Aktie unter der Lupe
Bunte PCs allein helfen Apple-Aktie nicht

Als Apple vergangenen Mittwoch die Zahlen für das zweite Quartal vorlegte, da rauschte die Aktie erst einmal um knapp 14 Prozent in die Tiefe.

HB NEW YORK. Der Grund: Apples Gewinn halbierte sich auf 32 Mill. Dollar, der Umsatz sank ebenfalls leicht. Gleichzeitig enttäuschte Finanzchef Fred Anderson mit einer sehr verhaltenen Prognose für das laufende dritte Quartal. Nachfrage, Umsatz und Gewinn würden kaum zulegen.

Entsprechend vorsichtig äußern sich zur Zeit die Analysten. Mehr als die Hälfte von ihnen rät zum Halten der Computeraktie. Selbst die Analysten vom Investmenthaus Salomon Smith Barney, die dem Titel noch vor zwei Wochen die Stange gehalten und erklärt hatten, die Nachfrage im PC-Bereich sei nicht so schlecht wie es den Anschein habe, stuften Apple nun von "Kauf" auf "Neutral" zurück. Gleichzeitig reduzierten sie ihr Kursziel von 25 auf 15 Dollar, was noch unterhalb des aktuellen Niveaus von rund 16 Dollar liegt. Mitte Mai war das Papier noch knapp 26 Dollar wert.

Apple - in den USA hält die legendäre Firma einen Marktanteil von fünf Prozent - hat mit einer ganzen Reihe von Probleme zu kämpfen, vor allem mit der schwachen Nachfrage. "Die Kursentwicklung bei Apple ist noch schlechter als das ohnehin schon nachgebende Umfeld", sagt Kevin McCarthy von Credit Suisse First Boston (CSFB). Einige Analysten wie Donald Young von UBS Warburg schreiben die schwachen Verkaufszahlen allerdings den normalen saisonalen Schwankungen zu. Seinen Kalkulationen zufolge lag der Rückgang bei den Verkaufszahlen zwischen März und Juni genau so hoch wie im Vorjahr.

Sorge bereitet den Experten, dass sich die Lagerbestände im zurückliegenden Quartal weiter aufgestaut haben. Da in Kürze neue Versionen der "iMac"- und "Powermac"-Rechner ausgeliefert werden sollen, könnten diese Vorräte dem Unternehmen massive Probleme bereiten. Zumal auch die neuen Produkte von Computer-Testern nicht die besten Noten bekommen.
Richard Chu, Analyst beim Bankhaus SG Cowen, befürchtet deshalb "eine unsichere Übergangsphase, vor allem während der Anlaufzeit für den neuen iMac-Computer".

Die geplante Eröffnung weiterer Apple-Einzelhandelsfilialen, unter anderem in Europa, könnte deshalb in Frage gestellt werden. Bisher betreibt der Konzern 31 Läden ausschließlich in den USA. Bis Ende des Jahres sollen weitere 19 hinzukommen. Experten beurteilen diese Pläne skeptisch: "Apple muss besonders vorsichtig sein, im momentanen schwachen Umfeld eine solche Infrastruktur mit festen Kosten aufzubauen", rät Analyst Steven Fortuna von Merrill Lynch. "Wir rechnen damit, dass das Unternehmen seine Expansionspläne für dieses Jahr zurückschrauben wird."

Seit langem schon setzt sich Apple von der Konkurrenz mit ungewöhnlich gestalteten und knallbunten PCs ab: Computer in Tropfenform, als Würfel oder Halbkugel, all das und viel mehr ist im Angebot. Dem viel beworbenen jüngsten iMac, der aussieht wie eine Schreibtischlampe mit Bildschirm, sei es im schwierigen Marktumfeld allerdings nicht gelungen, die Nachfrage nach Apple-Computern anzuheizen, bemerkt CSFB-Analyst McCarthy: "Apple wird möglicherweise über die Geometrie hinaus ein weiteres Hauptunterschiedsmerkmal etablieren müssen."

Bei so vielen Fragezeichen halten sich die Analysten daher mit Kaufempfehlungen zurück. Und dies, obwohl die Aktie derzeit recht günstig bewertet ist. Ein Einstieg sei nicht besonders attraktiv, "bevor Apple nicht tragfähige Umsatzrenditen im mittleren einstelligen Bereich erwirtschaftet", sagt Analyst Chu. Angesichts des aggressiven Preisklimas und der trüben Nachfrage sei damit in der nahen Zukunft kaum zu rechnen.

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