am Scheideweg

Die rund zwei Millionen Aktionäre der British Telecom (BT) bekommen in diesen Tagen gewichtige Post. Mehr als 600 Seiten dick ist das Börsenprospekt zur Abspaltung der Mobilfunksparte - die Pakete besiegeln die Zerschlagung des traditionsreichen Telekom-Unternehmens.

HB LONDON. Die Mobilfunksparte, zu der auch die deutsche Viag Interkom und die niederländische Telfort gehören, soll unter dem Namen "mmO2" ab dem 19. November auf dem Londoner Parkett gehandelt werden. Der verbleibende BT-Rumpf wird künftig als BT Group Plc. notiert und vereint die Festnetz- sowie Internetaktivitäten.

Wenn die außerordentliche Hauptversammlung - wie erwartet - am 23. Oktober zustimmt, werden die neuen O2-Papiere auf die bisherigen BT-Investoren verteilt. Für jedes BT-Papier gibt es automatisch eine O2-Aktie.

Für Anleger sei dies ein gutes Geschäft, meint BT-Chef Peter Bonfield. Seine Rechnung: Momentan seien die alten BT-Aktien deutlich unterbewertet. Die Aufspaltung werde der BT Aufwind geben. Gleichzeitig habe die O2-Gruppe mit wenig Schulden "ideale Startbedingungen für eine erfolgreiche Selbstständigkeit".

Londoner Analysten sehen dies aber nicht so optimistisch. Der alte BT-Riese werde zwar seinen Schuldenberg bis Jahresende schneller als erwartet um die Hälfte auf 15 Mrd. Pfund reduzieren. Doch neue finanzielle Belastungen - wie aus der Aufspaltung des verlustbringenden Joint- Ventures Concert - bereiten Experten wie Neil Juggins von BNP Paribas Sorgen. Und die künftig völlig selbstständige Mobilfunkfirma O2 muss hohe Kosten für den Aufbau der UMTS-Netze aufbringen. Für die nächsten fünf Jahre sind 8,3 Mrd. Pfund eingeplant. Der Wert der O2-Gruppe wird dagegen von den Analysten auf nur 8 bis 15 Mrd. Pfund geschätzt. Hilary Cook von Barclays Stockbrokers: "Unserer Ansicht nach ist mmO2 als eigenständige Firma nicht wettbewerbsfähig und wird zu kämpfen haben."

Börsengang als Möglichkeit für Einkaufstour

Andere Analysten sehen den Börsengang für die O2-Gruppe als Anfang vom Ende. Justin Urquhart Stewart vom Investmenthaus Killik sieht den Mobilfunker als Übernahmeobjekt: "Ganz ehrlich, mmO2 ist allein nicht groß genug und wird sich mit einem anderen Anbieter zusammenschließen." Immerhin: Diese Phantasie könnte den Kurs der neuen O2-Aktie beflügeln.

BT-Chef Bonfield sieht die Gefahr einer Übernahme nicht. Im Gegenteil: Mit der breit gestreuten BT-Investorenschaft, wie sie sonst nur Vodafone hat, "bekommt O2 hervorragenden Zugang zum Kapitalmarkt." Eher werde die neue Mobilfunkgruppe auf Einkaufstour gehen.

Nutznießer der Mobilfunkabspaltung bleibe zunächst die verbleibende BT Group. "BT befreit sich von der Sparte, die in den nächsten Jahren richtig Geld verbrauchen wird", meint Telekom-Analyst Scott Penrose von Natwest. Doch damit wird auch ein Zukunftsmarkt aus der Hand gegeben. Und im verbleibenden Festnetz gerät der Ex-Monopolist zunehmend unter Druck: Die Regulierungsbehörden drängen auf die Freigabe der letzten Meile (Hausanschluss), das Monopol bei der Auskunft fällt, und die Politik BT zum günstigeren Internet-Zugang.

ABN Amro hat Telekom-Titel mit "Overweight" neu bewertet und empfiehlt British Telecom. In Zeiten von Flugangst und Kostendruck werde die Kommunikation stark zunehmen, meinen Experten. BT hat bereits 1000 Videophone bestellt.

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