Aktie unter der Lupe
Der „Thriller in Manila“ setzt Fraport zu

Mit einem deutlichen Kursrutsch hat die Börse den Frankfurter Flughafenkonzern Fraport wegen seiner Probleme beim einstigen Vorzeigeprojekt in Manila abgestraft. Viele Experten halten den Rückschlag zwar für übertrieben. Anleger sollten jedoch mit einem Einstieg warten, bis die Schwierigkeiten ausgeräumt sind.

FRANKFURT/M. Fraport-Chef Wilhelm Bender warb ebenso wortreich wie vergeblich. "Der derzeitige Kurs spiegelt nach meiner festen Überzeugung nicht annähernd Wert und Zukunftsphantasie unseres Unternehmens, unseres Know-Hows und unserer Assets wider - selbst bei Berücksichtigung mancher Unwägbarkeiten und Risiken", sagte der Vorstandsvorsitzende vor wenigen Tagen fast trotzig.

Doch viele Händler und Investoren haben vorerst den Glauben an den im MDax notierten Titel verloren. Die erste Flughafen-Aktie Deutschlands zählte in den vergangenen Wochen trotz einer einsetzenden Erholung des Luftverkehrs zu den großen Verlierern an der Börse: Seit März rutschte der Wert der Papiere um 20 % ab.

Vor allem die inzwischen aufgetretenen Unwägbarkeiten und Risiken beim größten Auslandsengagement von Fraport, dem Terminalneubau in der philippinischen Hauptstadt Manila, verschrecken viele Investoren. In der Branche wird bereits vom neuen "Thriller in Manila" gesprochen, in Anlehnung an den 1975 dort ausgetragenen Fight zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier, der zu den besten Kämpfen der Profibox-Geschichte zählt.

Diesmal droht jedoch ein Fraport-Prestigeprojekt, in das das Unternehmen bereits mehr als 350 Mill. US-Dollar investierte, auf die Bretter zu gehen. Das Projekt der Frankfurter ist in schwerer Bedrängnis, nachdem Fraport auf Grund erheblicher Differenzen mit der philippinischen Regierung und lokalen Partnern den Geldhahn für den Konzessionsträger vorerst zudrehte.

Abschreibung würde Gewinn schlucken

Käme es wirklich zu einem Zusammenbruch des Projekts, müsste Fraport die investierten Millionen abschreiben - mit entsprechenden Folgen für die Bilanz. Selbst wenn nur Teile der Gelder abgeschrieben werden müssten, könnte das Unternehmen angesichts eines Gewinns von 101 Mill. Euro im Jahr 2001 tief in die roten Zahlen rutschen. Noch geht Fraport zwar davon aus, bis zur Jahresmitte die Probleme lösen zu können. Fraglich bleibt allerdings, welche Rendite das Projekt dann noch abwirft.

Die Analysten sind angesichts dieser Ungewissheiten geteilter Meinung, ob sich ein Einstieg auf dem gesunkenen Kursniveau schon wieder lohnt. Bislang war die Fraport-Aktie kein lukratives Investment. Der Emissionskurs von 35 Euro wurde nur beim Börsenstart vor knapp einem Jahr zeitweise überboten, danach ging es abwärts: heute notiert die Aktie um 25 Euro.

Doch die Mehrzahl der Experten hält das Papier auf diesem Niveau für unterbewertet. Immerhin 14 der 24 von der Agentur Bloomberg befragten Analysten stufen die Aktie als Kauf ein. Nach ihrer Einschätzung sind die Probleme in Manila im Kurs längst berücksichtigt. Zudem belebe sich langsam das Kerngeschäft am Flughafen Frankfurt wieder.

Andere namhafte Adressen revidierten jedoch angesichts der Risiken in Manila und einem verhaltenen Geschäftsausblick des Unternehmens für 2002 ihr Anlageurteil in den vergangenen Wochen nach unten. Erst vor wenigen Tagen stufte Credit Suisse First Boston die Aktie auf "Hold" von "Buy" herab.

Nur Aktionäre mit starken Nerven sollten darum daran denken, das derzeitige Kursniveau zu einem Einstieg zu nutzen. Weniger risikobereite Anleger sollten dagegen mit einem Investment warten, bis sich die Probleme in Manila endgültig geklärt haben. Sollte das Vorzeigeprojekt wirklich scheitern, ist ein weiterer Rückschlag des MDax-Titels an der Börse absehbar.

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