Aktie unter der Lupe
Dicom profitiert von steigender Papierflut

Aus dem Blick vieler deutscher Anleger ist der britische Software Dicom Group-Entwickler verschwunden, seitdem er Anfang August seinen Rückzug vom Neuen Markt bekannt gab. Dabei bietet die Kursentwicklung des letzten Jahres Grund zur Freude. Nächstes Highlight könnte die Vorlage der Bilanz am kommenden Dienstag sein.

FRANKFURT/M. Wenn eine Aktien innerhalb eines Jahres über 50 % an Wert zulegt, dann erinnert das an goldene Zeiten an den Börsen. Zumal dann, wenn der Wert aus dem Bereich Software kommt. Das 1991 in der Schweiz gegründete und seit 1996 als britische Dicom Group plc firmierende Unternehmen schaffte zuletzt dieses Kunststück. Dabei klingt das Geschäftsmodell auf den ersten Blick kompliziert: Dicom ist im Bereich Electronic Data & Document Capture (EDC) tätig. Unternehmen und Behörden können damit Daten, Informationen und Formulare erfassen und strukturiert bündeln. Gerade Großkunden suchen händeringend nach Möglichkeiten, um der steigenden Papier- und Informationsflut Herr zu werden.

Nun ist die Dicom-Aktie gerade in den letzten Wochen aus dem Blickfeld der deutschen Anleger verschwunden, seitdem das Unternehmen Anfang August den Wechsel vom Neuen Markt an den Geregelten Markt vollzog und sein Hauptaugenmerk auf das Listing an der Londoner Stock Exchange (LSE) legt. Das Unternehmen selbst nannte drei Gründe dafür: Kostenersparnis, ein einheitliches Erscheinungsbild und eine vereinfachte Kommunikation mit den Anlegern. Das Unternehmen nutzte den Neuen Markt Anfang 2000 für eine Kapitalerhöhung, hatte sein Hauptaugenmerk aber immer auf der LSE, zumal in London meist auch die größeren Aktienpakete gehandelt wurden. Insofern ist der Rückzug vom Neuen Markt nachvollziehbar. Die Aussage von Vorstandschef Arnold von Büren, dass das gewachsene Erscheinungsbild nun besser zum Ausdruck kommt, zeugt zudem von gestiegenem Selbstbewusstsein.

Dieser Eindruck soll sich auch heute in einer Woche (17. September) bestätigen, wenn Dicom seine Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr (30.6.) präsentieren will. Wer die Zahlen der ersten neun Monate zu Rate zieht, der kann dem zuversichtlich entgegensehen. Da wurde ein Umsatz von 181 Mill. Euro sowie ein Ergebnis vor Zinsen , Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) von 14 Mill. Euro erzielt. Damit lag der Umsatz zwar unter den Schätzungen der Analysten, das Betriebsergebnis übertraf jedoch die allgemeinen Erwartungen. Für das Gesamtjahr rechnet Jörg Vonnemann von Consors Capital mit einem Umsatz von 253,5 Mill. Euro (Vorjahr 228,2) und einem Ebita von 18,8 Mill. Euro (Vj. 15,6). "Kaufen" lautet deshalb sein Urteil. Damit hat er die meisten seiner Kollegen hinter sich, zumal das Management für das Gesamtjahr an seinen zweistelligen Wachstumsabsichten festgehalten hat. Ed Steele von der Investmentbank HSBC beispielsweise rät ebenfalls zum Kauf. Bei Concord Effekten sieht man den fairen Wert weiter bei 8 Euro. Consors-Analyst Vonnemann geht sogar bis auf 9,30 Euro.

Insgesamt loben die Concord-Analysten die Ausrichtung des Unternehmens hin zu den margenstarken Bereichen. Gemeint ist hierbei das Hauptgeschäft EDC, das inzwischen knapp 70 % zum Gesamtumsatz beiträgt und in den ersten neun Monaten um etwa 18 % zulegen konnte.

Im zweiten Geschäftsbereich SGA ist Dicom Exklusivpartner für die digitalen Produkte von Samsung in Österreich und der Schweiz. Diese Sparte, von der man sich zwischenzeitlich trennen wollte, sich dann mangels eines entsprechenden Angebots zum Weitermachen entschied, schreibt nach wie vor schwarze Zahlen.

Dass die Dicom Group trotz der Krise in der Software-Branche weiterhin gute Zuwachszahlen präsentiert, davon ist Jörg Vonnemann überzeugt. "Der EDC-Markt verspricht langfristig ein jährliches Wachstum von 20 %", so Vonnemann. Diese Zahl könne wegen der derzeitigen Konjunkturschwäche auf 10-15 % fallen, trotzdem handele es sich um einen soliden Markt. Das zeige sich allein daran, dass zuletzt weitere Großkunden gewonnen wurden.

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