Aktie unter der Lupe
Cenit-Aktie leidet unter Auto-Flaute

Wenn die Konjunktur für Auto- und Flugzeugbauer nicht anspringt, sind die ambitionierten Ziele der Cenit AG in Gefahr. Denn das Unternehmen stellt Software für die Produktionsanlagen genau dieser Branchen her. Aus alten Fehlern hat Cenit mittlerweile gelernt und sich restrukturiert.

DÜSSELDORF. Wenn Daimler hustet, hat die ganze Wirtschaft um Stuttgart die Grippe. So lautet ein geflügeltes Wort im schwäbischen Kernland. Viele Zulieferer hängen am Tropf des deutsch-amerikanischen Autobauers. Von der KFZ-Industrie abhängig ist auch die Stuttgarter Cenit Systemhaus AG. Das am Neuen Markt gelistete Unternehmen stellt Software für Produktionsanlagen her und bietet Beratung an. Zwar hat das Unternehmen um den Vorstandsvorsitzenden Falk Engelmann die Abhängigkeit von Autoherstellern reduziert, dennoch machen Aufträge aus dieser Branche noch immer rund 50 Prozent des Umsatzes aus. Allerdings birgt die Krise im Automobil-Sektor für Cenit auch Chancen. "Unsere Produkte erleichtern Rationalisierungsmaßnahmen und helfen so, die Kosten zu senken", sagt Cenit-Vorstandsmitglied Hubertus Manthey.

Dennoch versucht Cenit, gegründet 1988, seit dem 6. Mai 1998 am Neuen Markt, neue Standbeine in der Werftindustrie und im Flugzeugbau aufzubauen. Auch hier leiden die potenziellen Auftraggeber allerdings unter der Konjunktuflaute. Sollte aber das wirtschaftliche Klima wieder anziehen, wäre Cenit gut positioniert: "Das Unternehmen ist größter Partner der jeweils größten Anbieter", betont Norbert Kretlow, Analyst bei Independent Research. Auf der Liste der Cenit-Kunden stehen unter anderem Airbus, Volkswagen, BMW, Allianz, IBM. Sollten die Firmen wieder mehr investieren, hätte Cenit Aussicht auf volle Auftragsbücher, auch weil die Konkurrenten SER und Ceyoniq nach Pleiten nicht mehr am Markt seien, sagt Hans-Peter Kuhlmann vom ehemaligen Konsortialführer BW-Bank.

Kuhlmann stellt fest, dass das Unternehmen aus seinen Fehlern gelernt habe: "Cenit hat zum falschen Zeitpunkt expandiert". Die Töchter in den USA und in Großbritannien wurden mittlerweile wieder geschlossen, nachdem sie in die Krise der amerikanischen Luft- und Raumfahrtindustrie geraten waren. Allein das kostete die Stuttgarter insgesamt rund 10,6 Mill. Euro. Cenit ist neben Deutschland noch in der Schweiz, Frankreich und Italien vertreten. Insgesamt stehen 12,7 Mill. Euro Restrukturierungskosten in den Büchern.

Solide Finanzierung

Dennoch reduzierte Cenit die Bankschulden um 36 Prozent und weist mit einer Eigenkapitalquote von 42 Prozent eine für die Verhältnisse am Neuen Markt solide Finanzierung aus. Selbst wenn Cenit im laufenden Jahr auf Quartalsbasis wider Erwarten rund 10 Prozent weniger umsetzen würde als im Vorjahr, könnte das der Cash-Flow verkraften, hat Kretlow errechnet. Dennoch: Die Bankverbindlichkeiten liegen noch immer bei rund 8,6 Mill. Euro. Ob Cenit am Jahresende Gewinn ausweisen wird, ist nicht sicher. Wenn das Ziel erreicht werden soll, die Eigenkapitalquote auf 50 Prozent in zwei Jahren zu erhöhen, muss der Umsatz wieder steigen.

Kosten verursacht auch das Listing am Neuen Markt, und zwar "im siebenstelligen Bereich", sagt Manthey. Im Leitungsgremium von Cenit wird daher diskutiert, das Segment zu verlassen. Manthey: "Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag". An der Börse würden Cenit nur wenige eine Träne nachweinen. Mit im Schnitt rund 20 Preisfeststellungen und einem Handelsvolumen von selten mehr als 20 000 Stück je Tag ist die Aktie nicht im Radar der großen Investmenthäuser, wie ein Händler am Parkett bestätigt.

Das Platzen der Technologie-Blase hat auch bei Cenit seine Spuren hinterlassen: Seit dem Höhepunkt im Frühjahr 1999 stürzte die Neue-Markt-Aktie von knapp 68 Euro auf aktuell rund 3,60 Euro ab. Ende März notierte Cenit sogar bei nur 2,35 Euro. Allerdings hat die Aktie Mitte Juli den Sprung über den Durchschnittskurs der letzten 200 Tage geschafft - charttechnisch ein gutes Signal. Zur Zeit bewertet BW-Banker Kuhlmann Cenit mit "neutral", aber "langfristig interessant". Die gleiche Einschätzung "neutral" teilt auch Norbert Kretlow von Independent Research.

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