Aktie unter der Lupe
Die „neue“ Continental überzeugt die Analysten

Die Zeiten sind bei Continental so bewegt wie selten, die Aktie klebt dennoch am Boden. Während die für morgen erwarteten Jahreszahlen daran wenig ändern dürften, setzen die Analysten auf Fortschritte beim Konzernumbau. Für die "neue" Conti als Fahrwerkskonzern heben sie den Daumen.

hb HANNOVER. In humorigen Momenten macht Stephan Kessel Witze über die Aktie der Continental AG. Sie klebe am Boden wie die hauseigenen Reifen, sagt der Vorstandsvorsitzende dann. Der "Boden" liegt in diesem Fall knapp unter der 20-Euro-Marke. Dort bewegt sich der Kurs seit Monaten in einem relativ schmalen Band, obwohl das Unternehmen bewegte Zeiten erlebt. Beim Strategiewechsel vom Reifenhersteller zum Systemzulieferer werde kein Stein auf dem anderen bleiben, sagt Kessel.

Doch die Anleger zögern, und die vorläufigen Jahreszahlen für 2000, die Continental morgen veröffentlichen will, dürften daran wenig ändern. Angesichts eines schwierigen Reifenjahres hat Kessel die Erwartungen heruntergeschraubt. Anfang des Jahres sollte der Gewinn noch stärker steigen als der Umsatz, später dann im Gleichschritt, und seit Ende des dritten Quartals ist klar, dass er stagnieren wird. In den ersten neun Monaten erhöhte der Konzern den Umsatz zwar um 11 % auf 7,4 Mrd. Euro, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) blieb mit 385 Mill. Euro aber konstant.

Dieser Trend gelte auch für das Gesamtjahr, hieß es im November, und so dürfte morgen ein Ebit von rund 510 Mill. Euro veröffentlicht werden, bei einem Konzernumsatz von etwa 10 Mrd. Euro. Der Jahresüberschuss wird sogar zurück gehen.

Aus Sicht vieler Analysten ist das mäßige Ergebnis allerdings das beste Argument für den Kauf der Aktie - abgesehen davon, dass mit noch niedrigeren Kursen kaum zu rechnen ist. Gebremst wird Continental durch das Reifengeschäft. Steigende Rohstoffpreise, ein schwacher Euro und ihre ausgeprägte Neigung zum Preiskampf ließen im vergangenen Jahr die gesamte Branche schlecht aussehen. Continental will aus dieser Herde ausbrechen und sich als Fahrwerksspezialist etablieren. Dazu gehörte der Kauf des Bremsenspezialisten Teves, der mit ABS- und ESP-Systemen zur Fahrwerksteuerung zurzeit glänzende Geschäfte macht. Die Mehrheitsübernahme bei der Daimler-Elektroniktochter Temic steht nach inoffiziellen Angaben kurz bevor, und mit Siemens wird der Einstieg beim Stoßdämpferhersteller Sachs verhandelt.

Kurs ging nach Teves-Kauf in den Keller

Für diese Strategie bekommt Continental ungeteiltes Lob der Analysten. Der Kurs ging trotzdem nach dem Teves-Kauf 1998 in den Keller. Zum einen fürchteten die Anleger Kapitalerhöhungen zur Finanzierung der 1,7 Mrd. Euro Kaufpreis, zum anderen zog der Gesamtmarkt den Kurs nach unten. Continental blieb allerdings auch unten, als sich andere erholten. Kessel erklärt das mit dem Aufstieg des Neuen Marktes und der Missachtung der Autowerte.

Der Neunmonatsbericht zeigte allerdings auch, wie sehr Probleme im Reifengeschäft immer noch auf die Gesamtrechnung durchschlagen. Mancher Analyst korrigierte daraufhin seine Prognosen. Die Bankgesellschaft Berlin erwartet statt 1,87 Euro nur noch 1,61 Euro Gewinn je Aktie, beließ es aber bei der Empfehlung "akkumulieren". "Die Gesamtstrategie ist wichtiger als die aktuelle Entwicklung im Reifengeschäft", sagt Analyst Sebastian Stein. Klaus Weihermann von der WGZ-Bank hat weniger Geduld. Im Frühjahr sah er in Continental noch einen "Outperformer", inzwischen ist die Aktie wegen des anhaltend schwierigen Reifengeschäfts bei ihm "Underperformer". Der Weg ins Systemgeschäft ist auch aus seiner Sicht richtig, er erfordere aber einen langen Atem. Versöhnt wurden die Bankexperten erst wieder im Februar, als Kessel den Verkauf der Tochter Conti-Tech offiziell ankündigte. Deren technische Kautschukprodukte passen größtenteils nicht mehr in das Konzept, die Trennung davon soll den Umbau finanzieren. Die WestLB nahm es als sichtbaren Fortschritt auf dem Weg zur "neuen" Continental und stufte die Aktie von "neutral" auf "outperform" mit Kursziel 24 Euro.

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