Aktie unter der Lupe: Das FMC-Kurswunder ist vorerst vorbei

Aktie unter der Lupe
Das FMC-Kurswunder ist vorerst vorbei

Als eine von wenigen Aktien hat der Dialyse-Konzern Fresenius Medical Care (FMC) bereits während des Irak-Krieges kräftig zugelegt. Nun dürfte es erst mal abwärts gehen: Gleich zwei große Häuser stuften das Papier herab.

FRANKFURT/M. Wer in diesen Tagen auf schnelle Gewinne im Dax setzt, könnte sich an der Aktie des Dialyse-Anbieters Fresenius Medical Care leicht die Finger verbrennen. Diese Meinung vertreten jedenfalls die Research-Abteilungen der Deutschen Bank und des Bankhauses Sal. Oppenheim. Nachdem sich der Aktienkurs schon vor und vor allem während des Krieges im Irak deutlich besser entwickelte als der Markt, rückten sie von ihrer bisherigen Kaufempfehlung für das Papier der vor allem in Amerika tätigen Tochter des Bad Homburger Fresenius-Konzerns ab.

Die Analysten begründeten die Vorsicht zum einen mit der ansehnlichen Performance der vergangenen Monate, die Gewinnmitnahmen wahrscheinlicher werden lässt. Zum anderen befürchten sie, dass das erste Quartal Enttäuschungen bringen wird. Entsprechend verflüchtigte sich bereits ein Teil des Kurswunders wieder. Die Vorzüge werden derzeit zu 31 Euro, die Stämme zu knapp 45 Euro gehandelt. Beide Kurse liegen damit beinahe 10 % unter dem Niveau, auf dem die Papiere notierten, bevor die Nachricht über die Ticker jagte, dass die Analysten der Deutschen Bank den Titel von "Kaufen" auf "Halten" herabstuften.

Ludger Mues, der sich als Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim außer mit den Titeln von FMC auch mit dem des schwedischen Konkurrenten Gambro beschäftigt, möchte die Herunterstufung von "Outperformer" auf "neutral" nicht als grundsätzlichen Zweifel an der FMC-Strategie verstanden wissen. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr begonnen, seine Blutwäsche-Zentren in den USA auf den Gebrauch von Einweg-Dialysatoren umzustellen. Bislang waren die Filter der künstlichen Nieren nach jedem Gebrauch aufbereitet und wieder verwendet worden. In Japan und Europa ist der Gebrauch von Mehrweg-Dialysatoren nicht üblich, weil man davon ausgeht, dass die Behandlungsqualität darunter leidet. FMC erwartet, mit diesem Qualitätsargument neue Patienten zu gewinnen - eine Hoffnung, die Analyst Mues teilt.

An der Börse hingegen werde FMC kurzfristig unter Druck geraten, befürchten die Analysten. Während der als Restrukturierungskandidat geltende Konkurrent Gambro vergangene Woche mit überraschend guten Zahlen auftrumpfte, erwartet Mues von den Zahlen, die FMC am 7. Mai vorlegen will, wenig Gutes. Auch die Analysten der Deutschen Bank sehen ein kurzfristiges Abwärtsrisiko durch ein "schwieriges erstes Quartal".

Für alle Dialyse-Anbieter, die in den USA tätig sind, ist das erste Quartal schwierig. Da sich die US-Krankenversicherer bei der Abrechnung an der Zahl der Behandlungstage orientieren, lastet der kurze Februar im Vergleich zu anderen Quartalen auf den Umsätzen. Stärker als Gambro oder Da Vita habe der Weltkonzern FMC zusätzlich jedoch mit regionalen Problemen zu tun. Neben den negativen Währungseffekten in Argentinien, wo das Unternehmen rund 80 Behandlungszentren unterhält, drohten auch schlechte Zahlen vom Golf. Der Irak-Krieg könnte Mues zufolge den Transport von Dialyse-Produkten in die Region erschwert haben.

Ein FMC-Sprecher wollte sich zu diesen Vermutungen nicht äußern. Vor der offiziellen Veröffentlichung von Zahlen würden grundsätzlich Äußerungen vermieden, die Kursspekulationen nähren könnten. Vorstandschef Ben Lipps hielt in einem Zeitungsinterview an den bisherigen Ergebnisprognosen für das laufende Jahr fest.

Für das erste Quartal erwartet Mues einen Umsatzanstieg von 1 % auf 1,198 Mrd. $. Um rund 3 % auf 218 Mill. $ sinken werde indes das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), auf das der Argentinien-Effekt voll durchschlage. Im Vergleichszeitraum war das lateinamerikanische Land noch nicht in die Währungskrise geschlittert. Auch bei der einzigen positiven Ergebnisentwicklung, die Mues voraussagt, ist der Basiseffekt im Spiel. Der Gewinn pro Aktie werde um 9 Cent auf 75 Cent steigen, weil der Vergleichswert von der Rücknahme von Genussscheinen belastet worden war.

Quelle: Handelsblatt

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