Aktie unter der Lupe
Constantin-Wertpapier ist von der Rolle

Im Frühjahr hat Bernd Eichinger als Kopf des am Neuen Markt notierten Unternehmens den Vorstand verlassen, um sich wieder ganz der Produktion zu widmen. Die Kontakte von Eichinger in der internationalen Filmwelt und sein Gespür für gute Filme sind das eigentliche Kapital von Constantin.

11.07.2001 Die Analysten beurteilten den Abgang des Firmengründers aus der Spitze des Filmproduzenten- und Verleihers unterschiedlich. Während die einen betonten, Eichinger könnte nun seine Kreativität voll für die Constantin-Filme einsetzen, befürchteten andere, dass Großaktionär Kirch auf die Ablösung gedrängt habe, um künftig stärker den Ton angeben zu können. Die Münchener Mediengruppe kontrolliert 21,3 %, EM.TV - auch im Einflussbereich Kirchs - 16,5 %. Eichinger hält 25,5 % der Aktien. Alle Anteile sind gepoolt.

Fest steht: Constantin hat im ersten Halbjahr die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht. Von den für 2001 geplanten 25 Verleihfilmen kamen erst sechs in die Kinos. Die Zahlen zum ersten Quartal waren enttäuschend, Constantin musste die Umsatzprognose für das laufende Jahr von rund 280 Mill. DM auf 230 Mill. DM senken. Das geplante Vorsteuerergebnis soll nun statt etwa 28 nur noch 18 Mill. DM betragen. Möglicherweise werden die Bayern morgen erste Hinweise zum Geschäftsverlauf von Januar bis Juni geben, sagte eine Firmen-Sprecherin.

Auf die endgültigen Zahlen müssen die Aktionäre allerdings noch bis 14. August warten. Volker Bosse, Analyst der Hypo-Vereinsbank, prognostiziert ein "schlechteres Halbjahresergebnis als im letzten Jahr". Weil Constantin im Jahr 2000 mit Filmen wie "American Pie" und "Sixth Sense" Kassenschlager im Programm hatte, sei der Erfolg nun nicht zu wiederholen. Ob Constantin seine Ziele dennoch erreichen wird, hängt also vom zweiten Halbjahr ab. Nach wie vor sollen im gesamten Jahr 25 Verleihtitel über die Leinwände laufen. Ferner sind neun Kino- und zwölf eigene TV-Produktionen geplant.

Zumindest der Absatz der Fernsehproduktionen ist gesichert. Durch die Verbindung zu Kirch hat Constantin im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Intertainment oder dem Vermarkter Kinowelt keine Schwierigkeiten, Filme bei Sat1, Kabel 1 und Pro Sieben unter zu bringen.

"Die Verbindung zu Kirch sei "rein positiv", urteilt denn auch Bosse, der die Aktie mit "neutral" bewertet. Im Frühjahr, vor Bekanntgabe der schlechten Zahlen, hatte die Hypo-Vereinsbank das Papier noch mit "outperform" beurteilt. Andere Analysten wie die von Merrill Lynch oder Independent Research raten sogar, den Aktienbestand von Constantin im Depot abzubauen.

In den vergangenen Monaten ist die Constantin-Aktie wie fast alle Medientitel kräftig gefallen. Vor Jahresfrist notierte das Papier noch bei mehr als 70 Euro, gegenwärtig kostet die Aktie lediglich neun Euro. Neben den schwachen Zahlen lasten immer wieder Verkaufsgerüchte auf dem Kurs. So steht offenbar die 16,5 %-Beteiligung der angeschlagenen Medienfirma EM.TV mittelfristig zur Disposition.

Ob sich der Abschied von Eichinger aus dem Vorstand gelohnt hat, wird sich spätestens nächstes Jahr zeigen: Im Frühjahr soll mit "Resident Evil" der erste Film in die Kinos kommen, den er nach seinem Ausscheiden produziert hat.

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