Aktie unter der Lupe
Defensive Anleger lieben Banco Popular

Die drittgrößte spanische Bank denkt über Zukäufe nach - neue Phantasie für die Aktie. Allerdings halten Analysten das Papier bereits für recht hoch bewertet. Da sich Banco Popular vor allem auf den spanischen Markt konzentriert, leidet sie anders als ihre Hauptkonkurrenten nicht unter der Argentinienkrise.

MADRID. In den kommenden Wochen könnte die Aktie von Spaniens drittgrößter Bank Banco Popular Español S.A. größere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das Finanzinstitut hat bestätigt, Übernahmeverhandlungen auf der Iberischen Halbinsel zu führen. Mit wem, das ist bislang ein Geheimnis geblieben. Hinweisen aus der Bank zufolge geht es nicht um eine Fusion im großen Stil. Analysten schätzen, dass es sich das Institut einen kleinen oder mittleren Nischenanbieter in Spanien kaufen will, und zwar in einem Bereich, in dem Banco Popular noch unterpräsentiert ist. Ein solcher Bereich wäre das Geschäft mit vermögenden Privatkunden.

Andere Beobachter gehen indes davon aus, dass Banco Popular eine portugiesische Bank übernehmen könnte, um die Expansion auf diesem Markt schneller voran zu treiben. Als mögliche Kandidaten nennen etwa die Analysten von Ibersecurities in Madrid Banif, BPN und FiniBanco. Dennoch sind große Kurssprünge beim Banco Popular in nächster Zeit eher nicht zu erwarten. "Die Aktie ist recht hoch bewertet", meint Carsten Werle, Analyst bei WestLB Panmure. "Nach oben sehe ich nicht viel Spielraum." Die Bank hatte sich im vergangenen Jahr stabiler als andere Werte des Sektors gezeigt. Die Aktie gab 2001 lediglich um 0,6% nach. Die Papiere der beiden Branchenführer, Santander Central Hispano (SCH) und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA), sanken dagegen um 17,5 und 12,3 %.

Als Hauptgrund für diese Entwicklung gilt vor allem die Konzentration von Banco Popular auf den Heimatmarkt Spanien. Damit ist das Geldhaus zwar deutlich kleiner als die Marktführer: Der Börsenwert liegt bei 9,7 Mrd. Euro, während SCH und BBVA jeweils weit mehr als 40 Mrd. Euro erreichen. Doch die beiden Konkurrenten sind stark in Lateinamerika engagiert und verloren aufgrund der argentinischen Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich an Wert. In diesem Jahr ist die Banco-Popular-Aktie bereits um mehr als 20 % nach oben geklettert und damit erneut Spitzenreiter.

Zudem profitierte der Banco Popular nach den terroristischen Anschlägen in New York und Washington am 11. September von der geringeren Risikoneigung der Anleger. Analysten rechnen jedoch damit, dass der Trend wieder zu aggresiven Werten geht, sobald sich die Weltwirtschaft stabilisert.

Das Geschäft in Spanien läuft Finanzexperten zufolge weiter erfolgreich. "Spanien bietet noch immer überdurchschnittliche Wachstumsraten", beobachtet Werle. Die Wirtschaft auf der Iberischen Halbinsel boomt zwar nicht mehr, legt aber weiter stärker zu als in anderen europäischen Ländern. Zudem gelten spanische Banken und vor allem der Banco Popular als sehr effizient. Das erste Quartal des laufenden Jahres verlief zur Zufriedenheit der Analysten. "Resultate von Qualität", lautet das Urteil von Ibersecurities.

Andere Beobachter weisen darauf hin, dass die Bank bereits nach drei Monaten 101.000 neue Kunden hinzugewonnen habe. Geplant für das Gesamtjahr waren 300.000. Espírito Santo in Lissabon äußerte sich "beeindruckt" von den Resultaten und kündigte eine Revision der Gewinnschätzungen an. Die bisherigen Ergebnisplanungen der Bank für 2002 sind mit einem Plus von 12 % beim Nettogewinn höher als die der Konkurrenz. SCH und BBVA gehen von jeweils 10 % aus. 2003 könnte sich nach Analystenauffassung ein weiteres Gewinnpotential ergeben, wenn aufgrund der Konjunkturstabilisierung die freiwillige Risikovorsorge verringert wird.

Der Abstand von Banco Popular zu den Marktführern SCH und BBVA mag ohne Fusion uneinholbar sein. Gleiches gilt für den vierten Player der Branche, Banesto (Börsenwert 9,1 Mrd. Euro). Dass die neue Präsidentin Ana Patricia Botín, Tochter von Spaniens Bankenprimus Emilio Botín, ihrer Aufgabe gerecht wird, Banco Popular von Platz 3 zu verdrängen, bezeichnen Analysten zumindest als "sehr sehr schwer".

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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