AKTIE UNTER DER LUPE
Die goldene Brezel von Kamps schmeckt altbacken

Nach Handelsblatt-Informationen steht Heiner Kamps kurz vor einem Vertragsabschluss für seine Imbiss-Filialkette Bakerstreet. Dennoch hat sich der Düsseldorfer Bäckermeister vom Liebling zum Prügelknaben der Börsianer entwickelt. Als Grund nennen Analysten das Ende der Wachstumsstory.

DÜSSELDORF. Vollbart, kräftige Statur, strammer Schritt - wenn er zur Hauptversammlung erscheint, wissen die Aktionäre: Hier betritt nicht irgendein Vorstandsvorsitzender den Saal, hier kommt der Bäckermeister. Heiner Kamps hat geschafft, wovon viele Manager räumen: Mit der Brötchen-Aktie gelang ihm der Aufstieg zum Liebling der Börsianer. Doch so schnell die Aktie der Kamps AG nach oben strebte, so unweigerlich folgte der Absturz.

Einige Analysten monieren, Kamps habe bisher vieles nur angekündigt, aber nicht erreicht - so etwa den Vertrag mit einem Ölkonzern zur Einführung der Imbisskette Bakerstreet in Tankstellen.

Nach Informationen des Handelsblatts steht Kamps allerdings kurz vor einem Abschluss. In der Branche werden Jet, die Tankstellen-Tochter der amerikanischen Conoco, und auch der Regionalanbieter Westfalen AG aus Münster als Partner gehandelt. "Keine Verhandlungen mit Kamps", heißt es dagegen bei den großen Mineralölgesellschaften von Aral, BP über DEA bis Esso, Shell und Total Fina Elf. Ein Sprecher der Esso Deutschland: "Das wäre nicht attraktiv für uns."

Im April 1998 kam die Kamps-Aktie zu 4,18 Euro (bereinigt um zwei Aktiensplits und Währungsumstellung) in den Handel. Im Februar diesen Jahres erreichte sie ihr Rekordhoch bei 47 Euro - das Zwölffache des Emissionswertes. Danach trudelte der Kurs monatelang abwärts.

Im Verlauf dieses Jahres fielen die Titel auf ein Jahrestief von 9,70 Euro in der ersten Dezemberwoche. Seitdem berappelt die Brötchen-Aktie sich wieder. Gestern notierte sie im Verlauf bei knapp 14 Euro. Kamps ist an der Börse vom Liebling zum Prügelknaben abgestiegen. Doch Analyst Burkhard Sawazki von HSBC Trinkaus & Burkhardt stufte die Aktie kürzlich auf "Outperformer" (überdurchschnittliche Kursentwicklung) herauf. Das Papier sei vollkommen unterbewertet, sagt Sawazki, der Kamps zuvor kritisch beurteilte. "Ich halte einen Kurs von 16 Euro für eine realistische Einschätzung."

In der Tat fehlten für den Kurssturz vorige Woche triftige Gründe. Auslöser war Analysten zufolge die Sorge, Kamps werde seine Ertragsziele nicht erreichen. Das Dementi folgte prompt: "Kamps rechnet 2000 nach wie vor mit einem Umsatz von 3,2 Mrd. DM (1999: 820 Mill. DM) bei einem Betriebsergebnis (Ebit) in Höhe der Markterwartungen von 220 (48,7) Mill. DM," teilte der Back-Konzern mit.

Neuer Markt färbt auf M-Dax ab

Ein weiterer Grund für die Kursturbulenzen: Der Neue Markt färbte auf den M-Dax-Wert ab. "Die Börse sieht aggressive Expansionsgeschichten nach der Krise bei dem Medienunternehmen EM.TV allzu skeptisch", sagt Jadwiga Bobrowska von der WestLB. Längerfristig erwartet Bobrowska einen Kamps- Kurs von 25 Euro und stuft die Aktie als "Outperformer" ein.

Christian Bruns von der DG Bank macht das Ende der Wachstumsstory für den Kursrückgang verantwortlich. Die Zeit der großen Übernahmen sei vorüber. Kamps habe sich mit dem Kauf der französischen Backgruppe Harry's übernommen. Der Düsseldorfer Konzern steht mit 1,3 Mrd. DM in der Kreide. Bruns glaubt, dass sich Kamps bis zum Jahr 2003 nochmals hoch verschulden wird, um die weiteren 51 % an Harry's zu kaufen. Da bleibt kaum noch Spielraum für große Zukäufe.

Den Kurssturz der vorigen Monate hält Bruns für nachvollziehbar, aber übertrieben. Kamps sei inzwischen ein ganz normaler Nahrungsmittelkonzern. Für große Kurssprünge müsste sich das Unternehmen etwas Neues einfallen lassen. Bruns hatte die Aktie bereits im August auf "Reduzieren" (pessimistisches Urteil) herabgestuft.

Dass nicht allein die Expansionsstrategie von Kamps für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich ist, belegt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialgeographischen Instituts der Universität zu Köln. Danach ist es Kamps gelungen, durch eine geschickte Auswahl der Standorte höhere Preise als die Konkurrenz durchzusetzen. "Diese Marktmacht leitet sich aus einer Dominanz in räumlich relevanten Märkten ab. Sie entsteht durch die Konzentration der Verkaufsstellen auf einige Teilräume (auf nationaler als auch lokaler Ebene) und innerhalb dieser Teilräume auf bedeutende Frequenzpunkte," heißt es in der Studie. An einigen Standorten agiere Kamps im Extremfall als Quasimonopolist und im Regelfall als Teiloligopolist, also als mittlerer Anbieter unter vielen kleinen.



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