Aktie unter der Lupe
Computerkonzern Dell ist Anlegern lieb und teuer

Der US-Computerriese Dell erschließt sich neben dem angestammten PC-Geschäft neue Wachstumsfelder: Großrechner, Datenarchivierung und Dienstleistungen. Bei Analysten kommt der Kurswechsel gut an. Anleger sollten aber bedenken, dass die Aktie nicht gerade billig ist.

NEW YORK. Als dominierender Computeranbieter hat sich die texanische Dell Computer Corp. in den vergangenen 19 Jahren einen Namen gemacht - und ausgerechnet der soll nun geändert werden: in "Dell Corporation". Das Beiwort "Computer" decke inzwischen nicht mehr alle Geschäftsbereiche ab, erklärte das Unternehmen, das sich zunehmend auch in den Bereichen Netzwerk und Archivierung an führende Marktpositionen heranarbeitet.

Die Namensänderung kommt zum richtigen Zeitpunkt. Denn Analysten großer US-Banken weisen zurzeit verstärkt darauf hin, dass Dell in der aktuellen schwierigen Wirtschaftslage auch andere Geschäftschancen nutzen muss als den reinen PC-Handel. Das Geschäft mit Servern, Dienstleistungen und auch Druckern dürfte deutliche Wachstumsimpulse bringen, erklärt Richard Chu von SG Cowen. Seine Bewertung der Aktie steht momentan auf der zweithöchsten Stufe: "Outperform" (überdurchschnittliche Marktentwicklung). Auch Analyst Ashok Kumar von der Investmentbank US Piper hält den neuen Namen für sinnvoll: "In den kommenden drei Jahren wird rund die Hälfte von Dells Gewinnwachstum aus dem Bereich Server, Archivierung und Dienstleistungen kommen."

Eine weitere Belebung könnte das internationale Geschäft bringen. "Der Absatz in Amerika wird voraussichtlich das schwache Verbraucherverhalten widerspiegeln", erwartet Kumar. "Das Hauptaufwärtspotenzial könnte aus Europa kommen, unterstützt durch den schwachen Wechselkurs des Dollars." Mit Interesse erwartet der Markt daher die Bilanzen des ersten Quartals, die Dell am morgigen Donnerstag vorlegen will.

In der vergangenen Woche hatte bereits Konkurrent Gateway aus Kalifornien Verluste für dieses Jahr angekündigt. Allzu rosig sieht die nähere Zukunft auch für die Texaner nicht aus. Doch das liege an externen Faktoren, sagen die Experten. "Wir erwarten, dass Dell auch in diesem schwierigen Wirtschaftsumfeld weiterhin eine beeindruckende Managementleistung zeigen wird", erklärt etwa Bill Shope, Analyst bei JP Morgan. "Doch die Nachfrage bleibt vorläufig schleppend und unsicher, und der relativ hohe Preis der Aktie sollte einen Höhenflug verhindern." Shope rechnet zudem nicht damit, dass der von einigen Beobachtern erwartete Aufrüstungszyklus in Großunternehmen noch in diesem Jahr ansteht. "Das zweite Quartal ist immer saisonal schwach", sagt auch Richard Gardner von Citigroup Smith Barney. "Wir hoffen, dass das Geschäft während der zweiten Jahreshälfte ein wenig anzieht."

Trotz der negativen Vorzeichen bleiben die Analysten optimistisch. "Dell hat eine gute Position als preiswerter Hersteller von Massen-PC; sie konzentrieren sich ausschließlich auf die schnell wachsenden Bereiche des Servermarktes und nehmen Geschäftsgelegenheiten bei neuen Produkten wahr", sagt Gardner. "Deshalb erwarten wir, dass das Unternehmen über alle anderen Systemhersteller während der nächsten drei bis fünf Jahre hinauswachsen wird."

Günstig könnten sich auch die niedrigen Preise der Zulieferer auswirken, die ebenfalls unter der Marktschwäche leiden. Zudem lobt Gardner das Cash-Management des Unternehmens: "Dell kassiert von seinen Kunden 41 Tage, bevor es seine Zulieferer bezahlt - das ist eine beeindruckende Verwaltung der Aktivposten."

Dennoch sollten die Anleger angesichts des aktuellen Aktienkurses, der mit gut 31 Dollar nur wenig unter den Jahreshöchstständen tendiert, vorläufig noch Vorsicht walten lassen. "Dell verdient eine erstklassige Bewertung für die gleichmäßige und superbe Unternehmensführung", sagt Analyst Chu. "Aber zurzeit würden wir nicht gerade aggressiv zukaufen."

Quelle: Handelsblatt

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