Aktie unter der Lupe
Condomi hat den richtigen Riecher

Kondome werden immer gebraucht, der Markt wächst. Davon profitiert der Kölner Hersteller Condomi, auch wenn dessen Kurs sich vom allgemeinen Niedergang nicht abkoppeln konnte.

FRANKFURT/M. Der öffentliche Aufschrei war groß: Mit dem Logo des Kondomherstellers London auf der Brust wollten die Spieler des FC Homburg 1988 in der Fußball-Bundesliga auflaufen. Aber die Saarländer hatten die Rechnung ohne den Deutschen Fußball-Bund gemacht. Der verbot die Werbung für Präservative. Mit einem schwarzen Balken über dem Werbeschriftzug mussten die Homburger am nächsten Samstag antreten.

Ebenfalls 1988 eröffneten drei Studenten in der Kölner Innenstadt Condomi, einen kleinen Laden für Kondome und erotisches Spielzeug. Die drei hatten den richtigen Riecher: Was vor 15 Jahren als anstößig galt, ist heute ein lukratives Geschäftsfeld. Mittlerweile zählt Condomi zu den weltgrößten Kondomherstellern mit Produktionsstätten in Erfurt und Polen. 1999 gingen die Kölner als erstes Unternehmen, dessen Kerngeschäft die Produktion von Kondomen ist, an die Börse. Das bisherige Kurshoch erreichte die Aktie Anfang 2001 mit einem Stand von 30,40 Euro. Seither konnte sich das Papier, das im Smax, dem Nebenwertesegment der Deutschen Börse notiert ist, jedoch nicht von der allgemeinen Börsenflaute abkoppeln. Es fiel bis auf 13 Euro.

Dabei ist das Kondomgeschäft konjunkturunabhängig und weist hohe Wachstumsraten auf. "Der weltweite Kondommarkt wächst pro Jahr um 500 Millionen Stück", schätzt Heiko Bienek, Analyst bei Lupus Alpha. Jochen Mathee, Leiter des Small-Cap-Bereichs bei der Fondsgesellschaft Invesco, sieht Condomi auf dem richtigen Weg. "Die Story stimmt. Condomi strebt die europäische Marktführerschaft an", sagt Mathee. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Unternehmen seine Kapazitäten im Werk Erfurt kräftig ausgebaut - von 220 Mill. Kondomen auf 750 Mill. Stück jährlich. Und bereits jetzt liegen die Pläne für einen Ausbau der Produktion bis auf jährlich 2 Milliarden Kondome in der Schublade.

Aids-Prävention

Angst, dass dies zu ehrgeizig sein könnte, hat Kay Strippel, Analyst bei Independent Research, nicht: "Dank einer Reihe von Großaufträgen aus Afrika wird Condomi die neuen Kapazitäten von Beginn an auslasten können." Immer mehr afrikanische Staaten setzen bei der Bekämpfung von Aids inzwischen auf Prävention. Um deren Nachfrage zu begegnen, ist Condomi seit vergangenem Jahr mit 60 Prozent an dem Joint-Venture condomi africa beteiligt, das von Südafrika aus den Kontinent mit Kondomen versorgen soll. "Das Afrika-Geschäft ist für Condomi sehr lukrativ", sagt Jochen Mathee. Zahlungsausfälle seien kaum zu befürchten, da die Verträge mit Regierungen oder supranationalen Organisationen abgeschlossen werden. "Außerdem sind die Margen hoch, weil in Afrika keine Marketingkosten anfallen."

Während Condomi in Afrika das Projektgeschäft im Mittelpunkt steht, setzt das Unternehmen in den westlichen Ländern vorrangig auf Qualität. "Die Strategie zielt darauf, sich mit Markenprodukten einen Namen zu machen", erklärt Fondsmanager Mathee. Mit dieser Taktik möchte Condomi jetzt auch den britischen Markt angreifen, der aufgrund höherer Preise gute Gewinnmargen verspricht. Zwei Vertriebspartner sollen Condomi beim Einstieg auf der Insel helfen. Mittelfristig lockt der ganz große Coup - der Sprung nach Amerika.

Auch wenn solche Pläne Fantasien wecken, wird die Condomi-Aktie nicht ausschließlich positiv gesehen: "Ich bin skeptisch, ob Condomi seine Ziele erreichen kann", sagt ein Frankfurter Analyst, der die Aktie auf "Add" stehen hat. Im Geschäftsjahr (per 30. Juni), sollte bei einem Umsatz von 38 Mill. Euro ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 9 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Nur wenn Condomi dieses Ergebnis schaffe, sehe er für das Papier mehr Potenzial.

"Eine Verdopplung des Aktienwertes in den nächsten zwei Jahren halte ich für realistisch", sagt hingegen Jochen Mathee von Invesco. Dafür sei es aber erforderlich, dass sich Condomi ausschließlich auf sein Kerngeschäft, die Produktion von Kondomen, konzentriere und seine Ausflüge ins margenschwächere Mediengeschäft beende. Hier sieht auch Heiko Bienek, Analyst bei Lupus Alpha einen Makel: "Der Medienbereich passt einfach nicht zum Konzept. Man sollte eine gute, klare Story auch als solche spielen."

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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