Aktie unter der Lupe
Bunge-Aktie gilt noch nicht als ausgereizt

Seit dem Börsengang wuchs der Sojahändler durch die Übernahme der französischen Cereol zum größten Sojatrader der Welt. Analysten glauben, dass das Wachstum weiter gehen wird - und sehen entsprechend weiteres Potenzial für die Aktie.

SAO PAULO. "Öffnen Sie den Kühlschrank, Sie finden bestimmt eine Marke von uns." So stellt sich der Konzern Bunge, größter Sojahändler der Welt, jetzt erstmals in brasilianischen Zeitschriften vor. Eine Revolution für das ursprünglich von europäischen Immigranten um die Jahrhundertwende als Bunge y Born in Argentinien gegründete Handelshaus. Vor wenigen Jahren noch gab das Management den Geschäftsbericht höchst ungern aus der Hand. Doch mit dem Umzug nach White Plains in der Nähe von New York und dem Börsengang in den USA im August 2001 hat sich das Unternehmen endgültig von seiner Vergangenheit verabschiedet und grundlegend gewandelt. Der Konzern mit seinen 25 000 Mitarbeitern ist heute transparent, seine Vorstände inklusive Präsident Alberto Weisser geben sich offen - und sind damit eine Ausnahme in der traditionell wenig auskunftsfreudigen Branche der Handelshäuser. Die Börse honorierte den Wandel mit ansehnlichen Kursgewinnen.

Seit dem Börsengang wuchs Bunge durch die Übernahme des französischen Sojaverarbeiters Cereol zum größten Sojatrader der Welt. Mit Verarbeitungskapazitäten von 34 Mill. Tonnen (t) für Ölsaaten wie Soja, Raps und Mais hat das Unternehmen die Konkurrenten Archer Daniels Midland (ADM) und Cargill überholt, die jeweils rund 30 Mill. t verarbeiten. Durch die Übernahme in Europa will Bunge in Europa die Marktführerschaft für hochwertige Speiseöle erreichen wie in den USA. Auch die Rohstoffmärkte in Osteuropa interessieren Bunge.

"Bunge hat gute Möglichkeiten, in der ganzen Verarbeitungskette die Margen zu erhöhen", sagt Analyst John McMillin von Prudential Securities. "Der Konzern ist also nicht nur auf das schwankende Rohstoffgeschäft konzentriert." So schloss sich Bunge mit dem Chemiekonzern DuPont zum Joint Solae LLC-Venture zusammen, dem weltweiten Marktführer für isolierte Proteine.

Bisher ist der Konzern als Ölverarbeiter und-händler vor allem auf dem amerikanischen Kontinent aktiv. Wichtigste Investitionsregionen bleiben Brasilien und Argentinien. An beiden Standorten profitiert Bunge von stark gesunkenen Kosten wegen der Real- und Peso-Abwertungen seit Anfang letzten Jahres, während gleichzeitig die Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt stiegen.

Bunge produziert seit zwei Quartalen Rekordgewinne und kann mit dem Südamerikageschäft die schrumpfenden Renditen auf dem US-Markt ausgleichen. Für Eric Katzman von Deutsche Bank Sec. ist einer der wichtigsten Vorteile Bunges die Konzentration der Produktion auf Südamerika. "Auch der Produktmix bei Bunge ist interessant", sagt Katzman; denn neben Agrargütern produziert Bunge in Südamerika auch Düngemittel und schafft damit überraschende Synergien: Die Farmer erhalten Düngemittel und zahlen in Soja zurück.

Von dem Mischkonzern, der in den sechziger Jahren von Zement bis Textilien, über Versicherungen und Immobilien bis zu Düngemittel und eben Agro tätig war, blieb wenig übrig: Agro ist mit einem Umsatzanteil von zwei Dritteln die wichtigste Sparte, es folgen Dünger und Lebensmittel. Bei Lebensmitteln ist Bunge in Südamerika wie in den USA vor allem Zulieferer für Verarbeiter wie Fast-Food-Ketten der Fertiggerichtproduzenten.

Trotz des starken Kursanstiegs von 24 % alleine in diesem Jahr und obwohl der Kurs knapp unter 30 $ bereits am historischen Höchstwert notiert, empfehlen fünf der sechs Analysten, die Bunge unter die Lupe nehmen, weiterhin den Kauf der Aktie. "Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund zwölf ist die Aktie besser als der Branchendurchschnitt", sagt Joseph Agnese von Standard & Poor?s. "Die Nachfrage nach Soja wird weiter steigen", ist Tim Rudderow von Mt. Lucas Management sicher.

Bei aller Euphorie sollten Anleger bedenken, dass Bunge trotz der defensiven Lebensmittelaktivitäten immer noch mehrheitlich eine Agro-Aktie ist, also stärker den zyklischen Schwankungen der Rohstoffmärkte ausgesetzt ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%