Aktie unter der Lupe
Cisco verdrängt in der Krise die Wettbewerber

Der Konzernchef des Netzwerkriesen wagt einen vorsichtig optimistischen Ausblick für sein Unternehmen, die Branche und die gesamte Konjunktur. Die Analysten sind für die Aktie nicht so zurückhaltend wie John Chambers und empfehlen den Titel zum Kauf. Cisco gehe gestärkt aus der Rezession hervor.

DÜSSELDORF. Für die Börsen ist John Chambers das Orakel zu Delphi. Cisco Systems und sein Konzernchef sind für Anleger die wichtigsten Frühindikatoren hinsichtlich der gebeutelten Technologie-Aktien. Bei so viel Verantwortung ist der ohnehin stets besonnene Chambers in wirtschaftlich schwierigen Zeiten noch vorsichtiger in seiner Wortwahl. "Ich würde gerne sagen, dass ich weiß, wohin die Wirtschaft geht ..., aber die Vorhersehbarkeit ist immer noch sehr gering", meinte der 52-Jährige in der Nacht zum Mittwoch auf der mit Spannung erwarteten Technologiekonferenz von Salomon Smith Barney in Arizona.

Selbst deutungsfreudige Analysten haben es mit derartigen Aussagen schwer. Doch Chambers wurde noch etwas konkreter. Er erwarte für Cisco einen "dramatischen" Anstieg des Marktanteils. Im laufenden Jahr sollen acht bis zwölf Unternehmen übernommen werden. Schon jetzt stammen mehr als 60 % der mit Elektronik voll gestopften Schaltkästen (Router), die weltweit den Datenfluss in den Rechnern regeln, von Cisco.

Die Vorhersagen Chambers decken sich mit dem, was Analysten, schon länger vermuten. Die Zeiten, in denen Wettbewerber wie Juniper Networks den Kaliforniern immer mehr Aufträge und damit auch Anleger (-gelder) wegschnappen, sind vorbei. Grund dafür ist der schwere Absatzeinbruch in der gesamten Netzwerkbranche, der jetzt dem Giganten zu Gute kommt. Denn die finanzielle Ausstattung Ciscos mit liquiden Mitteln und Investitionen in Höhe von 19 Milliarden US-Dollar sowie keine Schulden ist im Sektor unerreicht, merkt das Investmenthaus SG Cowen an. Zudem ist der Preisdruck, der Konkurrenten in Liquiditätsschwierigkeiten bringt, für Cisco kaum ein Problem, wie RBC Capital Markets in seiner Kaufempfehlung hervor hebt. Dem Optimismus schließen sich fast alle Investmenthäuser an. In den vergangenen zwei Monaten empfahlen 26 Institute die Aktie zum Kauf. Lediglich fünf rieten zum "Halten" und zwei zum "Verkauf".

Zwar hat Cisco weiter zu kämpfen, meint Chambers. Doch nach den vielen Stornierungen in der ersten Jahreshälfte 2001 habe sich die Auftragslage im dritten und vierten Quartal stabilisiert. Für dieses Jahr zeichne sich bei den Bestellungen etwas "Flexibilität nach oben" ab.

Noch detailliertere Angaben, geschweige denn zur Ertragsentwicklung im laufenden zweiten Geschäftsquartal, das am 26. Januar endet, machte Chambers allerdings nicht. Analysten gehen mehrheitlich davon aus, dass der Einbruch bei den Umsätzen zu Ende geht und eine Stabilisierung ansteht. Davon kann auf der Ertragsseite allerdings noch keine Rede sein. Nach einem Gewinn von 0,41 $ pro Aktie im Finanzjahr 2001 rechnen die meisten Experten im laufenden Jahr mit einer Halbierung. Merrill Lynch geht von 0,20 $ aus. 2003 seien 0,38 $ zu erwarten.

Angesichts dieser eher verhaltenen Aussichten schnellte in den vergangenen Wochen das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei der Cisco-Aktie auf rund 100 in die Höhe. Denn während sich die Gewinnerwartungen reduzierten, verdoppelte sich der Aktienkurs seit dem Tiefststand am 21. September. Merrill Lynch rät deshalb, nur schwächere Börsentage zum Kauf zu nutzen. Darauf warten Anleger bei Cisco seit mehr als einem Vierteljahr aber vergebens.

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