Aktie unter der Lupe
Degussa muss sich noch beweisen

Der Spezialchemiekonzern Degussa-Hüls steckt mitten in der Fusion mit SKW und will die britische Laporte kaufen. Die Analysten sind zwar optimistisch, doch sie wollen Erfolge sehen, damit die als unterbewertet geltende Aktie einen deutlichen Schub bekommt.

HB DÜSSELDORF. Utz-Hellmuth Felcht, Vorstandschef des Spezialchemiekonzerns Degussa-Hüls sah die Gunst der Stunde gekommen. Mitte Dezember vorigen Jahres kündigte er zur Überraschung vieler den Kauf des britischen Feinchemieherstellers Laporte für rund 4 Mrd. DM an. "Das konnten wir uns nicht entgehen lassen", sagte Felcht - wohl auch um die Börse etwas milder zu stimmen: Nach der Übernahmeankündigung brach der Degussa-Kurs um bis zu 4 % ein.

Es waren nicht Zweifel am Sinn der Übernahme oder der teure Kaufpreis, der viele Anleger abschreckte. Es war der Zeitpunkt der Übernahme. Denn mitten in der aufwendigen Fusion mit dem Spezialchemiekonzern SKW Trostberg hat sich Degussa mit Laporte eine weitere Integrationsaufgabe aufgehalst. Aus Sicht vieler Analysten ist daher für die weitere Kursentwicklung der Degussa-Aktie entscheidend, wie schnell das Management Erfolge bei Fusion und Eingliederung vorlegen kann, auch in Form guter Zahlen.

Das Management um Utz-Hellmuth Felcht muss sich noch beweisen. Es hat aus dem umfangreichen Portfolio beider Fusions-Konzerne die vielversprechendsten Bereiche herausgepickt und auf neun Sparten der künftigen Degussa AG verteilt. Die Produktpalette reicht von der Bauchemie über Futtermittelzusätze bis hin zu Plexiglas. Unternehmensbereiche mit einem Umsatzvolumen von 5 Mrd. Euro will der fusionierte Konzern verkaufen.

Wie schnell ihm genau dies gelingt, wird nach Ansicht von Andreas Theisen, Analyst bei der WGZ - Bank, entscheidend für die Kursentwicklung in nächster Zeit sein. Die Aktie hält er bei einem derzeitigen Niveau zischen 35 und 37 Euro im Vergleich zu anderen Chemiekonzernen noch immer für günstig bewertet. Es zeigt die Skepsis vieler Investoren weil Degussa noch viele Hausaufgaben zu erledigen hat.

Analyst Theisen ist optimistisch und stuft die Aktie auf Kauf - wie es auch die Mehrzahl der anderen Analysten tun. "Degussa-Hüls ist auf dem richtigen Weg", urteilt etwa Andre Leue vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Die Kursziele der Analysten für Degussa reichen auf 12-Monats- Sicht von 43 bis 50 Euro.

Neunmonatszahlen haben die Erwartungen übertroffen

Zu der positiven Einschätzung der Aktie dürfte auch beigetragen haben, dass der Konzern mit seinem Neunmonatszahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen hat. Die Aussichten in diesem Jahr sind für die gesamte Chemieindustrie zwar nicht mehr so rosig, doch sind Spezialchemiehersteller von Konjunkturdellen weniger stark betroffen. Die Rahmendaten sind für Degussa gut - allerdings gilt auch hier, dass erst die neue Konzernstruktur erfolgreich stehen muss.

Wegen der verbleibenden Unsicherheiten hat die Hypovereinsbank die Aktie auf "Underperformer" eingestuft - sie glaubt also, dass sie sich schlechter als der Gesamtmarkt entwickeln wird. "Wir sagen nicht, dass bei Degussa etwas schlecht läuft, sondern betonen die Risiken beim Zeitplan des Verkaufs von Nichtkerngeschäfts-Aktivitäten, der Integrationsarbeit und den hohen Erwartungen des Marktes bezüglich der Ertragsentwicklung von Laporte", erläutert Hypo- Analyst Andreas Heine.

Größere Bewegung in die Degussa-Aktie könnte kommen, wenn der Mehrheitseigentümer Eon AG seinen 64,5-%-Anteil zurückschraubt. Trotz aller Beteuerungen des Eon - Vorstandes, der Chemie neben Energie als Kerngeschäft beibehalten will, glauben die meisten Analysten, dass der Mutterkonzern in wenigen Jahren den Anteil abgeben oder zumindest zurückschrauben wird.

Dann würden sich nach Einschätzung von Analyst Theisen mehr US-Investoren für die Aktie interessieren. Denn die halten sich mit Investments in Tochtergesellschaften, bei denen nur der Minderheitsanteil an der Börse ist, meist zurück.

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