Aktie unter der Lupe
Die Norddeutsche Affinerie hat guten Draht zu Analysten

Der Mann ist dem roten Metall verfallen. Wer gegenüber Werner Marnette, dem Vorstandsvorsitzenden der Norddeutsche Affinerie AG, auch nur andeutungsweise sein Interesse an Kupfer erkennen lässt, wird von dem ausgebildeten Metallurgen einem Intensivkurs unterzogen.

HAMBURG. Die Themen: die Bedeutung von Kupfer als Rohstoff, Kupfer als Metall mit Zukunft und als Recycling-Werkstoff. Doch ist Kupfer nicht nur sein Hobby, Kupfer ist Marnettes Beruf. Mit seiner Person verbunden ist der Aufbau der Hamburger Kupferschmelze zum größten integrierten Kupferproduzenten Europas und, nach der Integration der Hüttenwerke Kayser AG in Lünen, zum weltgrößten Kupferrecycler.

Mit einem mehrere hundert Millionen D-Mark umfassenden Investitionsprogramm ist es Marnette gelungen, die Affinerie zur modernsten Hütte Europas auszubauen und sie von ihrem Schmuddelimage zu befreien. Die nur gut drei Kilometer von der Hamburger Innenstadt entfernte Schmelze galt den Hamburgern lange als Dreckschleuder, die alle möglichen Schwermetalle bis hin zum Arsen in die Luft blies. Jetzt kann sich Hamburgs Umweltsenator auf dem Werksgelände blicken lassen, ohne Prügel von der Basis zu riskieren. Die "Affi" ist in Hamburg wieder in. Dazu beigetragen hat auch die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens - die auch dann noch aktiv sein wird, wenn Mark und Pfennig im Zuge der Euro-Einführung eingeschmolzen sind. "Die DM geht, der Euro kommt - das Kupfer bleibt", zeigt Marnette die Perspektive auf.

Aber auch wenn der Regen durch Hamburgs Kirchtürme sickert, die Affi ist zur Stelle und spendet die Kupferplatten zur Sanierung. Allerdings ist Marnette auch ein knallharter Rechner. Im Gegenzug hängen an den Kirchtürmen Werbebanner des Konzerns. Zudem kassiert er das Altkupfer von den Dächern.

Mit der gleichen Intensität, mit der sich die Affi in der Öffentlichkeit präsentiert, kümmert sie sich um Investoren. "Wir stufen das Unternehmen bei der Investor Relations Arbeit eher überdurchschnittlich ein", kommentiert Götz Albert von Independent Research. "Die Norddeutsche Affinerie ist sehr offen und kommunikativ."

Dies kann mit dazu beigetragen haben, dass sich der Kurs des im MDax notierten Unternehmens auch bei schwacher Börse nur wenig nach unten bewegt. In den vergangenen 52 Wochen schwankte der Kurs zwischen 11,30 und 15 Euro, aktuell liegt er bei 12,20 Euro. Die Dividendenrendite von gut 6 % bietet, so die Einschätzung vieler Analysten, eine gute Absicherung nach unten.

Dass Analysten vor diesem Hintergrund bei der Bewertung der Affi den Daumen nach oben heben, überrascht nicht. "Die Affi ist sehr gut positioniert, sehr attraktiv. Sie ist eines der Qualitätsunternehmen im MDax. Wir halten das Unternehmen auf dem derzeitigen Kursniveau für unterbewertet", urteilt Hartmuth Höhn von der Berenberg Bank. Götz Albert empfiehlt "übergewichten". Die Affinerie sei bei ihren Bemühungen, die Effizienz zu steigern, gut vorangekommen. Dirk Lohmann von HSBC Securities sagt: "Aufstocken". "Übergewichten" meint auch Anke Peters von der Vereins und Westbank - und sie zögert nicht das Kursziel zu nennen: 18 Euro. "Die heute erwarteten Zahlen für das erste Halbjahr dürften keine negativen Überraschungen bergen."

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