AKTIE UNTER DER LUPE
Chip-Preise belasten Infineon

Die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon waren gestern wieder der größte Tagesverlierer im Dax. Vielleicht haben die Papiere damit einen Boden gefunden, große Gewinne erwarten Analysten zumindest kurzfristig aber nicht. Die sinkenden Preise für Speicher-Chips belasten die Siemens-Tochter.

FRANKFURT/M. Der erste Eindruck ist oft der Richtige. So wunderte sich ein Händler nach der Vorlage der Quartalszahlen des Halbleiterherstellers Infineon Technologies Ende Januar kopfschüttelnd: "Ich verstehe nicht, warum die Aktie steigt." Denn der Ausblick war Händlern und Analysten zufolge nicht so gut. Damals notierten die Papiere der Siemens-Tochter bei 47,70 . Der Händler hat Recht behalten. Bei der Kurserholung handelte es sich nur um ein kurzes Strohfeuer, seitdem ging es mit der einst so gefeierten Infineon-Aktie weiter nach unten. Gestern brachen die Titel um knapp 3 % ein und gehörten damit wieder einmal zu den größten Verlierern im Deutschen Aktienindex (Dax).

Seit der Vorlage der Zahlen Ende Januar hat das Unternehmen, das im März 1999 durch Ausgliederung des Halbleitergeschäfts des Siemens-Konzerns entstand, damit mehr als 18 % verloren. Im 52-Wochen-Vergleich sieht es noch bitterer aus: Das Hoch innerhalb dieses Zeitraums lag bei 92,30. Gestern hat die Aktie nach Meinung eines Händlers bei 38,50 jedoch erst mal einen Boden gebildet. Akuter Auslöser für die gestrigen Verluste war Händlern zufolge die jüngste Gewinnwarnung des japanischen Elektronikkonzerns NEC, nachdem zuvor schon Sony und Toshiba ihre Gewinnerwartungen gedrosselt haben. Davor hatten US-Computer-Hersteller wie Dell die Börse mit schlechten Zahlen enttäuscht.

Wenn es für die Computer-Hersteller, die große Abnehmer von Halbleitern sind, nicht gut aussieht, betrifft das natürlich auch Infineon. "Die Entwicklungen in Japan und den USA sind Teil der DRAM-Story", erklärt Adrian Hopkinson vom Technologie-Research der West LB Panmure in Düsseldorf. Die Preise der DRAM-Speicher notierten derzeit zwischen 30 und 40 % unter den Herstellungskosten, meint Hopkinson. Der Vorstandsvorsitzende von Infineon, Ulrich Schumacher, räumte zwar kürzlich ein, dass der im November vorhergesagte Anstieg der Preise für Speicherprodukte zu optimistisch war, doch er rechnet im dritten und vierten Quartal mit einer Reduzierung der Lagerbestände bei den PC-Herstellern. Deshalb könnte der Preistrend bei den Speicherprodukten wieder nach oben gehen, hofft Schumacher. Analysten sind darüber geteilter Meinung. So erwartet West LB Panmure steigende DRAM-Preise im Sommer, während UBS Warburg gestern die Schätzungen für die DRAM-Preise reduziert hat.

Von den 48 Analysten, die nach Angaben des Finanzdienstes Bloomberg Infineon abdecken, stufen derzeit 24 Häuser die Aktie als Halteposition ein. Acht der Analysten raten zum Verkauf und 16 zum Kauf. Doch auch die positiv gestimmten Analysten raten zunächst zur Vorsicht. So meint Hopkinson von der West LB, dass es "kurzfristig viele Unsicherheiten gibt", eben mit Blick auf die DRAM-Preise. Hopkinson hält sogar eine Gewinnwarnung von Infineon für möglich. Auf Jahressicht erwartet er aber eine positive Entwicklung. Goldman Sachs meint, dass die Situation bei den DRAM-Preisen mittlerweile im Kurs eingepreist sei und hält die Titel weiterhin auf der "Recommended List". Händler rechnen dagegen zumindest kurzfristig damit, dass der Verkaufsdruck weiter anhalten wird, zumal Infineon sich nicht von der Entwicklung der US-Hochtechnologiebörse Nasdaq abkoppeln könne, die gestern ebenfalls wieder einmal in den Keller ging. Weiteres Unheil droht dem Kurs der Siemens-Tochter zudem, weil die Muttergesellschaft sich von einem Teil ihres Anteils von 71 % an Infineon trennen will. Hier besteht aber zumindest keine akute Gefahr. "Wir stehen nicht unter Zeitdruck", versicherte Siemens-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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