Aktie unter der Lupe
Coface stimuliert Übernahme-Phantasie

Die Probleme des Kölner Gerling-Konzerns beflügeln die Übernahmephantasie der französischen Analysten. "Die Übernahme des Kreditversicherungssparte von Gerling durch Wettbewerber Coface würde Sinn machen", urteilt Arnaud Franc, Analyst bei CIC-EIFB in Paris.

PARIS. Coface ist derzeit mit knapp 15 % Weltmarktanteil die Nummer drei der Kreditversicherer; mit deutlichem Abstand zur Nummer zwei, Gerling NCM (23 %). Unangefochtete Nummer eins ist die Gruppe Euler-Hermes mit 36 % Marktanteil. "Mit dem Kauf von Gerlin-NCM wäre Coface auf gleicher Augenhöhe mit Euler-Hermes", meint Franc.

Er und andere Analysten warnen aber davor, sich überstürzt bei der Coface-Aktie zu engagieren. "Der Deal könnte ziemlich teuer werden für die kleinere Coface", befürchtet François-Xavier Rousseau von CDC Bourse. Er spricht dem Coface-Papier aber allein aus fundamentalen Gründen gute Perspektiven zu. "Kreditversicherer profitieren doppelt von einer anziehenden Konjunktur: Zum einen steigt die Nachfrage nach Kreditversicherungen, zum anderen fallen weniger Kredite aus und die Versicherer müssen weniger regulieren", erklärt er. Sein Kollege Franc wartet lieber ab: "Das erste Quartal dürfte noch schwierig werden. Ich rate zum Halten der Aktie, bis sich die Ergebniszahlen wirklich verbessern."

Auch bei Scor sind die finanziellen Ressourcen begrenzt

Kreditversicherer sichern Unternehmen dagegen ab, dass ein Kunde einen eingeräumten Warenkredit nicht zahlt. In dem Sektor hat sich in jüngster Zeit einiges getan: Im vergangenen September legte die Allianz ihre Kreditversicherungsaktivitäten zusammen: Der von der französischen Allianz-Tochter AGF beherrschte Kreditversicherer Euler übernahm dabei von der Allianz die Hamburger Hermes Kreditversicherungs-AG. Und Ende August 2001 hatte der Gerling-Konzern sein Kreditversicherungsgeschäft mit der niederländischen NCM zusammengelegt, die mehrheitlich zur Swiss Re gehört.

Ob die Übernahme von Gerling NCM durch Coface tatsächlich gewagt wird, hängt maßgeblich davon ab, was der Coface-Großaktionär dazu sagt, der französische Rückversicherer Scor. CDC-Experte Rousseau kann sich vorstellen, dass Scor sich die Rückversicherungsaktivitäten von Gerling einverleibt und Coface die Kreditversicherungssparte. "Allerdings sind nach dem schlechten Jahr 2001 auch bei Scor die finanziellen Ressourcen begrenzt".

Hohe Schadensquote

Nach einem auf für Coface wenig erfreulichem Jahr 2001 - das Netto-Ergebnis sank um 16 Prozent auf 48,3 Mill. Euro - versprach Coface-Chef François David eine "signifikante Ergebnisverbesserung" für 2002. Mittelfristig sollen Umsatz und Ergebnis jedes Jahr zweistellig zulegen. Dies soll erreicht werden durch eine strengere Auswahl der übernommenen Risiken, ein internes Sparprogramm und höhere Prämien. Analysten halten die angestrebten Ziele für erreichbar.

Im vergangenen Jahr schnellte bei Coface dagegen noch die Schadensquote - also der Anteil der Schadenszahlungen an den eingenommenen Prämien - von 50 auf 69 Prozent hoch. Um den Ergebnisabsturz abzufedern, griff das Management in den internen Ausgleichsfonds und entnahm rund 68 Mill. Euro. "Das sind rund 40 Prozent der Fondsmittel", bemängelt Analyst Franc von CIC.

Außer dieser Überraschung war der Markt aber bereits durch eine Gewinnwarnung im Dezember auf das schlechte Ergebnis eingestimmt worden. Die Aktie setzte daher nach der Bilanzvorlage in der vergangenen Woche ihren Erholungskurs fort. Sollte Coface tatsächlich nach Gerlings Kreditversicherungsaktivitäten greifen, hängt es maßgeblich von der Art der Finanzierung des Deals ab, ob der Aufwärtstrend intakt bleibt.

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