Aktie unter der Lupe
Der Umbau bei GE gibt Analysten Hoffnung

Der Elektrogerätehersteller General Electric (GE) war in den vergangenen Wochen auf Shoppingtour. Auf der Einkaufsliste standen unter anderem der Bereich Structured Finance von ABB, der Hersteller für Wasserfilter Osmonics und der Abonnement-Unterhaltungssender Bravo. US-Analysten werten das positiv und geben GE gute Noten.

NEW YORK. Ein relativ kleiner Umbau kann manchmal Großes bewirken. Der weltgrößte Elektrogerätehersteller General Electric (GE) macht es zurzeit vor: Ein paar Zukäufe im Fernseh- und Finanzbereich, Überlegungen zum Verkauf von anderen Bereichen - und schon schöpfen die Analysten neue Hoffnung für die Aktie des Branchenriesen, der sie noch vor wenigen Monaten schlechte Chancen auf eine baldige Genesung einräumten.

In der vergangenen Woche stimmte die EU-Kommission der lange geplanten Übernahme des Bereichs Structured Finance des Elektro- und Technologiekonzerns ABB zu. Gleichzeitig verkündete General Electric den Kauf von Wasserfilterhersteller Osmonics, und die GE-Fernsehtochter NBC übernahm den Abonnement-Unterhaltungssender Bravo, der vor allem von den Haushalten der wirtschaftlichen Oberschicht der USA abonniert wird. Analysten großer Bankhäuser bewerten diesen Schritt daher positiv. "Das wohlhabende Publikum von Bravo passt hervorragend zu den Zielen von NBC", sagt etwa Analyst Nicholas Heymann von Prudential Securities.

Ein weiterer Anreiz: Die Strategen rechnen damit, dass NBC mit der Übernahme teure Fernsehproduktionen durch den zusätzlichen Kanal häufiger ausstrahlen kann und so die Kosten senkt. "Der Kauf von Bravo zeigt, dass GE ein steigendes Interesse daran hat, seine Reichweite auszudehnen und die Kosten zu verringern", lobt Merrill-Lynch-Stratege John Inch, der seine Schätzung für das laufende vierte Quartal um zwei auf 45 Cent je Aktie heraufsetzte. Inch erwartet, dass GE die Zahl der Bravo-Abonnementkunden von 68 auf bis zu 80 Mill. steigern kann.

Neben den Zukäufen plant GE nach Expertenmeinung auch den Verkauf eigener Geschäftsbereiche. Heymann rechnet damit, dass der Mischkonzern in naher Zukunft die Abgabe von Posten mit unterdurchschnittlichen Bilanzen verkünden wird, darunter etwa den Rückversicherer Employers Reinsurance Corporation (ERC): "Die Investoren würden einen solchen Schritt positiv bewerten, selbst wenn GE dafür nur einen Preis unterhalb des Buchwerts erzielen kann".

Daneben verdunkeln aber noch einige Wolken die guten Aussichten für die GE-Aktie. Als einem der Weltmarktführer bei Turbinen und Flugzeugmotoren macht dem Konzern die anhaltend schlechte Lage der Luftfahrtindustrie zu schaffen. "Sie haben die Risiken in diesem Bereich bisher gut bewältigt, aber das weitere Abwärtspotenzial dieser Industrie bleibt eine Gefahr", sagt Jeffrey Sprague von Salomon Smith Barney. Ähnlich äußern sich die Analysten von Lehman Brothers: "Bislang hat GE Probleme vermeiden können, aber im Moment scheint die gesamte Flugzeugindustrie auf unsichere Zeiten zuzugehen, und selbst historisch gesehen stabile Positionen könnten in Frage gestellt werden." Zudem ist ein Ende der düsteren Lage noch nicht in Sicht. "Sogar GE selbst rechnet nicht vor 2005 mit einer Erholung bei den kommerziellen Flugzeuglieferungen", sagt Prudential-Analyst Heymann.

Dennoch sind die Analysten insgesamt wieder zufriedener mit der Aktie als zuvor. Die Nachrichtenagentur Bloomberg verzeichnet neun Anlageurteile, die zum Kauf und sechs, die zum Halten des GE-Papiers raten. Stratege Martin Sankey von Goldman Sachs setzte die Aktie Anfang vergangener Woche sogar auf die aktuelle Investmentliste. Sie benennt die Aktien, denen die Goldman-Analysten in den kommenden zwölf Monaten die höchsten absoluten Gewinnerwartungen einräumen. Dazu komme der verlockend niedrige Preis, der nur ein paar Dollar über den Jahrestiefständen von Mitte Oktober liegt, sagt Sankey.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%