Aktie unter der Lupe
Cisco lässt Analysten rätseln

Die Nachfrage der Cisco-Kunden bleibt weiterhin schwach. Trotz eines Stellenabbaus und trüber Aussichten ringt sich der Netzausrüster aber nicht zu einer Gewinnwarnung durch. Analysten sind sich über die weiteren Aussichten der Aktie nicht ganz einig.

NEW YORK. Der Netzausrüster Cisco-Systems bringt die Analysten in Verlegenheit. Die Aktie des ehemaligen Börsenlieblings ist am Dienstag in den frühen Handelsstunden um mehr als 8 % gestiegen, nachdem sie am Montag um fast 9 % gefallen war und damit sein Zweijahrestief erreicht hatte. Ende vergangener Woche hat das Unternehmen angekündigt, dass es 11 % seiner insgesamt 44 000 Mitarbeiter entlassen wird. Als Begründung nannte das Unternehmen aus San Jose, Kalifornien, dass seine Kunden - vorwiegend Telekommunikations-Unternehmen - ihre Ausgaben extrem zurückfahren, und dass dieser Trend länger als erwartet, also mehr als zwei Quartale anhalten wird.



In der Mitteilung fehlte allerdings eine klare Aussage, dass Cisco seine Gewinn- und Umsatz-Prognosen nicht erfüllen werde. Solche konkreten Aussagen hatten zuvor das Internetunternehmen Yahoo und auch der Halbleiterspezialist Intel gemacht. Analysten sehen darin einen Ausdruck der neuen Unternehmenspolitik, keine genauen Gewinnprognosen mehr außerhalb der vierteljährlichen Konferenzschaltungen abzugeben.



Ohne genaue Angaben müssen die Analysten nun selbst entscheiden, was sie aus den Erklärungen des Cisco-Vorstandes ableiten: "Im Grunde genommen warnen sie", interpretiert Jim Lyon, der 400 Mill. $ für Oakwood Capital Management in Los Angeles verwaltet und 85 000 Cisco-Aktien besitzt, die Aussagen. "Sie reden über Stellenabbau, eine schwächere Konjunktur, niedrigere Ausgaben", erklärte er der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Ohne eine bestimmte Anleitung (über die Gewinn-Entwicklung) zu geben, bereiten sie die Leute auf niedrigere Gewinne vor", sagt Lyon.



Gewinnerwartungen nach unten korregiert



Das sehen auch andere Analysten so. Mehr als 14 von ihnen haben die Gewinnerwartungen für den größten Netzwerkausrüster nach unten korrigiert, darunter Merrill Lynch und Credit Suisse First Boston. Doch sie alle stehen etwas allein da mit ihren Schätzungen. Einzelne Analysten beschweren sich, dass Cisco nicht antwortet, wenn sie Gewinnprognosen einreichen und um einen Kommentar bitten.



Der Robertson Stephens-Analyst Paul Johnson hat die Aktie von "langfristig attraktiv" auf "Market Performer" herabgestuft. "In der Vergangenheit wuchs Cisco und drückte seine Konkurrenten in die Ecke und hatte eine hohe Kapitalrendite", erklärt er seine Entscheidung. "Im derzeitigen Geschäftsumfeld, wachsen sie nicht, sie drücken auch ihre Konkurrenten nicht in die Ecke und sie haben einen eindeutig niedrigere Kapitalrendite". Johnson bezeichnet Cisco nur noch als einen "Schatten seiner selbst" und rechnet damit, dass die Aktie noch auf 10 $ fallen kann.



Matthew Barzowskas, Analyst der Investmentbank First Albany hat die Aktie von "Kaufen" auf "Neutral" heruntergestuft. Positiv dagegen beurteilt A. A. Lafountain, Analyst des Investmenthauses Needham & Co die Aktie. Er stufte Cisco von "Halten" auf "Kaufen" und rechnet damit das der Kurs noch auf 23 $ steigen wird.



Tiefpunkt für die jungen Anbierter erreicht



Am Dienstag sagte der Vorstandsvorsitzende John Chambers auf einer Telekommunikationskonferenz der Investmentbank Merrill Lynch, es sei schwer geworden, die Ergebnisse für Cisco vorauszusagen, weil keiner weiß, wann die Unternehmen erneut investieren werden. Einige Cisco-Kunden haben ihre Ausgaben um die Hälfte gekürzt, erklärte Chambers. Vor allem die kleineren Telekomdienstleister hätten in der jüngsten Zeit finanzielle Probleme gehabt und mussten daher ihre Ausgaben zurückfahren.



Chambers rechnet damit, dass der Tiefpunkt für die jungen Anbieter erreicht sein muss und sich daher die Nachfrage langsam stabilisieren sollte. Gleichzeitig gibt er jedoch zu bedenken, dass durch die Krise der kleinen Anbieter die Telekommunikations-Riesen nun weniger Kokurrenz fürchten müssen und daher weniger Druck spüren, in neue Technologien zu investieren. Nach Angaben Chambers gehen auch in Europa die Ausgaben zurück, vor allem bei den Auslandsniederlassungen von US-Unternehmen.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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